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Dokument: das kollektiv ist jeder /holger
20.5.
[aus: das info /briefe von gefangenen aus der raf aus
der diskussion 1973-1977. Neuer Malik Verlag 1987]
durch die iso wird uns gewaltsam ein widerspruch zwischen
dem kollektiv und dem einzelnen aufgezwungen, der noch
zum teil nicht gelöst ist - objektiv ne schwäche
ist und subjektiv falsche vorstellungen zeigt.
kollektiv und doch jeder in seinem loch ist die schwierigkeit,
zur kollektiven entscheidung und handlung zu kommen.
die schriebs zu/über/an reinhard und golzem zeigen
das sehr klar, zb hängst du golzem in ner einzelinitiative
ab, und entziehst reinhard in ner solo-entscheidung
das mandat, und du sagst: lass besuch bei mir, und ihr:
bei uns beiden, und dazu zig info-berichte: so wars,
so ists, ich denke usw. bei dir dann vollends das dilemma:
erst info (mit dem gedanken an ne kollektive entscheidung),
dann doch solo (weil jemand sagt: dein bier), jetzt
wieder info und dass das ne kollektive sache sein müsste.
kollektiv ist aber: JEDER IN SEINEM LOCH ENTSCHEIDET
UND HANDELT KOLLEKTIV durchs-fürs-als kollektiv,
anders gehts nicht. ne hierarchie gibts nicht. demokratischer
zentralismus oder was?
das kollektiv als instanz, die den standpunkt von allen
zusammenfasst, entscheidet und handelt, ist ne mystifikation.
weil: jeder ist in derselben iso wie du, was aber nicht
heisst: jeder entscheidet und handelt nur für sich.
die einzel/solo-kisten fallen zurück hinter das,
was war und ist, tendieren also zur reaktionären
lösung des widerspruchs (auch bei nachträglicher
information). ist ja auch noch nicht so, dass die pigs
die möglichkeit des solidarischen zusammenhangs,
also der kollektiven handlung und entscheidung zerschlagen
haben (dann gibts allerdings nur noch einzelkämpfer).
andererseits sind sie aber immerhin ne handlung. die
info-berichte dagegen tendieren zur richtigen lösung,
bleiben aber nur informativ, kommen nicht zur handlung.
zur funktion von führung war gesagt worden: 'an
denen sie hängenbleibt' und das ziel: 'sie abzuschaffen'.
umgekehrt: sich selbst dahin bringen, dass sie überflüssig
wird. im prinzip kann man ja auch davon ausgehen dass
jeder - weil kollektiv - dasselbe denkt. oder anders
gesagt: wenn jemand was anderes denkt, wird er es schon
sagen + wenn jemand was falsches denkt, wird er schon
kritisiert werden.
(die schriebs sagen ja auch alle dasselbe: der läuft
nicht.)
lösen lässt sich dieser erzwungene widerspruch:
allein/kollektiv ansonsten nur so, dass sich jeder dahin
bringt, dass seine initiative schon der 1. schritt zur
lösung i s t, der den weg, das mittel, das ziel
schon in sich trägt. also praktisch hättest
du statt solo oder info gleich nen entwurf für
ne kollektive erklärung machen müssen. natürlich
als entwurf, damit diskussion/korrektur laufen kann,
aber eben schon entwurf, damit sich die entscheidung
gleich an der sache festmachen kann. sonst bleibt immer
die frage: wer solls denn nun machen - jeder einzeln
oder du oder ich oder wer?
info was war/ist/sollte/könnte/frage/denke usw
muss natürlich sein + falsch wär, was wichtiges
nicht zu sagen, aber wenns in der sache, also auf der
hand liegt, was zu tun ist: fang gleich damit an, machs,
und gleich für alle: jeder ist das kollektiv und
kollektiv ist jeder.
20.5. ji
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