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die waffe mensch
brief von holger meins am 5.6.74

 

Dokument: die waffe mensch /holger 5.6.

[aus: das info /briefe von gefangenen aus der raf aus der diskussion 1973-1977. Neuer Malik Verlag 1987]

zum ein- + vierzeiler: wird man ja sehen, ob er seine brötchen mehr liebt als sein leben und die bullen mehr als das volk.

überlegt mal - könnte man sagen: die gefangenen, die in der raf organisiert waren, haben eine ratte weniger und ihr eine ratte mehr. der herr mahler hat sich selbst den papierhut aufgesetzt. als revisionist, kolonialherr, schleimscheisser und marxausbeuter wird er sich demnächst wohl irgendein parteibuch zulegen und irgendein eingetragener verein ein neues starobjekt besitzen. die schlitzaugen, nigger, vietcongs, feddayins und alle rothäute wünschen ihm eine gute fahrt zur hölle, eine gesegnete mahlzeit + allen bullenratten gute verdauung.'

kann man natürlich auch sofort sagen, denn unser problem ist er nun auch nicht mehr.
bin ich dafür.

KRITIK (nur für die, dies angeht, und für die reste, spuren und keime):

1. 'nutze die zeit' sagt george.
bist nicht schlecht informiert. tickst zu langsam. fummelst zu lange rum. drehst jedes ding fuffzig mal um, hin und her überlegt kommste auf fuffzig differenzierungen und kommst nicht zum schluss. zack! schon ist das licht aus. (wird übrigens um halb vier schon hell. bleib doch wach. george ist alle zwei drei tage mal fürn paar stunden vom hocker gerutscht). jedenfalls komm mal auf touren. so auf die drehzahl: rasend cool hellwach gelassen blitzschnell heiter unversöhnlich. nutze die zeit. wird ja langsam auch mal zeit. schliesslich sitzen wir alle nur wegen der falschen reflexe.

2. viel worte um nichts, schlag nach bei mao.
viele worte bekannt gehabt geschenkt an alle. wozu? an alle. borniert auf den falschen begriff gebracht, nicht nachgedacht, um den heissen brei herumgeredet an alle. kleckerkram und kinkerlitzchen und steht doch so-oder-so in jeder zeitung: zig mal zeit und zig mal kopiert und zig mal gelesen und dann muss man den dreck auch noch wegschmeissen. fasse dich kurz. info ist: das gute zeug her damit. SACHE und TAKTIK und JOB.
speziell: du ballerst rum wie mit nem mg. die bornierten begriffslosen attacken auf die berliner anwaltsratte liefern ihm nur die munition, mit der er dann auf uns feuert. das info (!) soll endlich DEINEN dreck wieder einsammeln. auch das noch. wenn dir was nicht klar ist, denk lieber erstmal nach. TAKTIK junge, kleinarbeit.
ihr: zu dritt und dann zwei SCHWEIGER. kriegt ihr die fresse nicht auf oder hat man euch das maul gestopft oder was? klar jedenfalls: die gestörten körperfunktionen und der eiter sind der gewaltsam eingeschlossene bullendreck. FREMD-körper. schmerzt natürlich sowas. merkt sogar der körper. man muss täglich die stube fegen, sagt mao, sonst setzt sich der staub fest. wie wärs also mal mit nem grossreinemachen?
kein problem schwester: wenn du 'diesen zusammenhang' nicht gekriegt hast: man zieht die brauen zusammen und stellt ihn selbst her, 'den zusammenhang'. kannst ihn nicht checken? riechst es denn nicht? liegt vor deiner nase. verpestet die luft. warn doch grad da die bullen. neue terrorpläne von springer & herold & bender: attentatsdrohungen nennen sie das. wenn du morgen wieder zu dir kommst - das war die narkose. pass auf - gleich knallts.
ich denke nicht, dass sie es tatsächlich WAGEN werden. haben sie eigentlich (noch) nicht nötig. der psycho-terror bringt es und reicht auch so. aber die mobilen exekutionskiller, diese ganze KRIEGSKONJUNKTUR, diese bullen-hochkonjunktur - so oder so gehste am besten in deckung, weil mit sicherheit n paar splitter in deine zelle fetzen werden.

3. 'die guerilla basiert auf der anerkennung der tatsachen und nicht auf der apologie der tatsachen', steht im konzept.
das ist immer noch das beste. auch gut gegen die fetten spuren in der metro-folter und anderen zeilen. blätter mal drin rum, dann weisste, was ich meine. sind wir denn im komitee, im büro, in der folterforschung oder begriffslos oder kindisch? die pig-scheisse von vorn und hinten. 'dass du dich überhaupt damit BEFASST!'
ihr heute grad 121-tage-kinder, lasst euch doch nicht verrückt machen und vor allem, macht euch doch selbst nicht verrückt. was war denn VORHER? habt ihr euch da damit befasst, ob das nun vernichtung ist oder ne form der isolation oder die sache selbst oder gar der zweck? also hört doch auf, wie die karnickel auf die pig-schlange zu STARREN 'ein pig ist ein pig', sagt panther george und der hatte das feuer im herzen: 'sie werden mich nie zu den gebrochenen zählen können'. und: 'ich weiss, dass sie nicht zufrieden sein werden, ehe sie mich ganz aus dem leben gestossen haben'. na und? vorher und jetzt, hat sich auf beiden seiten IRGENDETWAS VERÄNDERT?

hs: 'man muss die wege der geschichte zurückgehen', sagt fanon und che: 'die urkräfte des volkes entwickeln'. und che ist auch nicht totzukriegen. DIE WAFFE MENSCH:

'die guerilla stammt von draussen. sie ist dort, was sie auch hier nur sein kann: die revolutionäre interventionsmethode von insgesamt schwachen revolutionären kräften.' steht auch im konzept. wir sind gefangen, aber wir sind nicht entwaffnet. das ist nicht wahr, dass wir entwaffnet sind. wir sind technisch entwaffnet, aber alle welt weiss: im befreiungskampf entscheidet nicht die technik, sondern die menschen. wir haben zwei sehr starke waffen: unseren grips und unser leben. unser bewusstsein und unser sein (DESHALB wollen sie doch an unser gehirn oder eben gleich ganz). beide ZUSAMMEN und KOLLEKTIV eingesetzt heisst: 'den antiimperialistischen kampf offensiv führen: trotz der schwäche hier und jetzt revolutionär intervenieren' (auch konzept). solidarisch und kollektiv wird das ne starke aktion, wenn sie ist: entschlossen konsequent unbeirrbar unnachgiebig, langandauernde unerbittliche feindschaft. guerilla ist: 'sich von der gewalt des systems nicht demoralisieren lassen - furchtlos im kampf ausharren: immer zu kämpfen, trotzdem zu kämpfen, bis zum tod zu kämpfen' (auch).

nichts als langandauernde VERACHTUNG für die pigs und für ihre terror- und mordinstrumente. diese VERACHTUNG DES TODES, die den folterer vernichtet. 'wer keine angst vor der viertellung hat, wagt es, den kaiser vom pferd zu zerren', sagt mao.
die PRAXIS, die, indem sie einen klaren trennungsstrich zwischen sich und dem feind zieht, am schärfsten bekämpft werden wird. die praxis, die nichts anderes erwartet als erbitterte feindschaft. - das SETZT VORAUS, sich über SEINE EIGENE MOTIVATION IM KLAREN ZU SEIN, sicher zu sein, dass bild-zeitungs-methoden bei einem nicht mehr verfangen, DIE GANZE SCHEISSE, dass einen die nicht trifft.
entweder du bist ein teil des problems oder du bist ein teil der lösung. DAZWISCHEN GIBT ES NICHTS. so einfach und doch so schwer.

so oder so: das wird kein zuckerschlecken. na mir schmeckt das eh schon lange nicht mehr und weihnachten sieht die sache schon anders aus. ausserdem würde ich sagen, muss er ausser hunger von anfang an eben auch sein:
kein wort zu den pigs, in welcher verkleidung sie auch immer ankommen, vor allem: ärzte.
kein einzel-hof, einzel-bad.
kein besuch unter bullenbewachung (müsst ihr mal sagen, weiss nicht genau).
natürlich auch keine einzige handreichung, keinen finger für sie krumm machen (zb besuchs-ausziehen), nichts, nur feindschaft und verachtung.
keine provokationen, das ist wichtig. in der regel passiven widerstand. sich NIE zu irgendwas provozieren, hinreissen lassen. das ist pure dummheit. cool gelassen heiter. aber sich unversöhnlich unerbittlich BIS ZUM ÄUSSERSTEN VERTEIDIGEN mit der methode MENSCH.

DIE METHODE MENSCH:
'man muss nicht nur für die freiheit seines volkes kämpfen. man muss auch während der ganzen zeit, die der kampf dauert, diesem volk und zunächst SICH SELBST die DIMENSION DES MENSCHEN WIEDER ERSCHLIESSEN. die unterdrückungsperiode ist schmerzlich, aber der kampf entwickelt durch die REHABILITIERUNG DES UNTERDRÜCKTEN MENSCHEN einen reintegrationsprozess, der äusserst fruchtbar und entscheidend ist. sobald einer wie ein hund liquidiert werden kann, bleibt ihm nur noch übrig, mit allen mitteln sein GEWICHT ALS MENSCH wiederherzustellen. ich konnte in diesen letzten jahren sehen, dass im kämpfenden algerien die EHRE, die SELBSTAUFOPFERUNG, die LIEBE ZUM LEBEN, die VERACHTUNG DES TODES oft ausserordentliche formen annehmen, diese selbstaufopferung bei der beschützung des volkes oder der deckung der brüder. und dieses vernichtende schweigen - der körper schreit natürlich - dieses schweigen, das den folterer vernichtet! wir stossen hier, sage ich, auf das sehr alte gesetz, das es irgendeinem teil der existenz verbietet, unberührt zu bleiben, wenn der MENSCH seine UNBEGRENZTE MENSCHLICHKEIT gleichzeitig FORDERT und BEHAUPTET.' (fanon)

'I'm the nigger that hunts you now.'

die price-sisters, sie leben 10 mal 10 mal 10-tausend Jahre!

man sollte erst (aber schnell, bald) anfangen, wenn alles klar ist. alles geklärt, vorbereitet, organisiert, fertig.
dazu auch: möglichst viele dazu gewinnen (ohne gerüchteküche).
ne gute erklärung, wo was drinsteht, das wichtigste, nicht diesen 1)2)3)-müll. denke, ob es nicht richtig wär, daran ne genaue liste von forderungen, alle einzeln aufgeführt, die erfüllt werden müssen, alle, bis wir wieder aufhören, und zwar erst dann, wenn auch die LETZTE erfüllt ist. von der belegung der nachbarzelle bis zur abschaffung des toten trakts.

5.6.ji

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zum ein- und vierzeiler
gemeint sind die briefe, mit denen mahler den anwälten mitteilte, dass er aus dem info ausscheidet.

price-sisters
marian und dolours price - sie waren 205 tage im hungerstreik, von novemher 73 bis anfang juni 74. sie haben den politischen status und ihre verlegung von england nach nordirland gefordert, wo die gefangenen seit 72 den politischen status erkämpft hatten und zusammen waren.
dem streik schliessen sich in england hugh feeney, gerard kelly, michael gaughan und frank stagg an. monatelang läuft zwangsernährung, an der michael gaughan anfang juni stirbt. einen tag später macht jenkins die zusage, dass die sisters nach nordirland verlegt werden. die gefangenen brechen den streik ab.
während des streiks gibt es eine starke kampagne gegen die zwangsernährung. die britische regierung beschliesst danach, hungerstreikende nicht mehr zwangszuernähren.
im märz 76 wird in den irischen lagern der politische status wieder abgeschafft auf eg/brd-intervention. frank stagg stirbt im februar 76 in england im streik, er wird nicht zwangsernährt.

bender
justizminister baden-württemberg


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