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Dokumentation: Flugblatt der Bewegung
2. Juni
Zum Attentat auf Berlins höchsten Richter:
Terror oder Gegenwehr?!
Bewegung 2. Juni
Wer ist über den Tod Günter von Drenkmanns
"bestürzt" und weshalb?
Der Aufschrei über den Tod Drenkmanns ist der
Aufschrei der Herrschenden über den Tod eines der
Ihren! Nicht die innere Sicherheit, nicht die Sicherheit
der Bevölkerung sehen sie bedroht - Was interessiert
diese Leute schon der "kleine Mann", es sei
denn als Wähler sprich Stimmvieh - ihre eigene
Sicherheit ist bedroht: da ist jemand zur Verantwortung
gezogen worden, der sich nie Gedanken über Verantwortung
machen mußte, weil er als "Träger des
Rechts" unangreifbar war. Wenn er uns heute unter
anderem auch als Antifaschist verhökert werden
soll, nur weil er während der NS-Zeit nicht als
Richter tätig war: sondern als Syndikus in der
hiesigen Industrie- und Handelskammer, dann stellt sich
doch die Frage: War diese etwa antifaschistisch? !?
Die Regierungen wechselten, die Drenkmanns waren immer
dabei. Schon der Vater Günter von Drenkmanns war
unter Kaiser Wilhelm Kammergerichtspräsident, dann
Weimar, die Nazis. 1937 wurde Günter von Drenkmann
Richter und brachte es dann unter unserer sogenannten
"freiheitlich-demokratischen Grundordnung"
zum immerhin höchsten Richter dieser Stadt... und,
auch der Jüngste der Drenkmanns wird diese Tradition
wohl fortsetzen, zur Zeit ist er jedenfalls schon mal
Richter am Landgericht.
Es kommt doch nicht von ungefähr, daß es
in der Familie Drenkmann gang und gäbe war, ihre
Kinder Jura studieren zu lassen, während es in
der Arbeiterfamilie gang und gäbe ist, daß
die Kinder wieder Arbeiter werden...! In unserer "Demokratie"
(Volksherrschaft) sieht es so aus, als wäre der
Arbeiter sowohl dümmer, als auch "von Hause
aus" krimineller als die Bessergestellten:
Nur etwa 6 % Arbeiterkinder sind an unseren Universitäten;
die in den Gefängnissen Einsitzenden sind zu 80
% Angehörige der arbeitenden Klasse! Das ist die
"Gerechtigkeit" des Systems, das ist die "Ordnung",
die Drenkmann und alle Angehörigen dieser Klasse
unter allen Umständen aufrecht erhalten wollen!!!
Und dann tönt es plötzlich, die Demokratie
sei in Gefahr; nicht, weil endlich erkannt wurde, daß
das Volk gar nicht herrscht, sondern laufend von denen,
die es im Interesse der Bonzen und Postenjäger
regieren, beschissen wird - nein, hier haben ganz bestimmte
Leute Angst, daß die Höhe ihres Postens und
ihre Absicherung durch angeblich "allgemeingültige"
Gesetze, keine Gewahr mehr dafür sind, daß
sie tun und lassen können, was sie wollen.
Die Aktionen der bewaffneten Linken haben sich nie
gegen das Volk gerichtet: Ihre Aktionen waren immer
gegen die gerichtet, die das Volk. ausbeuten, belügen,
betrügen und verraten. Und genau diese haben es
nötig, im Augenblick der Gefahr für sie selbst,
eine Gefahr für die Bevölkerung heraufzubeschwören:
Einer Bevölkerung, mit der sie sich sonst nicht
an einen Tisch setzen würden, die ihnen als Untergebene
gerade gut genug ist.
Plötzlich war Richter Drenkmann ein Bürger
wie jeder andere, als ob die Schüsse auch einen
Werkzeugmacher, den Gemüsehändler an der Ecke
oder die Verkäuferin im KaDeWe hätten treffen
können! Wir kämpfen doch nicht gegen unsere
Schwestern und Brüder, sondern gegen die, die uns
alle knechten und auf Raten umbringen: mit unmenschlichen
Wohnverhältnissen, mit Arbeitshetze, mit einem
Ausbildungssystem, das nur ihre eigenen Kinder ausbildet,
mit Gefängnissen, in denen Menschen sterben und
die, die nicht sterben, für immer kaputtgemacht
werden.
Was geht die arbeitende Bevölkerung der Kammergerichtspräsident
Drenkmann an, der - laut Bild - es liebte, bei der Arbeit
rosa Hemden zu tragen und - laut Tagesspiegel - ein
weltläufiger Mann war?
Während sonst alles getan wird, um eine Solidarität
unter uns zu verhindern, sei es durch Isolation am Arbeitsplatz,
durch isoliertes Wohnen, durch Isolation in den Gefängnissen...
ruft es nun plötzlich von Regierungsbänken
und quer durch alle Parteien (es gibt keine Parteien
mehr, es gibt nur noch Deutsche!? ) nach "Solidarität".
Nach Solidarität gegenüber denen, die gezeigt
haben und noch zeigen, daß Widerstand notwendig
ist, daß Widerstand möglich ist. Das ist
ihre Angst: Nicht, daß die Bevölkerung von
Terroristen bedroht wird (sie selbst wissen ganz genau,
daß die Aktionen nur sie treffen), sondern daß
diese Bevölkerung anfängt, sich gegen den
Terror von oben, zur Wehr zu setzen, daß sie ihr
Recht fordert, darum zu kämpfen beginnt.
Die Erschießung des obersten Richters von Berlin
ist keine Aktion gegen das Volk - das Volk hat die "Terroristen"
nicht zu fürchten! Die Aktion gegen den Richter
zeigt, daß wir uns wehren, daß wir die Ermordung
eines Genossen nicht mehr ohnmächtig hinnehmen,
sondern daß wir die Verantwortlichen zur Rechenschaft
ziehen. Auf der Berliner Justizszenerie tat das Kammergericht
sich schon seit jeher mit besonders reaktionären
Urteilen, Beschlüssen und Anordnungen hervor, Es
ist nur logisch, daß der Präsident selbst
nicht am Richtertisch stand: Welcher Unternehmer macht
sich selbst die Hände dreckig und hat aber dennoch
alle Entscheidungsgewalt in der Hand!
Die Toten, die der Polizeiapparat, der Verfassungsschutz,
die Justiz auf dem Gewissen haben, sind unzählig:
Richard Epple, Petra Schelm, Jürgen Jendrian, Georg
von Rauch, Tommy Weissbecker, Günter Routhier,
Mc Loyd, Benno Ohnesorg und jetzt Holger Meins sind
nur ein paar Namen von vielen Erschlagenen und Erschossenen.
Alle Verfahren gegen ihre Mörder wurden eingestellt!
Diesen staatlich geschützten Verbrechen können
und werden wir nicht mehr tatenlos zusehen!
Verweigert den Heuchlern die 'Solidarität',
laßt sie am Donnerstag unter sich!
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