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taz,
14.3.2000 Seite 11
Tödliche
Konsequenz
Andrea Wolfs politischer Weg begann bei den deutschen Autonomen und
endete bei der autoritär-patriarchalischen kurdischen Arbeiterpartei
PKK "Die Stimme von Genossin Ronahi war voller Angst. Sie hat geschrien.
... Ihre Stimme war wütend, wie von jemand, der starke Schmerzen
hat. ... Dann fielen Schüsse." So beschreibt eine Kämpferin
der Kurdischen Arbeiterpartei
(PKK) die letzten Minuten von Andrea Wolf (33), am 22. Oktober 1998
in Türkisch-Kurdistan. Aufgezeichnet hat den Bericht die "Internationale
Unabhängige Untersuchungskommission Andrea Wolf".
Das heute in München vorgestellte Dokument soll belegen: Die deutsche
PKK-Kämpferin wurde von türkischen Soldaten nach ihrer Festnahme
gefoltert und exekutiert. Die Zeugin will die Szene in einem Erdloch
ausharrend mitgehört haben. Zuvor war ihre PKK-Einheit, zu der
auch Wolf gehörte, vom türkischen Militär fast vollständig
vernichtet worden. Die türkischen Behörden behaupten, sie
hätten "keine Hinweise auf den Verbleib von Frau Wolf".
Die prominente tükische Anwältin Eren Keskin ermittelt trotzdem.
Sie will den Fall vor den Europäischen Gerichtshof bringen.
Andrea Wolfs Weg in die kurdischen Berge beginnt an einem katholischen
Gymnasium in München. Dort sei sie Schulsprecherin geworden, habe
sich aber "gleichzeitig unbeliebt bei den Nonnen gemacht",
erinnert sich ihre Mutter, denn: "Ihre Offenheit nannten sie unangepasst."
Mit 15 beteiligt sich Andrea Wolf an einer Hausbesetzung und verbringt
ihre erste Nacht im Gefängnis. Ein Jahr später landet sie
für ein halbes Jahr in U-Haft. Der Grund sind ihre Aktivitäten
in der Gruppe "Freizeit-81", die sich die Verschmelzung von
Kampf, Kunst, Punk und Politik auf die Fahnen geschreiben haben. Es
folgt ein intensives Engagement beim Aufbau eines Infoladens, beim süddeutschen
Autonomenplenum und in Frauengruppen. 1986 zieht Andrea Wolf nach Frankfurt,
landet in verschiedenen WGs - und 1987 für drei Monate im Frauengefängnis
Preungesheim. Ein Spitzel des Verfassungschutzes hatte behauptet, sie
habe einen Anschlag auf das Amtsgericht Offenbach geplant.
Für den Staatsschutz gehört Wolf zum RAF-Umfeld und war 1993
an dem Anschlag auf den Rohbau des Gefängnises im hessischen Weiterstadt
beteiligt.
Die Autonome flieht in den Nahen Osten - ausgerechnet zu der autoritär
und patriarchalisch geführten PKK. Zuvor hatte Wolf in einem Brief
an Christian Klar die "ZuschauerInnenhaltung" deutscher Linker
kritisiert. "Mit dieser ,Wir sind schlauer'-Haltung muss man auch
nie mal in die Scheiße greifen", schreibt sie, "bzw.
stürzt sich erst gar nicht in die Unwegsamkeiten des
Lebens, bzw. des Kampfes." Andrea Wolfs Konsequenz endete tödlich.
THOMAS DREGER
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