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Presseerklärung
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Prozessbeginn zur
Online-Demo gegen Lufthansa
Liebe
Freundinnen und Freunde, sehr geehrte Pressevertreter,
am
14. Juni findet am Amtsgericht Frankfurt der Prozess
gegen einen vermeintlichen Initiator der Online-Demonstration
gegen die Lufthansa AG vom 20. Juni 2001 statt.
Zur
Erinnerung: Am 28.05.1999 sollte der Sudanese A. Ageeb
mit dem Flug LH 558 abgeschoben werden. Bei der massiven
Gewaltanwendung durch BGS-Beamte ist er mit
Motorradhelm auf dem Kopf und mit Kabelbindern gefesselt
zu Boden gedrückt worden und dabei erstickt.
Sein Tod war der Anlass für die deportation.class
Kampagne von kein mensch ist illegal,
um die Beteiligung der Lufthansa am Abschiebegeschäft
öffentlich zu machen. Aber wie? Und wo? Wenn Konzerne,
wie die Lufthansa AG, die mit Abschiebungen ihr Geld
verdienen, Filialen im Internet aufbauen, dann muss
man auch genau an diesem Ort demonstrieren. Deswegen
initiierten kein mensch ist illegal und
Libertad! im Rahmen von deportation.class die
Idee einer Online-Demo gegen die Lufthansa. Über 13.000
TeilnehmerInnen griffen am Tag der Demonstration gleichzeitig
und immer wieder auf die website der Lufthansa zu,
die zeitweise nicht mehr erreichbar war: der digitale
Kranich stürzte ab. Die Lufthansa erstattete Anzeige,
was im Oktober 2001 zu einer Razzia der Polizei gegen
Libertad! führte, bei der zahlreiche Computer und
Datenträger beschlagnahmt wurden. Nach der Zulassung
der Anklage findet nun fast vier Jahre später der
Prozess statt.
Interessant
ist die Auswahl des vermeintlich Verantwortlichen
dieser Aktion. Obwohl mehrere hundert Gruppen und
Einzelpersonen zu der Online-Demo aufgerufen hatten
und sich mehrere tausend Menschen an der Aktion beteiligt
haben, beschränkt sich die Anklage der Staatsanwaltschaft
ausschließlich auf den Anmelder der web-domains von
www.libertad.de
und www.sooderso.de. Der Vorwurf lautet Nötigung
und Aufruf zur Nötigung. Auch das zeigt,
wie schwierig die rechtliche Beurteilung dieser Aktionsform
ist, ganz zu schweigen von der Beweisbarkeit der Schuldfrage.
Mit der Auswahl des Angeklagten ist aber auch klar,
dass mit diesem Prozess vor allem der gesamte politische
Zusammenhang Libertad! angegriffen und geschwächt
werden soll.
Der
Prozess bietet die Möglichkeit, durch das zu erwartende
Medieninteresse einer breiten Öffentlichkeit die Beteiligung
vor allem der Lufthansa am Abschiebegeschäft als Folge
der rassistischen Flüchtlingspolitik der Bundesregierung
aufzuzeigen. Vorsitzende Richterin in diesem Prozess
ist Annemarie Wild, die sich schon in der Vergangenheit
als Hard-Linerin in politischen Prozessen hervorgetan
hat. Das Urteil in diesem Prozess wird von der Politischen
Justiz und ihrer Strafverfolgungsbehörden ohne Zweifel
als Grundlage für zukünftige Aktions- und Protestformen
im virtuellen Raum genutzt werden. Gerade deshalb
wird dieser Präzedenzfall für die gesamte emanzipatorische
Linke von großer Bedeutung sein. Denn um unseren Kampf
gegen die kapitalistische Ordnung, gegen Imperialismus,
gegen Faschismus und gegen Rassismus, unsere Vorstellungen
von einem Leben in Würde und frei von Herrschaft,
unsere Inhalte weiterhin offensiv darzustellen und
zu einem wahrnehmbaren Faktor in gesellschaftlichen
Auseinandersetzungen zu machen, müssen wir auch über
neue Formen des Widerstands diskutieren und diese
für uns nutzbar machen nicht nur auf der Straße,
sondern auch im Internet.
In
der Woche vor dem Prozess finden noch zahlreiche Informations-
und Solidaritätsveranstaltungen statt, zu denen wir
Euch im Namen von Libertad! ganz herzlich einladen:
Dienstag
07.06.2005 20 Uhr
Online-Aktivismus
Das Internet als politischer Protestraum!
Veranstaltung mit der autonomen a.f.r.i.k.a.-gruppe
Ort:
atelierfrankfurt, Vortragssaal, 2.OG, Hohenstaufenstr.
13-27, Frankfurt
Mittwoch
08.06.2005 20 Uhr
Veranstaltung
mit Film: Deportation.Class Portrait
einer Kampagne, Infos zum Prozess!
Ort:
Dritte Welt Haus, Falkstr. 74, Frankfurt
Freitag
10.06.2005 ab 21.30 Uhr
Grand
Prix de la Revolution Bunter Benefiz-Abend mit
Karaoke, Party, DJs, Tanzen, Trinken und noch mehr
Ort:
Cafe ExZess, Leipziger Str. 91, Frankfurt
Montag
13.06.2005 ab 16 Uhr Infostand
ab 17 Uhr Kundgebung
gegen
Sammelabschiebungen vor der Abschiebeairline Aeroflight.
Ort:
Lessingstr. 7-9 (nahe S- und U-Bahnhof Oberursel)
ab 18 Uhr Kneipenabend im ExZess: Kurzfilm
und Infos zum Prozess
Dienstag
14.06.2005 8.30 Protestkundgebung
vor Gericht 9.00 Uhr Prozessbeginn
Ort:
Hammelgasse 1, Amtsgericht Frankfurt, Gebäude E
Seid
solidarisch, kommt zahlreich zum Prozess!!!
Wir
laden alle VertreterInnen der Presse ein, diesen Prozess
kritisch zu begleiten!!!
Mehr
Informationen zum Prozess, zum Abschiebegeschäft der
Lufthansa und anderer Fluglinien, und zur Online-Demo
2001 bei:
Rote
Hilfe Darmstadt
email: darmstadt@rote-hilfe.de
Libertad! email: frankfurt@libertad.de und www.libertad.de
"Die Rote Hilfe
ist eine parteiunabhängige, strömungsübergreifende
linke Schutz- und Solidaritätsorganisation.
Die Rote Hilfe organisiert nach ihren Möglichkeiten
die Solidarität für alle, unabhängig von Parteizugehörigkeit
oder Weltanschauung, die in der Bundesrepublik Deutschland
aufgrund ihrer politischen Betätigung verfolgt werden.
Politische Betätigung in diesem Sinne ist z.B. das
Eintreten für die Ziele der ArbeiterInnenbewegung,
der antifaschistische, antisexistische, antirassistische,
demokratische oder gewerkschaftliche Kampf und der
Kampf gegen die Kriegsgefahr. Unsere Unterstützung
gilt denjenigen, die deswegen ihren Arbeitsplatz
verlieren, Berufsverbot erhalten, vor Gericht gestellt
und zu Geld- oder Gefängnisstrafen verurteilt werden
oder sonstige Nachteile erleiden.
Darüber hinaus gilt die Solidarität der Roten Hilfe
den von der Reaktion politisch Verfolgten in allen
Ländern der Erde."
(aus der Selbstdarstellung:
www.rote-hilfe.de)