Razzia
Polizei verhaftet PCs
Online-Demo
von Abschiebegegnern als »Nötigung«
Von Thomas Klein,
Frankfurt (Main)
Am 20. Juni
gab es in Deutschland die erste Online-Demonstration.
Organisiert vom Netzwerk »kein mensch ist illegal« und
von der Initiative »Libertad!«.
Die Aktivisten
versuchten am Tag der Lufthansa-Aktionärsversammlung in Köln
das Internetportal des Konzerns zu blockieren. Dieser Protest »gegen
das Geschäft mit Abschiebungen« hat nun ein Nachspiel:
Mittwochfrüh drangen Polizeibeamte in die Büroräume
der Initiative »Libertad!« in Frankfurt (Main) ein und
beschlagnahmten Computer, CDs, Dokumente. Zu der Online-Demonstration
hatten neben den beiden Initiativen zahlreiche Infoläden, Jugendzentren,
Menschenrechtsgruppen und PDS-Ortsgruppen aufgerufen. Laut Durchsuchungsbeschluss
des Amtsgerichts Frankfurt beteiligten sich am 20. Juni 13 614 Menschen
an der Internet-Aktion. Weil der Lufthansa durch die über 1,2
Millionen Seitenaufrufe ein wirtschaftlicher Schaden entstanden
sei, wertet die Polizei die Online-Aktion als »Nötigung«.
Der Protestaufruf gilt demnach als eine
»Anstiftung zu Straftaten«.
Nicht nur die
Büroräume von »Libertad!« im Frankfurter Dritte-Welt-Haus
wurden aufgebrochen. Die Polizeibeamten ließen sich durch
herbeigeeilte Vorstandsmitglieder nicht davon abbringen, auch die
Räume anderer Gruppen zu durchkämmen, kritisierte die
Initiative. »Das ist ein Angriff auf die Demonstrationsfreiheit«,
erklärte »Libertad!«-Aktivistin Anne Morell, die
die Online-Demo am 10. Mai 2001 beim Ordnungsamt Köln angemeldet
hatte. »Es ist skandalös, dass 13 000 Demonstranten zu
Kriminellen gestempelt werden, während gleichzeitig ein Unternehmen,
das aus Abschiebungen Profit schlägt, im Internet seinen Geschäften
nachgehen kann«, empört sich Morell.
Die seit 1993
bestehende Initiative »Libertad!«, die sich für
politische Gefangene einsetzt, sieht ihre Arbeit durch die Beschlagnahmung
von zehn Computern und wichtigen Unterlagen beeinträchtigt.
»Wir hoffen, dass solche Proteste im Zeitalter von ecommerce
Schule machen«, erklärte Anne Morell abschließend,
und man rufe alle Abschiebegegner dazu auf, gegen die Polizeiaktion
zu protestieren. »Libertad!«Mitarbeiter Sven Meier gegenüber
ND: »Wir lassen uns durch diese Polizeiaktion nicht davon
abhalten, weiter
gegen Abschiebungen aktiv zu werden.«
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