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Wenn Konzerne, die mit Abschiebungen Geld verdienen,
ihre größten Filialen im Netz aufbauen, dann
muss man auch genau dort demonstrieren. (Aus einem
Aufruf zur Online-Demo am 20. Juni 2001 gegen die Lufthansa)
Am
28. Mai 1999 sollte der Sudanese Amir Ageeb abgeschoben
werden. Beim Abflug der Lufthansamaschine lh-558 wurde
er - mit elf Kabelbindern gefesselt, mit Motorradhelm
auf dem Kopf - von drei BGS-Beamten zu Boden gedrückt
und gleichermaßen erdrückt und erstickt.
Das war der Auslöser für die Deportation.Class-Kampagne
der Initiative Kein Mensch ist illegal.
Seitdem stand die Deutsche Lufthansa AG wegen ihres
Geschäfts mit Abschiebungen massiv in der Kritik.
Vor Flugschaltern und Reisebüros, oder auf der
jährlichen Aktionärsversammlung protestierten
antirassistische Gruppen gegen das deportation-business
der Fluggesellschaft. Im März 2001 starteten Kein
Mensch ist illegal und Libertad! eine Mobilisierung
zu einer Online-Demo und weiteten damit die Proteste
ins Internet aus.
Unterstützt und zur Aktion aufgerufen wurde international
von rund 250 Gruppen und Einzelpersonen aus den Bereichen
der Menschenrechtsarbeit, der Asylpolitik, von Gewerkschaften
und NGOs. Dem ersten Aufruf zur Online-Demo folgte
ein regelrechter Medien-Hype. Das öffentliche Interesse
an dieser für Deutschland neuen Aktionsform war
riesengroß. Am 20. Juni 2001, am Tag der Hauptversammlung
der Lufthansa AG in Köln, war es dann soweit: Mehr
als 10.000 Teilnehmer/innen brachten mit ihren Zugriffen
auf die Lufthansa-Webseite den digitalen Kranich ins
Wanken und die Seite war zeitweise lahmgelegt.
Nötigung und Aufforderung zur
Nötigung war das aus Sicht der Frankfurter
Staatsanwaltschaft, die auf eine Anzeige der Lufthansa
AG hin am 17.10.2001 eine Razzia bei Libertad! durchführen
ließ. Insgesamt zehn Computer und weitere Datenträger
wurden beschlagnahmt und befinden sich zum größten
Teil bis heute im Besitz der Frankfurter Polizei. Den
Hausdurchsuchungen folgte eine Welle an Solidaritäts-
und Unterstützungserklärungen für Libertad!
Im Mai 2004 wurde Libertad! von Seiten der Staatsanwaltschaft
die Möglichkeit eines Vergleichs zur Einstellung
des Verfahrens signalisiert. Voraussetzung war ein Schuldeingeständnis
und der Verzicht auf Rückgabe der beschlagnahmten
Gegenstände. Libertad! lehnte und lehnt dies ab,
da wir Protest und Widerstand gegen das tödliche
Geschäft mit Abschiebungen nach wie vor für
absolut legitim und notwendig halten.
Im Oktober 2004 wurden die drei Bundesgrenzschutzbeamten,
die Amir Ageeb erstickten, wegen Körperverletzung
mit Todesfolge zu neun Monaten Haft auf Bewährung
und Zahlung von je 2.000 € an Ageebs Familie verurteilt.
Mehr Konsequenzen hatte der staatlich verschuldete Tod
eines Flüchtlings nicht. Weder für das Innenministerium,
noch für die Spitze des Bundesgrenzschutzes.
Abschotten und abschieben. Nichts hat sich wirklich
verändert in diesem Land. Täglich werden Menschen
mit Gewalt in ein anderes Land verfrachtet, weil sie
staatlicherseits unerwünscht sind. Hinzu kommen
von der EU organisierte und finanzierte Massenabschiebungen,
während die Zahl der Flüchtlinge, die überhaupt
noch die europäischen Grenzen überwinden,
von Jahr zu Jahr sinkt. Die Festung Europa ist Realität.
Ihre Vorwärtsverteidigung beginnt heute in Nordafrika
und Osteuropa. Überall um die EU herum werden Flüchtlingslager
aufgebaut, mit dem einzigen Ziel, Flüchtlinge abzuschrecken
und an der Einreise nach Europa zu hindern.
Kurz vor der Online-Demo meldete sich das Justizministerium
zu Wort und sprach von Computersabotage.
Tage später die Lufthansa von Sachbeschädigung
und Chaoten. Von alldem ist nichts übrig
geblieben. In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft
Frankfurt/Main vom 28. Dezember 2004 reduziert sich
der Vorwurf auf Aufforderung zur Nötigung.
Angeklagt wird der Anmelder unserer Internet-Domains
www.libertad.de und www.sooderso.de. Gemeint ist Libertad!,
und letztendlich alle, die mit ihrem Engagement zum
Gelingen der Online-Demo beigetragen haben.
Souverän blicken wir einem Prozess entgegen, der
für die Lufthansa AG nur mehr Peinlichkeiten an
die Öffentlichkeit tragen wird, als dies vor und
während der Online-Demo bereits der Fall war.
stop deportation.business
free for online protest
Seid solidarisch!
An alle, die mit zur Online-Demo aufgerufen haben, die
sich solidarisch erklärten, die mit ihrem Mausklick
ihr Veto gegen das Lufthansa- Abschiebegeschäft
eingelegt haben, die auch heute nicht mit der europäischen
Abschottungs- und Abschiebepraxis einverstanden sind:
Erhebt Einspruch dagegen, Protest und Widerstand gegen
rassistische Flüchtlingspolitik als Straftat zu
entsorgen!
Protestiert gegen den Versuch, das Demonstrations- und
Widerstandsrecht aus dem öffentlichen Raum Internet
zu verbannen!
Faxe an die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Frankfurt/M.:
069 13672100, 069 13672967 oder
per email: verwaltung@sta-frankfurt.justiz.hessen.de
Setzt Protestbanner auf eure Internet-Seiten, schreibt
uns, informiert euch über Protestaktionen, Veranstaltungen,
Prozesstermine: www.libertad.de/online-demo
Spendet für den Prozessfonds:
Förderverein Libertad! e.V.
Kontonummer: 8020069300,
Bankleitzahl: 430 609 67
GLS Gemeinschaftsbank
Stichwort: Onlinedemo
Kampagne für internationale Zusammenarbeit und
Solidarität
Libertad!, Falkstr. 74 60487 Frankfurt
Tel.: 069-79202750, Fax: 069-79201774
eMail: kampagne by libertad.de - http://www.libertad.de
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