ACAT
Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter e.V.
Mitglied der internationalen ACAT (FIACAT)
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ACAT
c/o Kristine Pohlmann
An der Lutherkirche 1113
D-30167 Hannover, 22.10.2001
An den
Minister für Inneres
Herrn Volker Bouffier
65185 Wiesbaden
Durchsuchung des Dritte-Welt-Hauses am 17.10.2001
Sehr geehrter Herr Bouffier,
mit Befremden
haben wir von der Vorgehensweise der Polizei bei der Durchsuchung
des Dritte-Welt-Hauses in Frankfurt erfahren.
Hintergrund
der Durchsuchungen war eine "Online-Demonstration", die
die Initiative Libertad angestoßen - und beim Ordnungsamt
als Demonstration angemeldet - hatte. Wegen dieser Form des Protestess
hat nun die Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet. Es sei
hier dahin gestellt, ob die Ermittlungen gerechtfertigt sind, man
kann daran jedenfalls begründete Zweifel hegen. Doch bei der
Durchführung der Durchsuchung scheint die Polizei deutlich
zu weit gegangen zu sein.
Nach den uns
vorliegenden Berichten, wurden nicht nur die Räume von Libertad
durchsucht, für die ein Durchsuchungsbeschluss vorlag, sondern
auch die anderen Büros von verschiedenen Initiativen. Dies
geschah, obwohl anwesende Vertreter von Libertad die Polizisten
darauf hinwiesen, dass nur ein Teil der Räume von ihnen genutzt
wurde. Die Erklärung der Beamten, so wie sie in der Presse
zitiert wird, die zu durchsuchenden Zimmer habe man u.a. anhand
von Libertad-Aufklebern identifiziert, erscheint eher fragwürdig.
Selbst wenn es Zweifel gegeben haben sollte, welche Räume von
welcher Initiative genutzt wurden, hätte vor dem Aufbrechen
der Türen zumindest der Versuch gemacht werden müssen,
dies anderweitig zu klären. Da Vorstandsmitglieder des Hauses
noch hinzukamen, ist schwer verständlich, weshalb eine sorgfältigere
Prüfung nicht stattfand. So viel Zeit muss in einem solchen
Einsatz noch sein. Vorstandsmitglieder des Hauses beklagten, die
Beamten hätten sich Zugang zu den Räumen sowie Schränken
und Schreibtischen verschafft, indem sie diese aufbrachen - trotz
Bereitschaft des Vorstandes, die Türen aufzuschließen.
Es wurde wohl bei mehreren betroffenen Initiativen erheblicher Sachschaden
angerichtet.
Sehr geehrter
Herr Bouffier, was wir über diese Durchsuchung erfahren haben,
macht uns deshalb so betroffen, weil mit einer solchen Vorgehensweise
die Arbeit politischer Initiativen empfindlich beeinträchtigt
wird. Politisches Engagement, gerade auch der Einsatz für Menschenrechte,
für Frieden und Gerechtigkeit, braucht ungestörte Handlungsräume.
In einem demokratischen Rechtsstaat sollte dies eine Selbstverständlichkeit
sein. Ein Einsatz wie dieser, bei dem zumindest leichtfertig etliche
in der fraglichen Angelegenheit unbeteiligte Intiativen in Mitleidenschaft
gezogen wurden, hat jedenfalls einschüchternden Charakter.
Wir bitten Sie
daher, dafür zu sorgen, dass sich ein solches Agieren der Polizei
nicht wiederholt, darauf zu drängen, dass sich die Polizei
bei den zu Unrecht durchsuchten Initiativen entschuldigt sowie zu
gewährleisten, dass den Betroffenen die entstandenen Schäden
unverzüglich ersetzt werden.
Mit freundlichen
Grüßen
für den Vorstand
Kristine Pohlmann
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