DRITTE
WELT HAUS Frankfurt e.V.
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Tel.: 069-79201772
Fax.:069-789 60 399
Presseerklärung: 18.10.01:
Bei Rückfragen bitte an Vorstand des DWH unter
obiger Telefonnummer.
Erste
Online-Demonstration gegen die Abschiebepraxis der Lufthansa
im Internet nun strafrechtlich verfolgt
Beamte
der Staatsschutz-Abteilung der Polizei (K 41) brachen
gestern morgen in die Büroräume des Dritte
Welt Haus und seiner Mitgliedsgruppen ein und beschlagnahmten
neben einigen Unterlagen aus dem Büro des Hauses
sämtliche Computer sowie zahlreiche Festplatten,
CD's und Dokumente der zum Haus gehörenden Initiative
Libertad!.
Hintergrund
ist eine online-Demonstration gegen die Internet-Seiten
der Deutschen Lufthansa, zu der die Initiative Libertad!
am 20. Juni dieses Jahres aufgerufen hatte, um gegen
die Abschiebungen mit dieser Fluggesellschaft zu protestieren.
Diese Aktion war breit angelegt und erfreute sich grossen
Zuspruchs, in den Medien wurde relativ ausführlich
darüber berichtet. Laut Durchsuchungsbeschluss
des Amtsgerichts Frankfurt a.M. vom 30.08.2001 beteiligten
sich 13.614 Menschen mit über 1,2 Millionen Zugriffen
auf die Lufthansa-Seiten an der Aktion. Dadurch sei
der Gesellschaft ein nicht näher ausgewiesener
wirtschaftlicher Schaden entstanden. Das Amtsgericht
wertet deshalb die Erklärung, mit der auch rund
150 Menschenrechts- und ähnliche Gruppen und Flüchtlingsräte,
darunter das Dritte Welt Haus, zu dem Protest aufgerufen
hatten, als "öffentliche Aufforderung zu einer
rechtswidrigen Tat", nämlich "Nötigung",
und macht ein ein Mitglied der Initiative Libertad!
als Anmelder von deren Internet-Seiten dafür verantwortlich.
Auch seine Wohnung wurde durchsucht, mehrere Computer
und zahlreiche CD's mitgenommen.
Das
Dritte Welt Haus Frankfurt a.M. e.V. ist ein seit fast
20 Jahren bestehender Zusammenschluss von 14 Gruppen
Und etwa 130 einzelnen Mitgliedern. Die Institution
des Hauses ist u.a. fester und anerkannter Bestandteil
der Beratung, Förderung und Integration ausländischer
MitbürgerInnen vor allem aus Ländern der sog.
Dritten Welt. Die Arbeit des Hauses als gemeinnütziger
Verein wird finanziell unterstützt vom Amt für
multikulturelle Angelegenheiten. Auch die Büroräume
von Amnesty International, Bezirk Frankfurt a.M., befinden
sich im Dritte Welt Haus.
Bei
den Durchsuchungen entstand erheblicher Sachschaden.
Die Eingangstür wurde aufgebrochen, eine Scheibe
zerstört, im Innern sämtliche Bürotüren,
Schränke, Schreibtische usw., darunter auch Kassenschränke,
aufgebrochen, die Räume und Behältnisse durchsucht.
obwohl ein Libertad!-Mitglied die Beamten darauf hingewiesen
hatte, wurde der Vorstand des Dritte Welt Haus nicht
informiert. Als einige privat benachrichtigte Vorstandsmitglieder
eilends eintrafen, waren die Beamten dabei, alle Unterlagen
im Büro des Hauses durchzusehen. Die Vorstandsmitglieder
protestierten dagegen und wiesen darauf hin, dass dieses
Vorgehen gegen den Durchsuchungsbeschluss verstoße
und Libertad! ein eigenes Büro im Haus habe; das
Büro des Dritte Welt Haus sei für alle Mitgliedsgruppen
zuständig. Dennoch setzten die Beamten die Durchsuchung
fort und brachen einen weiteren Gruppenraum auf.
Lediglich die Büroräume von AI, Bezirk Frankfurt
a.M. blieben unbehelligt. Aber auch die Arbeit dieser
Organisation wurde erheblich beeinträchtigt, ihre
Flüchtlingsund MigrantInnenberatung musste zunächst
eingestellt werden.
Das
Dritte Welt Haus hatte zu der im Übrigen angekündigten
und angemeldeten Online-Demonstration aufgerufen, um
gegen die menschenrechtswidrige Praxis der Abschiebung
von Flüchtlingen, an der die Lufthansa kräftig
verdient, zu protestieren. Anscheinend sollen die Tatsache,
dass die Medienöffentlichkeit momentan von anderen
Themen besetzt ist, und das gegen Proteste eher repressive
öffentliche Klima dazu benutzt werden, berechtigte
Anliegen massiv zu unterdrücken und mit völlig
unverhältnismäßigen Mitteln
gegen "Abweichungen" von der herrschenden
Meinung vorzugehen, deren Träger eingeschüchtert
werden sollen.
Der
Vorstand und die Gruppen des Dritte Welt Haus und Amnesty
International, Bezirk Frankfurt a.M. protestieren auf
das Schärfste gegen die Durchsuchung und die dabei
angewandten gewaltsamen Methoden der Polizei. Die Demonstrationsfreiheit
gilt auch für das Internet!
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