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09.06.2001 "Hacktivismus ist kein Spiel" junge welt 06.06.2001 "Elektronisch, zivil, ungehorsam" Tagesspiegel 02.06.2001 "eCommerce im Visier" junge welt 01.06.2001 "Wegen Überlastung geschlossen" Berliner Zeitung 01.06.2001 "Lufthansa goes Offline" die tageszeitung 30.05.2001 "Online-Demo gegen Lufthansa" heise online 30.05.2001 "US-Hacktivist Dominguez kommt nach Berlin" de.internet.com 28.05.2001 "Erste Internet-Demo startet" Internet-World 27.05.2001 "Lufthansa: Abschiebungs-Gegner planen Internet-Demo" Tagesspiegel 25.05.2001 "Sitzblockade auf dem Datenhighway" Frankfurter Rundschau 23.05.2001 "Internetdemonstration gegen die Luthansa" telepolis 17.05.2001 "Online-Campaigning von Nicht-Regierungs-Organisationen" politik-digital.de 14.05.2001 "Online-Demo gegen Abschiebungen" Neues Deutschland 11.05.2001 "Lufthansa offline?" spiegel online 11.05.2001 "Leere Bildschirme bei der Lufthansa-Aktionärsversammlung?" de.internet.com 11.05.2001 "Tag X für Lufthansa" junge welt 10.05.2001 "Lufthansa goes offline" analyse und kritik |
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junge welt 09.06.2001, Birgit Gärtner Hacktivismus ist kein Spiel Am 20. Juni wird elektronischer Widerstand großgeschrieben Elektronischer Ungehorsam ist eine politische Aktionsform, die in den USA von linken Computerfreaks entwickelt und in verschiedenen Ländern zu unterschiedlichen Anlässen praktiziert wurde, beispielsweise beim EU-Gipfel in Davos. In der BRD wurde digitaler Widerstand bisher noch nicht angewandt. Das soll sich am 20. Juni ändern, dann heißt es von 10-12 Uhr: Lufthansa goes off-line. Eine Protestaktion gegen die Abschiebepolitik der Lufthansa. Etwa 20 000 Flüchtlinge werden pro Jahr von bundesdeutschen Flughäfen abgeschoben, die meisten von ihnen mit Flugzeugen der Lufthansa. Am 20. Juni findet die Aktionärsversammlung des Konzerns statt. Die online-Blockade ist der intergalaktische Beitrag der Organisationen "Kein Mensch ist illegal" und "libertad" dazu. Auf einer libertad-Veranstaltung in Hamburg am 1. Juni erzählte der "Hacktivist" Ricardo Dominguez die Entstehungsgeschichte dieser Widerstandsform. »Hacktivisten« unterscheiden sich von Hackern dadurch, daß sie keine Computersysteme zerstören, keine Daten stehlen oder verändern, sondern lediglich blockieren. "Wir legen Wert auf absolute Transparenz", erläuterte Dominguez. "Wir tun alles, was wir tun, unter Nennung unseres Namens. Wir erklären genau, was wir tun, wir wir es tun, wo wir es tun und wie lange." Zunächst war Dominguez der einzige Aktivist. Linke und Internet, Anfang der 90er Jahre ein nahezu antagonistischer Widerspruch. Hacker waren viel zu unpolitisch. Außer Mitstreitern fehlten ihm die finanziellen Mittel, um die notwendigen Geräte zu beschaffen. Irgendwie konnte das Projekt trotzdem realisiert werden, und bei der ersten Aktion '97 - die Blockade der Homepage des mexikanischen Präsidenten - beteiligten sich 18 000 Hacktivisten weltweit. Das war eine Protestaktion gegen ein Massaker an den Zapatistas, bei dem 45 Menschen, vor allem Frauen und Kinder, umkamen. Im Vorfeld dieser Aktion erhielt Dominguez einen Drohanruf aus Mexiko. Ihm wurde geraten, das Haus nicht zu verlassen. Der Anrufer - ein Regierungsbeauftragter - ließ durchblicken, auch Verwandte und Bekannte des Hacktivisten und deren Aufenthalt zu kennen. Wörtlich sage dieser: "Das ist kein Spiel." Doch die Hacktivisten ließen sich nicht einschüchtern. Und mit der Aktion landeten sie auf der Titelseite der New York Times. Am 9. September '98 stand Digital-resistance zeitgleich gegen die Homepage des mexikanischen Präsidenten und gegen die Computersysteme des Pentagon und die der Frankfurter Börse auf ihrem Programm. Das Pentagon war zur virtuellen Zielscheibe geworden, weil die US-Regierung Militärhubschrauber an die mexikanische Regierung geliefert hatte. Die Frankfurter Börse sollte aufgemischt werden, weil die Bundesregierung seinerzeit Rechte zum Uranabbau in Mexiko erwerben wollte. Doch als sie die Aktion starten wollten, versagten die Rechner - ein Vernichtungsschlag der Cyberarmee des Pentagon. Wie die Lufthansa oder die Bundesregierung auf die BRD-Premiere des digitalen Widerstands reagieren werden, ist noch nicht abzusehen. Vorerst streiten sich in Köln Polizei und Stadtverwaltung darum, welche der beiden Behörden die vorliegende Anmeldung zu der online-"Demonstration" am 20. Juni annehmen muß. Die Software kann vom Netz oder einer CD-Rom geladen werden. Informationen unter: http://go.to/online-demo |
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Tagesspiegel 06.06.2001, Markus Ehrenberg "Tag X für den Kranich" - Elektronisch, zivil, ungehorsam E-Protest statt E-Commerce: Abschiebungsgegner wollen mit einer Online-Demonstration die Homepage der Lufthansa lahmlegen Internet-Mobilisierung für virtuelles Sit-in gegen Lufthansa-Abschiebungen Wasserwerfer. Angesägte Schienengleise, festgeschweißte Menschenkörper. Rangeleien mit Polizisten, Steinewerfen in Kreuzberg. Wer heutzutage demonstrieren will, nimmt einiges in Kauf. Dabei geht das auch ganz bequem vom Schreibtisch aus, am Computer, per Mausklick: mit einer Online-Demonstration. Ziviler Ungehorsam einmal anders - ohne Körpereinsatz und trotzdem durchschlagskräftig. Wenn alles so läuft, wie es sich die Veranstalter vorstellen, dürfte die Lufthansa mit so einer Online-Demo bald ein paar Probleme kriegen. "Tag X für den Kranich" heißt das Spektakel, ein weiteres Beispiel für die offenbar unbegrenzten Möglichkeiten und die politische Dimension des World Wide Web. Eine Online-Blockade soll die Homepage der Lufthansa am 20. Juni lahmlegen. Ausgedacht haben sich das die Antirassismus-Initiativen "Kein Mensch ist illegal" (KMII) und Libertad. Sie werfen der Lufthansa vor, bei jährlich rund 10 000 Abschiebungen Linienflüge zur Verfügung zu stellen. Zur Erinnerung: Während einer gewaltsamen Abschiebung im Mai 1999 erstickte der Sudanese Aamir Ageeb an Bord der LH 558, nachdem ihn drei Grenzschutzbeamte gefesselt und ihm einen Motorradhelm aufgesetzt hatten. Nach eigenen Angaben befördert die Lufthansa zwar keine Personen mehr, die "erkennbar" Widerstand leisten. Für die Abschiebungsgegner ist das aber nicht genug: "Wenn Konzerne mit der Abschiebung Geld verdienen, ihre größten Filialen im Internet aufbauen, muss man auch genau dort demonstrieren." Also auf ins Internet. Wie bei einer Sitzblockade vor dem Werkstor wollen die Online-Demonstranten den Zugang vor dem Lufthansa-Portal verriegeln. Sie nutzen eine altbekannte Schwäche des Netzes: Wenn dort alle Menschen zur selben Zeit das Gleiche wollen, droht das Chaos. Selbst Computerunkundige können per Mausklick mit demonstrieren. Sie müssen sich auf einer Website eine Protest-Software herunterladen. Diese schickt automatisch Anfragen an die Lufthansa-Seite. Am 20. Juni um 10 Uhr, während der Jahreshauptversammlung, sollen so Zehntausende weltweit auf die Lufthansa-Websites zugreifen. Die Veranstalter hoffen, dass der Datensturm den Großrechner überfordert und für kurze Zeit blockiert. Angeblich werden dabei weder Daten zerstört noch gestohlen. Das unterscheidet die Aktion von herkömmlichen Hackerangriffen wie die gegen Yahoo oder CNN im vergangenen Jahr. Man habe es im Wesentlichen auf das Firmenimage abgesehen, so der Standpunkt von KMII. Die Online-Demo ist angekündigt, die Protest-Software im Netz für alle sichtbar offen gelegt ("Versammlungsort am 20. Juni: www.lufthansa.com"). Und was tut die Lufthansa? Lässt sie sich von ein paar Netzaktivisten in die Knie pressen? In Frankfurt gibt man sich gelassen. Man scheint Ärger gewöhnt. Erst der wochenlange Streik der Pilotenvereinigung Cockpit für mehr Gehalt. Dann der Ärger mit der Süddeutschen Zeitung (die Lufthansa nahm die SZ aus ihrem Bordsortiment; das Blatt vermutete eine Reaktion auf zu kritische Berichterstattung über den Cockpit-Streik). Und nun das: die ganze Internet-Welt gegen den virtuellen Kranich. "Wir nehmen die Demo sehr ernst und sind vorbereitet", sagt Lufthansasprecher Thomas Ellerbeck, ohne allerdings die "Gegen-Strategie" zu verraten. Im Übrigen finde er, dass diese Attacke die Falschen treffe. "Die Abschiebungen beruhen auf richterlichen Beschlüssen. Wir sind nur das Transportunternehmen." Arme Lufthansa? Nein, glaubt Internetexperte Burkhard Schröder, der Konzern müsse sich keine allzu großen Sorgen um seine IT-Sicherheit machen. Schröder bezweifelt die Durchschlagskraft der Online-Demo, "wenn die Lufthansa einen guten Netzverwalter hat". Die Frage sei, welcher Rechner überhaupt Ziel des Angriffs ist. "Zu politischen Demonstrationszwecken ist es wenig sinnvoll, den Mail- oder Newsserver der Lufthansa lahm zu legen, weil nur die und deren Kunden etwas davon merken würden. Es wäre effizienter, die Passwörter zu klauen, wie das neulich bei gmx geschenen ist." So weit wollen die Netzaktivisten nicht gehen. Immerhin: Die Gleichung E-Protest statt E-Commerce hat ihren Reiz und wird Nachahmer finden. Wohin das führen kann, hat das mexikanische Finanzministerium 1998 erfahren. Damals haben zapatistische Solidaritätsgruppen auf die Repressionsmaßnahmen der mexikanischen Regierung gegen die aufständischen Indigenas "hingewiesen": mit einem elektronischen Protest-Sit-in im Computersystem. Das System stürzte ab. So einen Absturz kann sich der virtuelle Kranich auf keinen Fall leisten. Die Lufthansa will 2001 erstmals eine halbe Million Tickets über das Internet verkaufen. Und die Online-Verkäufe sollen bis 2005 auf bis zu 25 Prozent steigen - da muss das Internetportal halten, was es dem Kunden verspricht. Zu jeder Zeit. Die Deutsche Lufthansa AG überlegt, ob sie juristische Schritte gegen die geschäftsschädigende Blockade auf dem Datenhighway einleiten wird. Zur Einstimmung auf den "Tag X für den Kranich" kam am vergangenen Wochenende schon mal Ricardo Dominguez nach Berlin in die Humboldt-Universität. Dominguez ist New Yorker ''hacktivist''. Sein Motto: elektronisch, zivil, ungehorsam. Während des Domain-Namen-Krieges zwischen der kleinen Schweizer Künstlergruppe etoy und dem Spielwarenversand etoys.com organisierte Dominguez virtuelle Sit-ins vor dem Internetportal des Spielwarenversands. Der ist mittlerweile pleite gegangen. Schöne Aussichten für die Lufthansa. Weitere Informationen unter: www.lufthansa.com www.stop-depclass.scene.as |
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junge welt, 2.6.2001, Anne Morell eCommerce im Visier Internet-Mobilisierung für virtuelles Sit-in gegen Lufthansa-Abschiebungen Trotz der gegenwärtigen Ernüchterung bei den Internet- Neugründungen: kaum einer der großen Konzerne beschwört heute nicht die vermeintlich unbegrenzten Möglichkeiten des World Wide Web. Bertelsmann, Lufthansa und selbst die Deutsche Post verfolgen ehrgeizige Projekte, um Vertrieb und Verkauf in die virtuelle Welt zu verlegen. Und - wie sollte es anders sein - Konzernkritikerinnen und -Kritiker folgen ihnen mit ihren Aktivitäten auf dem Fuß. In den USA schon seit einigen Jahren verbreitet, zieht der eCommerce nun auch in Deutschland sogenannte eProteste nach sich: die Antirassismus-Initiativen "kein mensch ist illegal" und "Libertad!" wollen während der Jahreshauptversammlung der Lufthansa am 20. Juni das Internetportal der Fluglinie durch eine Online-Demonstration blockieren, um gegen Abschiebungen mit Lufthansa-Maschinen zu protestieren. Unterstützung erhalten die Online-Abschiebegegner von einer bunten Koalition aus Persönlichkeiten, Antifa-Gruppen und Menschenrechtsinitiativen aus dem In- und Ausland. Zuletzt schlossen sich einem entsprechenden Aufruf der bekannte französische Globalisierungsgegner José Bové sowie das Menschenrechtszentrum Quitó aus Ecuador an. Auch US- amerikanische Pioniere des digitalen Protestes wollen sich an der ersten virtuellen Sitzblockade in Deutschland beteiligen: Ricardo Dominguez, Mitglied der New Yorker Internet-Aktionsgruppe "Electronic Disturbance Theater" (EDT) stellt am Sonnabend in der Berliner Humboldt-Universität deren Konzept von "elektronischem zivilen Ungehorsam" vor. Dominguez gehörte dem "Critical Art Ensemble" an, einer Künstlergruppe, die bereits Anfang der 90er Jahre an virtuellen Theaterprojekten arbeitete und parallel drahtlose Breitbandnetze zur Unterstützung der Aufständischen im mexikanischen Chiapas entwickelte. Als mexikanische Paramilitärs im Dezember 1997 in Actéal 45 Bauern massakrierten, gründeten die Künstlerinnen und Künstler die Netz-Aktionsgruppe EDT und organisierten 1998 eine erste Online-Demonstration gegen mexikanische Regierungsserver. Dafür hatten sie ein inzwischen legendäres Script namens "Zapatista Floodnet" entwickelt. Das Prinzip eines solchen Scripts, das "kein mensch ist illegal" und "Libertad!" nun auch gegen das Lufthansa-Portal anwenden wollen, ist denkbar einfach: ein simples Softwarepaket automatisiert und wiederholt den normalen Zugriff auf bestimmte Internetseiten, so daß der Server, der diese Seiten zur Verfügung stellt, überlastet wird - wenn sich ausreichend E-Demonstranten beteiligen. Ab dem 5. Juni 2001 wird nun unter http://go.to/online-demo im Internet eine "Online Protest Software" zum Herunterladen angeboten, mit deren Hilfe E-Demonstranten am 20. Juni Lufthansa- Webseiten abrufen können sollen. "Bei der Online-Demonstration geht es nicht um technische Effizienz, sondern um symbolische Wirksamkeit", betont Dominguez. "EDT ging schon auf die Webserver des Pentagons, der Frankfurter Börse und der mexikanischen Regierung los. Wir haben nie Server zum Absturz gebracht, aber wir konnten Diskussion erzeugen. Die Zapatisten haben schließlich auch nicht mit Waffen gesiegt, sondern mit Worten - mit Poesie gegen Waffen und mit Gesten, die über die Grenzen dessen hinausgehen, was mit Technologie zu erreichen gewesen wäre." Anne Morell Vortrag von Ricardo Dominguez: 2. Juni, 19 Uhr in der Humboldt-Uni, Raum 2002 Infos: http://stop-depclass.scene.as |
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Berliner Zeitung 01.06.2001, Stefan Strauss Wegen Überlastung geschlossen Netzaktivisten planen Internet-Demonstration gegen die Lufthansa Der Lufthansa geht es nicht gut: Aktien fallen, Piloten streiken - jetzt droht auch noch der virtuelle Absturz des deutschen Flugkonzerns. Netzaktivisten wie Ricardo Dominguez aus New York und Berliner Antirassismusgruppen rufen für den 20. Juni zu einer Online-Demonstration gegen die Lufthansa auf. An diesem Tag findet die Jahreshauptversammlung der Lufthansa-Aktionäre statt. Die Cyber-Demonstranten wollen den Server des Unternehmens "für eine bestimmte Zeit außer Betrieb setzen", heißt es im Aufruf. Die Homepage der Lufthansa wäre dann nicht mehr erreichbar. Abschiebungen mit Todesfolge Gruppen wie "Kein Mensch ist illegal" und "Libertad" protestieren mit der Online-Demonstration gegen die Abschiebung von Flüchtlingen in Maschinen der Lufthansa. Nach Angaben der Initiativen weist der Bundesgrenzschutz etwa 30 000 Menschen auf dem Luftweg in ihre Herkunftsländer aus. Zu Protesten führten in der Vergangenheit zwei Todesfälle bei gewaltsamen Abschiebungen in Lufthansa-Maschinen. 1994 starb der Nigerianer Kola Bankole, 1999 kam der Sudanese Aamir Ageeb ums Leben. Seitdem verzichtet Lufthansa auf gewaltsame Abschiebungen. Trotzdem fliegt der Konzern weiter Flüchtlinge aus. "Ein schmutziges Geschäft", sagt Sven Maier, Sprecher der Online-Demonstration. "Wenn ein Konzern, der mit Abschiebungen Geld verdient, seine größte Filialen im Internet aufbaut, muss man auch dort demonstrieren." Die Netzaktivisten zielen auf das expandierende E-Business der Lufthansa. Bis zum Jahr 2005 sollen 25 Prozent aller Tickets per Internet verkauft werden. Die Arbeit an der Internet-Präsenz gilt als Chefsache. Schon im Vorjahr verzeichnete die Lufthansa 250 000 Buchungen per Internet. Die Online-Demonstration ist der erste massive Internet-Angriff auf ein deutsches Unternehmen. Ein kostenloses Softwarepaket, das sich die virtuellen Demo-Teilnehmer schon jetzt aus dem Netz herunterladen können, soll die Lufthansa-Homepage in großer Geschwindigkeit mit "datenintensiven" Nachfragen und Buchungen "bombardieren". "Manuell kann man so ein Tempo nicht erreichen", erklärt Maier. So soll der Server durch Überlastung blockiert werden. Das sei aber nicht das Hauptziel, versichern die Organisatoren. Möglichst viele sollen sich an der virtuellen Sitzblockade vor der Homepage der Lufthansa beteiligen. "Der Erfolg der Aktion hängt von der Anzahl der Beteiligten ab", sagt Netzaktivist Ricardo Dominguez, der sich selbst "Hacktivist" nennt. Zur Unterstützung der Zapatisten hat er Netzattacken gegen die mexikanische Regierung organisiert. Ähnliche Aktionen hat es auch schon gegen die World Trade Organisation (WTO) und das Pentagon gegeben. Mit einer Hacker-Aktion sei die Online-Demonstration aber nicht vergleichbar: "Die Software dringt nicht in fremde Rechner ein. Daten werden weder verändert noch zerstört", sagt Sven Maier. "Alles verläuft gewaltfrei." Dennoch hält der Berliner Medienanwalt Thorsten Feldmann die Internet-Aktion für "klar rechtswidrig", denn sie sei ein "Eingriff in den Gewerbebetrieb" der Lufthansa. Eine juristische Spruchpraxis für Internet-Proteste gibt es allerdings noch nicht. Die Netzaktivisten halten dagegen: "Das Internet ist ein öffentlicher Raum. Dort müssen auch politische Konflikte ausgetragen werden können." Vorsorglich haben sie die Online-Demo per E-Mail beim Ordnungsamt Köln angemeldet. "Unter das Versammlungsrecht fällt die Internet-Demonstration allerdings nicht", sagt der Kölner Polizeisprecher Wolfgang Beus. Derzeit prüfe Lufthansa "rechtliche Schritte" gegen die Online-Demo, sagt Lufthansa-Sprecher Thomas Ellerbeck, und kündigt an: "Wir werden unsere Seiten bestmöglich schützen." Details über das Verfahren nennt er nicht. |
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die tageszeitung 01.06.2001, Elke Spanner Lufthansa goes Offline Virtuelle Demos und Sit-ins: Online-Aktivist aus den USA berichtet in Hamburg über elektronischen Widerstand Computer wurden im politischen Widerstand bisher überwiegend von Profis eingesetzt: Von "Hackern", die in fremde Datenbanken eindrangen und diese manipulierten. In den USA entwickelten linke AktivistInnen Mitte der 90er Jahre die Idee des "zivilen elektronischen Widerstandes", der statt auf ausgefeilte Computerkenntnisse auf zahlreiche Teilnahme setzt. Der Mitbegründer der Pioniergruppe "Elektronic Disturbance Theater (EDT)", Ricardo Dominguez, wird heute in Hamburg über elektronischen Widerstand berichten - anlässlich der für den 20. Juni geplanten Online-Demontration gegen die Lufthansa. Die Blockade der Lufthansa-Website wird die erste Aktion dieser Art in der Bundesrepublik sein. Am Tag der Aktionärsversammlung am 20. Juni soll um 10 Uhr der Zugang zum Internet-Portal der Airline für KundInnen versperrt sein - ähnlich wie bei einem Sit-in. Mit der "Online-Demonstration against Deportation Business" protestiert die Kampagne "Kein Mensch ist illegal" zusammen mit der Gruppe "libertad" gegen die jährlich etwa 10.000 Abschiebungen von Flüchtlingen an Bord von Lufthansa-Maschinen. Die Blockade soll das Vertrauen der KundInnen in die Airline erschüttern und diese dazu bewegen, aus dem Abschiebegeschäft auszusteigen. Da ein Großteil der Flüge unter dem Kranich-Logo mittlerweile über das Internet gebucht wird, ist diese "größte Filiale" der Ort des Protestes. Um den Charakter einer öffentlichen Demonstration zu unterstreichen, hat "Kein Mensch ist illegal" diese beim Ordnungsamt Köln angemeldet. Wie die Online-Demo ablaufen wird, werden weitere Referenten heute abend berichten. Politischen Widerstand ins Netz zu verlegen ist die Konsequenz aus der Entwicklung zum "Informationszeitalter". Bisher setzten Aktionen darauf, sich zu den Adressaten des Protestes direkt hinzubewegen und dort den normalen Ablauf zu stören, durch Kundgebungen vor Ausländerbehörden oder Blockaden vor Firmensitzen beispielsweise. Die aber treten mittlerweile immer weniger lokal gebunden auf. Erstmals 1995 organisierte deshalb die Gruppe "Strano Network" ein virtuelles Sit-in: Per Computer protestierten die TeilnehmerInnen gegen die Atomtests Frankreichs auf dem pazifischen Atoll Mururoa. Die Gruppe "Electronic Disturbance Theater" von Ricardo Dominguez, der heute abend in der Hochschule für Wirtschaft und Politik (HWP) referieren wird, initiierte zwischen 1998 und 1999 über 16 sit-ins auf Sites der mexikanischen Regierung, um die Forderungen der Zapatistas zu unterstützen. Die EDT betont aber, dass der virtuelle Protest Offline-Aktionen auf der Strasse nur ergänzen, nicht ersetzen kann: "Das Netz ist ein sehr effektives Werkzeug - aber eben auch nicht mehr als ein Werkzeug." Heute abend, 19 Uhr, HWP, Uni-Campus. Infos zur Lufthansa-Blockade: http://go.to/online-demo |
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heise online 30.05.2001 Online-Demo gegen Lufthansa Für den 20. Juni planen Menschenrechtsgruppen eine Online-Protestaktion gegen die Lufthansa AG. Am Tag der Aktionärsversammlung soll das Web-Portal der Kranich-Linie lahm gelegt werden. Die Aktivisten werfen der Fluglinie vor, sie profitiere von der Abschiebung der etwa dreißigtausend Flüchtlinge jährlich, die zur Hälfte mit Lufthansa-Maschinen zurückgeschickt werden. Spätestens am 5. Juni werden die Initiativen auf ihrer Internetseite "Stop Deportation Business" eine Software zum Download anbieten, die in genügender Zahl am Stichtag eingesetzt, einen lawinenartiges Nutzerintresse am Webportal der Lufthansa organisieren kann. Die Lufthansa prüft mittlerweile juristische Schritte gegen die Initiatoren der Aktion. Sven Maier von der Aktionsgruppe Libertad erklärte unterdessen gegenüber heise online: "Die Aktion ist legal, sie nutzt den öffentlichen Raum des Internet und ist vom Demonstrationsrecht gedeckt. Wer im Internet Geschäfte macht, muss sich auch Protestaktionen gefallen lassen". |
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de.internet.com 30.05.2001, Achim Sawall US-Hacktivist Dominguez kommt nach Berlin Die Antirassismus-Initativen "kein mensch ist illegal" und "Libertad!" wollen während der Jahreshauptversammlung der Lufthansa am 20. Juni das Internetportal der Fluglinie durch eine Online-Demonstration blockieren. Sie werfen dem Konzern vor, für jährlich etwa 10 000 Abschiebungen Linienflüge zur Verfügung zu stellen und fordern einen Rückzug aus dem "schmutzigen Geschäft". Das Vorbild für die Internet-Demo stammt aus den USA. Der New Yorker "hacktivist"-Pionier Ricardo Dominguez spricht deshalb am 2.6. auf einer Veranstaltung in der Berliner Humboldt-Uni über Erfahrungen und Aussichten digitalen Protests. "kein mensch ist illegal" und "Libertad!" stellen eine "Online Protest Software" vor, die unter go.to/online-demo im Internet angeboten werden soll und mit deren Hilfe E-Demonstranten am 20. Juni automatisiert Lufthansa-Webseiten abrufen können. Die Internet-Demo wird von einer bunten Koalition von Antirassismus-Gruppen, Menschenrechtsinitiativen und NetzaktivistInnen aus dem In- und Ausland unterstützt. Aus Frankreich schlossen sich einem Aufruf ("Lufthansa Goes Offline") zuletzt der bekannte Globalisierungsgegner José Bové und die Informatikergewerkschaft SII an. Ein Lufthansa-Sprecher erklärte gegenüber der "Frankfurter Rundschau", das Unternehmen sei "vorbereitet", Experten des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik halten es allerdings für "sehr schwierig, eine solche Attacke abzuwehren". Das Ordnungsamt Köln, bei dem die Online-Demonstration bereits per E-mail angemeldet wurde, hat keine Auflagen erteilt. |
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Internet-World 28.05.2001, Werner Niedermeier Erste Internet-Demo startet Computer der Lufthansa sollen am 20. Juni blockiert werden - Demonstration gegen "Abschiebegeschäft" der Fluglinie (IW / 28.05.01/11:03 Uhr) Beim Ordnungsamt der Stadt Köln wurde die erste Internet-Demonstration stilecht per eMail angemeldet. Versammlungsort: www.lufthansa.com. Ins Leben gerufen wurde die Aktion von den beiden Antirassismus-Aktivisten von "Libertad!" und "Kein Mensch ist illegal". Kampagnensprecherin Anne Morell äußerte sich in einer Pressemeldung folgendermaßen: "Das Internet ist ein neuer öffentlicher Raum. Wenn man dort schmutzige Geschäfte machen kann, kann man dort auch demonstrieren". Ziel der Aktion ist es, am 20. Juni das Internet-Portal der Lufthansa AG zu blockieren. Die Teilnahme an der Internet-Demo soll mit einer sogenannten "Online Protest Software" möglich sein, die man demnächst auf der Web-Site der Organisatoren laden kann. Die "Online-Demonstration against Deportation Business" richtet sich gegen die nach Angaben von Antirassismusgruppen jährlich etwa 10.000 Abschiebungen, die mit Lufthansa-Linienflügen abgewickelt werden. Auslöser der Aktion war der Tod des Sudanesen Amir Ageeb am 28. Mai 1999 in einer Lufthansa-Maschine. Bundesgrenzschutz-Beamte hatten dem Flüchtling einen Motorradhelm aufgesetzt und solange auf den Sitz nach unten gedrückt, bis Amir Ageeb erstickte. Wie ein Sprecher der Aktion gegenüber der Münchner "Abendzeitung" sagte, wolle man mit der Aktion "den Lufthansa-Server nicht zum Absturz bringen, sondern lediglich die Funktionsfähigkeit durch ordnungsgemäße Benutzung beeinträchtigen". Von der Lufthansa AG war bis 11:00 Uhr trotz Anfragen per Telefon und eMail keine Stellungnahme zu erhalten. |
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Tagesspiegel 27.05.2001 Lufthansa: Abschiebungs-Gegner planen Internet-Demo Aktion gegen Webseite des Konzerns Nach dem Streit der Piloten droht Lufthansa nun eine politisch motivierte Demonstration vor dem Internet-Portal der Airline. Am 20. Juni wollen die Initiativen "Kein Mensch ist illegal" (KMII) und "Libertad" gegen die Beteiligung von Lufthansa an Abschiebungen protestieren, berichtet die "Frankfurter Rundschau". Teilnehmer an der Demonstration sollen sich eine Software herunterladen, die am Veranstaltungstag um zehn Uhr dann zeitgleich auf den Rechnern der Protestteilnehmer aktiviert wird und dadurch die Website der Lufthansa derart mit Anfragen bombardiert, dass diese zumindest kurzfristig zusammenbricht. Lufthansa erwägt dem Vernehmen nach juristische Schritte gegen die "äußerst aggressive Initiative", so ein Sprecher. Den Abschiebungsvorwurf weist das Unternehmen von sich. |
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Frankfurter Rundschau 25.05.2001, Anke Schwarzer Sitzblockade auf dem Datenhighway Die vermutlich erste Demo im Internet: Abschiebungsgegner wollen die Homepage der Lufthansa lahmlegen Nicht nur Unternehmen verlagern zunehmend ihre Aktivitäten ins Internet: Menschenrechtsaktivisten antworten mit E-Protest auf den E-Commerce. Am Tag der Lufthansa-Aktionärsversammlung in Köln, am 20. Juni, wollen die Initiativen Kein Mensch ist illegal (KMII) und Libertad vor dem Web-Portal der Lufthansa AG online demonstrieren. "Wenn Konzerne, die mit Abschiebungen Geld verdienen, ihre größten Filialen im Internet aufbauen, muss man auch genau dort demonstrieren", so die beiden Initiativen in einem gemeinsamen Aufruf. Die geplante Online-Demonstration ist Teil einer Kampagne, die das Image von Lufthansa ankratzen soll und die KMII bereits seit zwei Jahren mit Aktionen in Reisebüros, Flughäfen und im Internet betreibt. Sie richtet sich gegen die Beteiligung der Lufthansa an Abschiebungen. Das bundesweite Netzwerk antirassistischer Gruppen und Kirchenasyl-Initiativen wurde im Jahr 1997 auf der Documenta X in Kassel gegründet. Die Online-Demonstranten wollen, ähnlich wie bei einer Sitzblockade vor einem Werkstor, den Zugang der Lufthansa-Homepage verriegeln. Dafür stellen die beiden Initiativen auf ihren Internetseiten (etwa: http://stop-depclass.scene.as) eine Software zur Verfügung, die automatisch Anfragen an die Lufthansa-Seite schickt. Der Plan der Abschiebegegner: Am 20. Juni von 10 Uhr an greifen mehrere tausend Demonstranten weltweit und zeitgleich auf die Lufthansa-Websites zu. Der Datensturm, so hoffen die Initiatoren, überfordert den Großrechner und blockiert diesen für kurze Zeit. Dabei sollen Daten weder zerstört noch gestohlen werden. Die Aktion unterscheide sich von den Hacker-Angriffen gegen Yahoo und CNN im Frühjahr 2000, sagt Anne Morell, eine der Organisatorinnen der Online-Demonstration. Die Demonstration sei angekündigt und die Protest-Software im Internet offengelegt. Die Blockade sei weniger eine Frage der Technik, sondern hänge davon ab, dass sich viele Menschen beteiligen. Hackerangriffe gegen Regierungsportale und Web-Seiten privater Firmen gibt es immer wieder; auch politische Demonstrationen hat die Welt schon viele gesehen. Neu an dem geplanten Vorhaben ist, dass ein Hackerangriff angekündigt und vorschriftsmäßig beim Ordnungsamt Köln als Demonstration angemeldet wird. "Ein Unternehmen wie Lufthansa hat selbstverständlich Vorkehrungen gegen terroristische Hackerschläge getroffen", so Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow. Michael Dickopf, Sprecher des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn ist skeptisch: Eine solche Attacke abzuweisen sei "ungeheuer schwierig", so der Computerexperte. Das Unternehmen könne sich gegen den Angriff nur schützen, wenn es die komplette Web-Seite dicht mache, so Dickopf. Die vielen Zugriffe verkrafte der Rechner nicht. Ein technischer Schutz, beispielsweise in Form einer sicheren Software sei noch nicht in Sicht. "Wir befinden uns in einem Dilemma", sagt Dickopf. Einerseits beruhe das Internet strukturell auf dem offenen Zugang für alle, andererseits müsse aber auch ein störungsfreier Ablauf gewährleistet werden. Die Lufthansa prüfe bereits juristische Schritte, um gegen "die äußerst aggressive Initiative" vorzugehen, sagt Lufthansa-Sprecher Jachnow. Die Vorwürfe von KMII weist er von sich: Das Unternehmen sei dazu verpflichtet, Personen, die nach einem rechtsstaatlichen Verfahren abgeschoben werden müssen und ein gültiges Ticket haben, zu befördern. Insbesondere der Tod von Aamir Ageeb während einer gewaltsamen Abschiebung in einer Lufthansa-Maschine hatte zu Protesten gegen die Fluglinie geführt. Am 28. Mai 1999 erstickte der Sudanese an Bord der Lufthansa-Maschine LH 558, nachdem ihn drei Grenzschutzbeamte gefesselt und ihm einen Motorradhelm aufgesetzt hatten. Ageeb ist bereits das zweite Todesopfer in einer Lufthansamaschine. Rund 35 000 Personen hat der Bundesgrenzschutz im Jahr 2000 abgeschoben, fast die Hälfte davon, so schätzt KMII, mit der Lufthansa. Das Flugunternehmen selbst nennt weder Zahlen noch Schätzungen. Seit dem letzten Todesfall 1999 befördert die Lufthansa nach eigenen Angaben keine Personen, die "erkennbar" Widerstand leisten. "Wir wollen vermeiden, dass die Abschiebung auffällt und den anderen Fluggästen unangenehm aufstößt", sagt der Lufthansa-Sprecher. Die Initiative aber verlangt von der Lufthansa die Garantie, vor jedem Abflug zu prüfen, ob Passagiere mit dem Flug einverstanden sind. Laut KMII ist eine solche Prüfung bereits Praxis der belgischen Fluggesellschaft Sabena. Die Fluglinie zog damit die Konsequenz aus dem Tod der 20-jährigen Nigerianerin Semira Adamu, die im September 1998 an Bord einer Sabena-Maschine während einer gewaltsamen Abschiebung erstickt wurde. "Das Luftverkehrsgesetz besagt lediglich, dass jeder, der einen Personentransport mit dem Flugzeug wünscht, auch zugelassen werden muss. Die Beförderungspflicht hat aber nicht zum Inhalt, dass Menschen, die nicht fliegen wollen, auch geflogen werden müssen", ist der Standpunkt von KMII. Auch die Pilotenvereinigung Cockpit empfiehlt ihren Mitgliedern, nicht an "unfreiwilligen Abschiebungen" mitzuwirken. Da der Flugkapitän die Bordgewalt - auch gegenüber dem Bundesgrenzschutz - habe, hafte er möglicherweise bei Verletzungen oder dem gewaltsamen Tod von unfreiwilligen Passagieren. Ob der virtuelle Kranich am 20. Juni tatsächlich offline geht, ist ebenso unklar wie die juristische Bewertung der Blockade als Online-Demonstration. Die Lufthansa jedenfalls sehe der Online-Demonstration "mit äußerster Gelassenheit" entgegen, so ihr Sprecher Jachnow. Sehr entspannt gehen auch die Aktivisten mit den angedrohten juristischen Konsequenzen um. Es gebe keinen Grund dafür, dass ein demokratisches Grundrecht im Internet außer Kraft gesetzt werden könne, sagt Sven Meier von der Gruppe Libertad. "Der Cyberspace ist ein weiterer öffentlicher Raum des digitalen Zeitalters, in dem - wie in den Städten und Straßen - nicht nur die Geschäftsbeziehung statt findet, sondern auch die sozialen und politischen Konflikte ausgetragen werden." |
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telepolis 23.05.2001, Peter Nowak Internetdemonstration gegen die Lufthansa: Tag X für den Kranich Die Lufthansa kommt nicht zur Ruhe. Waren es in den letzten Tagen streikende Piloten die für Gedränge vor den Flughafenschaltern sorgten, so droht der Fluggesellschaft am 20.Juni ein virtuelles Gedränge. Für diesen Tag haben Antirassismusgruppen und die Gefangenenhifeorganisation Libertad zu einer Internetdemonstration gegen die Lufthansa aufgerufen. Diese Aktion ist der Höhepunkt einer Reihe von Protesten gegen die Lufthansa. Ihr wird von Flüchtlingshilfeorganisationen und Menschenrechtsgruppen vorgeworfen, an Abschiebungen von Flüchtlingen zu profitieren. Der Hintergrund: Jedes Jahr werden im Durchschnitt bundesweit ca. dreißigtausend Menschen aus Deutschland in ihre Heimatländer abgeschoben. In rund der Hälfte der Fälle dient eine Lufthansa-Maschine als Transportmittel, so die Kritik der Antirassisten. Nur selten kommen diese alltäglichen Aktionen in die Schlagzeilen. So starb 1994 an Bord einer Lufthans-Maschine der Nigerianer Kola Bankole. Im Mai 1999 kam der sudanesische Flüchtling Aamir Ageeb bei seiner Abschiebung ebenfalls in einer Lufthansa-Maschine ums Leben, weil BGS-Beamte ihm einen Helm aufsetzten, der den Kopf derart nach hinten drückte, dass er erstickte. Danach empfahl die Pilotenvereinigung Cockpit ihren Mitgliedern, mit dem Verweis auf die nicht gewährleistete Sicherheit an Bord, einen Transport von Passagieren, die gegen ihren Willen abgeschoben werden sollen oder gar gefesselt sind, zu verweigern. Die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) hatte ihre im Lufthansa-Aufsichtsrat sitzenden Mitglieder aufgefordert, sich gegen zwangsweise Abschiebungen auszusprechen. Doch vergeblich, das Lufthansa-Management erklärte, dass hier nur bestehende Gesetze vollstreckt würden. Seit mehr als einem Jahr wendet sich das Netzwerk Kein Mensch ist illegal im Rahmen ihrer Kampagne stop deportation class gegen diese Abschiebungen. Bisher beschränkten sich die Aktionen hauptsächlich auf Demonstrationen vor Flughäfen und Lufthansabüros. Am 20.Juni soll mit der Internetdemonstration eine neue Protestform ausprobiert werden. Ähnlich wie bei einer Sitzblockade soll der Zugang der Lufthansa-Homepage versperrt werden. Unter http://go.to/online-demo und http://stop-depclass.scene.as kann eine entsprechende Software runtergeladen werden, die auch Computerunkundigen per Mausblick eine Partizipation an dieser virtuellen Protestform ermöglichen soll. Die Idee ist simpel. Wenn alle Menschen zum selben Zeitpunkt das Gleiche wollen, droht das große Chaos. So kann ein zeitgleicher Mausklick in der virtuellen Welt des Internet verheerende Folgen haben. Diese Erfahrung musste schon 1998 das mexikanische Finanzministerium machen. Damals haben zapatistische Solidaritätsgruppen aus Protest gegen die Repressionsmaßnahmen der mexikanischen Regierung gegen die aufständischen Indigenas mit einem elektronischen Sit-in das Computersystem zum Absturz gebracht. Doch den Organisatoren der unter dem Motto "Tag X für den Kranich" geplanten Lufthansaproteste geht es nicht in erster Linie um einen materiellen Schaden. Auch das Firmenimage soll angekratzt werden. Ob der Internetdemo gelingt, was die bisherigen Proteste nicht erreichen konnten, wird sich zeigen. Schließlich sind die Kapazitäten der Firmencomputer enorm. |
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http://www.politik-digital.de 17.05.2001 Globale Aktion: Online-Campaigning von Nicht-Regierungs-Organisationen Verbände, Gewerkschaften, Kirchen oder die politischen Parteien setzen seit Mitte der neunziger Jahre zunehmend auf das Kommunikationsmedium Internet, insbesondere das World Wide Web. Greenpeace Deutschland ging im Mai 1996 mit ihrer Homepage ins Netz, die erste Website der IG-Metall folgte kurze Zeit später. Inzwischen ist fast jede Organisation im Internet vertreten, viele präsentieren sich bereits mit überarbeiteten Websites. Das Potenzial, das die Online-Präsenz für ihre sozialen oder politischen Kampagnen bietet, haben die Nicht-Regierungs-Organisationen aber bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Ein frühes Beispiel für den erfolgreichen Einsatz von Netz-Kommunikation liefert die 1988 begonnene und 1996 abgeschlossene Greenpeace-Kampagne gegen den internationalen Müllhandel. Als eine der ersten Nicht-Regierungs-Organisationen setzte Greenpeace schon in den achtziger Jahren für ihre interne internationale Kommunikation ein E-Mail-System ein, das ihr bei dieser Kampagne einen entscheidenden strategischen Vorteil verschaffte. Greenpeace-Rechercheure in verschiedenen Erdteilen tauschten Daten über den Müllhandel und über beteiligte Firmen im Internet aus, während Behörden noch mühsam Anfragen stellten, z.B. über Interpol, deren Beantwortung Tage, manchmal Wochen dauerte. Der mit dem enormen Zeitvorteil erlangte Informationsvorsprung machte Greenpeace zu einem Akteur von erheblichem politischem Gewicht und zum Hauptansprechpartner der Medien zu diesem Thema. Das 1996 unter Beteiligung von Greenpeace erzielte Baseler Übereinkommen zum Verbot des Internationalen Müllhandels von OECD-Staaten in Nicht-OECD-Staaten machte die Müllexport-Kampagne zu einem großen umweltpolitischen Erfolg. Das Beispiel illustriert anschaulich, dass Chancen für die politische Kommunikation in jeder Phase der Entwicklung elektronischer Kommunikationsinstrumente genutzt werden können. Und es zeigt, dass der Zuwachs an Aktionsmöglichkeiten vor allem dann Erfolg verspricht, wenn die Online-Aktivitäten eingebunden sind in das Gesamtkonzept einer Kampagne. Rückblickend galt schon damals, was die Wochenzeitung Die Zeit über die Rolle der Nicht-Regierungs-Organisationen bei den weitgehend über das Internet organisierten Protesten gegen den WTO-Gipfel in Seattle schrieb: "Flexibler sind sie außerdem, sie halten das Tempo der Globalisierung: Im Internet schaffen sie eine weltweite Öffentlichkeit, die schnell und wirksam mobilisiert." [Die Zeit 9.12.1999] In den USA, in denen es eine Tradition des "Campaignings" und eine fortgeschrittene Nutzung des Internets gibt, wird das Medium schon längst für soziale Kampagnen eingesetzt. In Deutschland steht das Online-Campaigning von Nicht-Regierungs-Organisationen dagegen erst am Anfang. Einige Vorteile liegen auf der Hand: globaler Aktionsraum, zielgruppengenaue Bildung von Interessengemeinschaften, niedrige Hemmschwelle zur Beteiligung an Aktionen. Die folgenden Fallbeispiele verdeutlichen das Potenzial und die Chancen, die der strategische Einsatz und der kreative Umgang mit den neuen elektronischen Kommunikationsinstrumenten bieten. Buy Nothing Day Die im kanadischen Vancouver ansässige Organisation "Adbusters Media Foundation" bezeichnet sich selbst als "Anti-Konsum-Netzwerk für eine physisch und mental saubere Umwelt". Die Themen, mit denen sich die Adbusters in ihren Kampagnen befassen, sind u.a. die Globalisierung, die Medienkonzentration und der Massenkonsum. Die Aktivitäten werden über ein Printmagazin und über das Internet organisiert und geben jedem Leser oder Websurfer die Möglichkeit, sich zu beteiligen. Die bekannteste Kampagne ist der "Buy Nothing Day", der Tag nach dem amerikanischen "Thanksgiving" im November, an dem in Nordamerika traditionell die meisten Weihnachtsgeschenke gekauft werden. Die Kampagne "Buy Nothing Day" wendet sich gegen die Folgen übermäßigen Konsums und fordert dazu auf, die Einkäufe auf das Notwendige zu beschränken. Auf der Homepage der Adbusters finden sich Kampagnen-Utensilien zum downloaden, u.a. Logos für T-Shirts, Banneraufdrucke und Sticker. Das Wechselspiel zwischen traditionellen Medien und dem Internet gehört zur Inszenierung: Das Feedback auf die Kampagne in Print- und TV-Medien wird zeitnah auf der Website präsentiert. Prominente Berichte über die Aktionen der Adbusters, wie sie z.B. in der New York Times oder dem Wall Street Journal erschienen, werden auf die Homepage gestellt. Nicht nur unter den Internet-Nutzern hat sich die Kampagne durch ihren Einfallsreichtum inzwischen ein hohes Ansehen erworben. GenetiXProject Mit dieser im Dezember 1999 gestarteten Kampagne reagierte Greenpeace in Deutschland auf den Plan der Firma Nestlé, einen mit gentechnisch verändertem Mais produzierten Schoko-Erdnussbutter-Riegel auf den Markt zu bringen. Der "Butterfinger" war speziell für Kinder und Jugendliche gedacht und sollte deren Akzeptanz für genmanipulierte Lebensmittel testen. Greenpeace stattete einen Kleinbus mit einer Fotokamera aus und begann im November 1998 eine Info- und Fototour durch Deutschland. Jugendliche, die genmanipulierte Lebensmittel ablehnten, wurden bei öffentlichen Fotoshootings - u.a. auf der Hamburger Reeperbahn oder vor dem Münchner Kunstpark Ost - mit Protestschildern mit den Aufschriften "Nein", "No" oder "Nix" fotografiert. Eine Auswahl der Fotos veröffentlichte Greenpeace regelmässig auf ihrer Homepage. Die meist jungen Teilnehmer konnten sich auch zu Hause selber mit Protestbannern fotografieren und die Fotos zur Veröffentlichung an Greenpeace mailen. Prominente, wie der Musiker Smudo von den Fantastischen Vier, unterstützten die Kampagne. Eine weitere Aktion war die "virtuelle Diskussion" von Jugendlichen in Internetcafés aus 13 Städten über die Gefahren der Gentechnik. Im Juli 1999 nahm Nestlé den "Butterfinger" wieder aus den Regalen. DeportationClass Die Kampagne "DeportationClass" des Aktionsnetzwerkes "kein mensch ist illegal" hat bereits mehrfach auf deutschen- und internationalen Flughäfen gegen die Abschiebung von Flüchtlingen demonstriert. Die Proteste richten sich vor allem gegen die deutsche Lufthansa, die am Geschäft mit den Abschiebungen verdient. Die Kampagne plant eine Aktion im Internet, an der Menschen aus aller Welt teilnehmen können. An einem bisher noch unbekannten Tag im Sommer 2001 wird bei der größten "Lufthansa-Filiale", der Homepage der Fluggesellschaft, demonstriert. Durch massenhafte Anfragen von Cyber-Aktivisten soll der Zugang zur Homepage zeitweise blockiert und die Lufthansa damit wirtschaftlich unter Druck gesetzt werden. Teilnehmern wird für diese Aktion eine Software zum Download angeboten. Das Potenzial sinnvoll nutzen! Netzkampagnen sind am effektivsten in Verbindung mit einer realen Kampagne. Das Netz bietet eine Reihe attraktiver Möglichkeiten, mit denen das Repertoire sozialer und politischer Kampagnen sinnvoll ergänzt und der Aktionsradius erweitert werden kann. Das Potenzial, dass das Internet mit seinen zur Zeit etwa elf Millionen privaten Nutzern für Gewerkschaften, Verbände, Parteien, Kirchen und andere Nicht-Regierungs-Organisationen bietet, ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft. |
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Neues Deutschland 14.05.2001, Martin Beck Online-Demo gegen Abschiebungen Virtuelle Ticketbestellung soll gestört werden Seit März vergangenen Jahres ist die Lufthansa AG mehr und mehr wegen ihrer Beteiligung an Abschiebungen aus Deutschland ins Gerede gekommen. Nun soll der Protest gegen dieses Geschäft in das Internet getragen werden. Bundesweit werden jährlich über 30.000 Menschen abgeschoben - rund die Hälfte davon in Flugzeugen der Lufthansa. Oft wehren sich die Menschen gegen ihre Abschiebung, immer wieder kommt es dabei zu schweren Misshandlungen. Mehrere Menschen - "Schüblinge" wie sie verächtlich im Behördendeutsch genannt werden - sind dabei zu Tode gekommen: 1994 starb an Bord einer Lufthansa-Maschine der Nigerianer Kola Bankole. Im Mai 1999 kam der Sudanese Aamir Ageeb ums Leben, weil BGS-Beamten ihm einen Helm aufgesetzt und den Kopf so nach unten gedrückt hatten, dass er erstickte. Seit mehr als einem Jahr wendet sich das Netzwerk "kein mensch ist illegal" im Rahmen ihrer Kampagne "stop deportation class" vor allem "gegen die Lufthansa, weil die Airline ihre Flugverbindungen in die ganze Welt für Abschiebungen zur Verfügung stellt und sich so zum willfährigen Handlanger der brutalen Abschiebepraxis macht", so die Organisatoren. Nachdem das Netzwerk auf die mögliche Haftung der Flugkapitäne im Falle der Tötung oder Verletzung von Zwangspassagieren hingewiesen hatte, empfahl die Pilotenvereinigung "Cockpit" ihren Mitgliedern, keine Personen mehr an Bord zu nehmen, die einen Transport ablehnen oder gar gefesselt sind. Die Lufthansa will im Jahr 2005 40 Prozent der Umsätze im Internet machen. Vor diesem Hintergrund rufen "kein mensch ist illegal" und die Initiative Libertad!, die seit Wochen die online-Demonstration vorbereiten, für den 20. Juni zu einem virtuellen Go-In auf. Wenn "Konzerne , die mit Abschiebungen Geld verdienen, ihre größten Filialen im Netz aufbauen, muss man genau dort demonstrieren", sagen die Organisatoren. Ähnlich wie bei einer Sitzblockade soll der Zugang zur Lufthansa-Homepage versperrt werden. Unter "http://go.to/online-demo" und "http://stop-depclass.scene.as" kann rechtzeitig vor diesem Termin eine entsprechende Software heruntergeladen werden, damit auch Computerunkundige per Mausklick teilnehmen können. Gespannt darf man sein, wie Lufthansa auf die online-Demo reagiert. Der Konzern verfügt über enorme Rechenkapazitäten für seine Internetpräsenz. Sollte es trotzdem gelingen, die Homepage wie geplant zu blockieren, würde dies sicherlich nicht das Vertrauen der Kunden fördern, die zukünftig nicht mehr im Reisebüro, sondern im Internet buchen sollen. "Wir sind optimistisch und setzen darauf, dass die Kritik an den Abschiebeflügen schon so breite Kreise erreicht hat, dass eine große Demonstration mit internationaler Beteiligung zu Stande kommen wird", hoffen die Online-Aktivisten. |
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spiegel online 11.05.2001 Online-Demo: Lufthansa Offline? Die Lufthansa ist als "Air-Carrier" am Prozess der Abschiebung von Asylbewerbern beteiligt. Grund genug für ein Aktionsbündnis antirassistischer Gruppen, anlässlich der anstehenden Aktionärsversammlung die Web-Server des Unternehmens zum Kollaps bringen zu wollen. Neu ist die Idee nicht: Durch massenhafte Dateiaufrufe, so stellen sich das die Organisatoren von "Libertad!" und "Kein Mensch ist illegal" vor, könne man doch zumindest die Webseiten des Flugunternehmens blockieren. Wenn es gelingt, summiert sich so etwas zu einem "Denial-of-Service"-Angriff. Schöner klingt es aber, wenn es als "Online-Demonstration" daherkommt - oder als "virtuelles go-in". Am 20. Juni soll es so weit sein, und um die Sache für die protestwilligen User auch schön einfach zu machen, will das Bündnis sogar eine "Portestsoftware" zur Verfügung stellen. Die Grenzen zwischen legitimem Protest und strafbaren Handlungen sind halt fließend im Hacktivismus, der Nutzung von elektronischen Mitteln für politische Aktionen. In diesem Fall versuchen die Organisatoren, sich auf der sicheren Seite des Rechts zu bewegen: Per E-Mail meldete "Kein Mensch ist illegal"-Sprecher Jan Hoffmann die Aktion ganz offiziell als Demonstration beim Ordnungsamt der Stadt Köln an. Die "Online-Demonstration against Deportation Business" richtet sich gegen die Nutzung von Lufthansa-Maschinen bei der Abschiebung abgewiesener Asylbewerber. Die Veranstalter glauben, dem Lufthansa-Management auf diese Weise eine Botschaft übermitteln zu können. "Die sollten sich nicht dem Gedanken hingeben", sagt Kampagnen-Sprecherin Anne Morell, "die Verlagerung der Geschäfte ins Virtuelle könnte bedeuten, dass nun keine Demonstrationen mehr den reibungslosen Ablauf stören. Wir sind jetzt gespannt, ob die Online-Demo ihre Gedanken beflügeln wird". Die Online-Demo gegen die Lufthansa wäre nicht die erste ihrer Art. Wenn sie gelingen sollte, wäre sie allerdings die erste erfolgreiche: Versuche, zum Beispiel gegen T-Online zu demonstrieren, scheiterten in der Vergangenheit kläglich. Ob die Aktionäre im Falle eines Erfolges diesen allerdings auch wahrnehmen würden, ist ebenfalls fraglich. Erst Anfang der Woche war es der Lufthansa über mehrere Stunden gelungen, unerreichbar zu sein - ganz ohne Demonstranten. |
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de.internet.com 11.05.2001, Achim Sawall Leere Bildschirme bei der Lufthansa-Aktionärsversammlung? Schwere Zeiten für die Lufthansa AG: nach einer schlechten Quartalsbilanz und mitten im Tarifstreit mit Cockpit droht dem Aviation Konzern nun auch noch eine Internetdemonstration die Aktionärsversammlung am 20. Juni in Köln zu vermiesen: Abschiebegegner werfen dem Konzern "Deportation Business" vor und trommeln auf einer eigenen Webseite mit der programmatischen Adresse go.to/online-demo für ein virtuelles Go-In bei der Lufthansa. Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis der boomende eCommerce auch eProtest, wie er in den USA schon bekannt ist, nach sich ziehen würde. Für die Antirassismus-AktivistInnen von "Libertad!" und "kein mensch ist illegal" ist dies schon eine Selbstverständlichkeit: "Das Internet ist ein neuer öffentlicher Raum. Wenn man da schmutzige Geschäfte machen kann, kann man dort auch demonstrieren", meint Kampagnensprecherin Anne Morell. Um potentiellen E-DemonstrantInnen die Teilnahme zu ermöglichen, wollen die OrganisatorInnen eine sogenannte "Online Protest Software" auf ihrer Website anbieten. Und um den Charakter einer öffentlichen Demonstration zu unterstreichen, meldete kein mensch ist illegal-Sprecher Jan Hofmann den virtuellen Protest am 10.5.01 beim Ordnungsamt Köln an - per email, versteht sich. Die "Online-Demonstration against Deportation Business" richtet sich gegen die nach Angaben von Antirassismusgruppen jährlich etwa 10.000 Abschiebungen, die mit Lufthansa-Linienflügen abgewickelt werden. Seitdem am 28. Mai 1999 der Sudanese Amir Ageeb in einer Lufthansa-Maschine unter den Misshandlungen von BGS-Beamten zu Tode kam, sieht sich die zweitgrösste europäische Fluglinie mit lauter werdenden Forderungen nach einem Rückzug aus dem Geschäft mit der Abschiebung konfrontiert. Das antirassistische Netzwerk kein mensch ist illegal hatte eine Kampagne mit dem hässlichen Titel "Deportation Class" lanciert, pro asyl und amnesty international schlossen sich in eigenen Stellungnahmen der Forderung der linken Antirassismusgruppen an. Auch ÖTV und Cockpit bedrängten im Herbst 2000 den Konzernvorstand, von den umstrittenen Abschiebeflügen Abstand zu nehmen. Zwei Tage nachdem Thierry Antinori, Lufthansa Bereichsvorstand Vertrieb, auf der diesjährigen ITB erklärt hatte, der Konzern plane den Online-Verkauf von einer halben Million Tickets im Vorjahr bis zum Jahr 2005 auf 25 Prozent zu steigern, konterten die AbschiebegegnerInnen am 7. März mit einer über Mailinglisten verbreiteten Ankündigung, man werde die Internetportale von Fluglinien blockieren, die mit Abschiebungen Geld verdienen. Droht nun während der Aktionärsversammlung ein publicityträchtiger Ausfall bei www.lufthansa.com? Das wäre ein denkbar schlechter Start für die hochtrabenden Pläne des Netzkonzerns Lufthansa. "Die Manager sollten sich nicht dem Gedanken hingeben, die Verlagerung der Gesch"fte ins Virtuelle könnte bedeuten, dass nun keine Demonstrationen mehr den reibungslosen Ablauf stören", betont Anne Morell. "Der Vorstand wollte unsere berechtigte Kritik aber nicht beherzigen. Wir sind jetzt gespannt, ob die Online-Demo ihre Gedanken beflügeln wird." |
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junge welt 11.05.2001, Thomas Klein Tag X für Lufthansa Aufruf zu virtueller Massendemonstration gegen Abschiebungen Für die Lufthansa kommt es zur Zeit knüppeldick: Der Höhenflug der Aktie nahm ein jähes Ende. Infolge des Streiks der Piloten rechnet der Konzern mit einem Schaden von mindestens 50 Millionen Mark. Und nun kündigen antirassistische Gruppen für den Juni eine Online- Demonstration an, mit der das Internetportal des Konzerns blockiert und das Ende des "Geschäfts mit den Abschiebungen" angemahnt werden soll. Bisher war die Idee, an einem "Tag X" aktiv zu werden, ein Vorhaben, daß mit der Anti-Atom-Initiative "X-tausendmal quer" in Verbindung stand. Nun wollen auch antirassistische Initiativen einen solchen Tag X durchführen. Das Netzwerk "kein mensch ist illegal" und die Initiative "Libertad!" rufen dazu auf, aus Protest gegen das Geschäft mit den Abschiebungen die Lufthansa am 20. Juni diesen Jahres, wenn in Köln die Aktionärsversammlung des Konzerns stattfindet, im Internet zu blockieren. Schon seit über einem Jahr machen antirassistische Initiativen im Rahmen der Kampagne "stop deportation class" gegen das Geschäft der Abschiebungen mobil. Der Hintergrund dieser Kampagne: Etwa 40 000 Menschen werden pro Jahr aus Deutschland abgeschoben. Und die Lufthansa, so der Vorwurf von "kein mensch ist illegal" und von "Libertad!", verdiene daran. Denn die Fluggesellschaft verkaufe den Löwenanteil der als "deportee-tickets" gekennzeichneten Flugscheine. Doch diese "deportation class" bringe nicht nur beträchtliche Einnahmen, sie schade eben auch dem Image des Konzerns. Seit am 28. Mai 1999 der Sudanese Amir Ageeb in einer Lufthansa-Maschine unter den Mißhandlungen deutscher Bundesgrenzschützer zu Tode kam, sieht sich der Konzern mit lauter werdenden Forderungen "nach einem Rückzug aus dem schmutzigen Geschäft konfrontiert". Tatsächlich gab es einige Reaktionen auf die in Gang gekommene Diskussion um Abschiebungen. So hat kürzlich die Pilotenvereinigung Cockpit ihren Mitgliedern empfohlen, zukünftig keine Personen an Bord zu nehmen, die einen Transport ablehnen oder gar gefesselt sind. Und die ÖTV forderte Anfang des Jahres ihre im Lufthansa-Aufsichtsrat sitzenden Mitglieder auf, sich gegen das Geschäft mit den Abschiebungen einzusetzen. Obwohl die Fluggesellschaft inzwischen öffentlich verkündete, keine Beförderung von Menschen gegen deren erklärten Willen vorzunehmen, ist es auch in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder zu teils brutalen Abschiebeversuchen gekommen. Insbesondere am Rhein- Main-Flughafen in Frankfurt, über den die meisten Flüchtlinge ausgeflogen werden, gab es in jüngster Vergangenheit immer wieder Protestaktionen. Bisher waren Lufthansa-Flugschalter und Reisebüros, aber auch die letzte Aktionärsversammlung des Konzerns, die Orte, an denen das Netzwerk "kein mensch ist illegal" und andere Gruppen auf die Abschiebepraxis hinwiesen. Nun gelte es, so die zu der Internet-Demo aufrufenden Initiativen in einer aktuellen Presseerklärung, auch da zu demonstrieren, wo die Luftfahrtgesellschaft besonders präsent sei. Ähnlich wie bei einer Sitzblockade solle demnächst der Zugang zur Homepage der Lufthansa AG durch Tausende Internetnutzer zeitweise versperrt werden. "Wir fordern von der Lufthansa AG, sich aus dem schmutzigen Geschäft mit den Abschiebungen zurückzuziehen. Um dieser einfachen Forderung Nachdruck zu verleihen", so der Aufruf zur Beteiligung an der Aktion, "werden wir deutlich machen, daß es gute Zukunftsaussichten nur gibt, wenn der Konzern von den Abschiebeflügen zurücktritt: mit Protestaktionen rund um die Kongreßhalle in Köln, und erstmals auch mit einer Internet-Demonstration. Da die Lufthansa sich selbst als Netzkonzern zu vermarkten sucht, wird sie auf eine virtuelle Massendemonstration vor ihrem Internetportal besonders empfindlich reagieren." Für alle, die konventionelle Formen des Protestes vorziehen, gibt es natürlich auch weiterhin die Möglichkeit, auf der Straße und an den Flughäfen aktiv zu werden. Seit drei Jahren finden im Rahmen der Kampagne "kein mensch ist illegal" antirassistische Grenzcamps statt. Bisher an Orten im deutsch- polnischen und deutsch-tschechischen Grenzgebiet. Dieses Jahr wird das Grenzcamp Ende Juli/Anfang August in der Nähe des Frankfurter Flughafens stattfinden. |
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analyse und kritik 10.05.2001, Anne Morell Lufthansa goes offline Virtuelles Go-In auf die Lufthansa-Website Mit eigenem Sinn für Timing veröffentlichten das antirassistische Netzwerk kein mensch ist illegal und die Solidaritätsinitiative Libertad! in der Nacht zum 1. Mai eine neue Website: http://go.to/onlinedemo. Im von 9.000 Polizisten abgeriegelten Kreuzberg, auf den MaiDemonstrationen in Frankfurt und Zürich verteilten AktivistInnen zehntausende Flyer mit der programmatischen Adresse. Wer nach Straßenprotesten - gespannt auf die virtuelle Demonstrationsvariante - die Site aufrief, konnte zunächst einen im Sturzflug begriffenen Lufthansa-Kranich sehen, auf einem simulierten Computerbildschirm, der sich nach kurzem Flackern ganz verfinsterte, um dem Slogan "Lufthansa Goes Offline - Online-Demonstration against Deportation Business" Platz zu machen. Die geplante Internetdemonstration richtet sich gegen die jährlich etwa 10.000 Abschiebungen, die mit Lufthansa-Linienflügen abgewickelt werden. Der Konzern steht deshalb schon länger in der Kritik: Seitdem am 28. Mai 1999 der Sudanese Amir Ageeb in einer Lufthansa-Maschine unter den Misshandlungen deutscher Grenzpolizisten zu Tode kam, sieht sich die zweitgrößte europäische Fluglinie mit lauter werdenden Forderungen nach einem Rückzug aus dem Geschäft mit der Abschiebung konfrontiert. kein mensch ist illegal hatte anlässlich der letztjährigen Internationalen Tourismusbörse Berlin (ITB) eine Kampagne gestartet, um das saubere Image der Lufthansa mit dem hässlichen Begriff "Deportation Class" zu verschmutzen. Auf allen Flughäfen und in vielen Lufthansa-Reisebüros tauchten professionell gestaltete Folder auf, die - den offiziellen Werbemitteln täuschend ähnlich - scheinbar für ein neues Angebot warben: "Deportation Class! Um 30% ermäßigte Preise in Flugzeugen, in denen Abschiebungen stattfinden." Die Telefone der Call Center liefen heiß, es hagelte Beschwerden, aber auch Buchungswünsche gingen bei den verwirrten MitarbeiterInnen ein. Die PR-Abteilung war durch die Kommunikationsguerilla-Methode sichtlich überfordert. Nachdem sich die Stellvertretende Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, Frau Knobloch, in einem geharnischten Brief über das vermeintliche Sonderangebot empörte, berief die Lufthansa eilends eine Pressekonferenz ein, um das Angebot zu dementieren. Und, siehe da: das Medieninteresse war geweckt. Waren es neben den linken Antirassismusgruppen zunächst Menschenrechtsorganisationen wie pro asyl und amnesty international, die sich der Forderung nach einem Ende der Abschiebeflüge anschlossen, so bedrängten im Herbst 2000 auch die ÖTV und die einflussreiche Pilotenvereinigung Cockpit den Konzernvorstand. Cockpit war durch einen Hinweis von kein mensch ist illegal hellhörig geworden: Bei Verletzungen oder gar dem Tod von nichtreisewilligen Personen haftet der Flugkapitän, der - auch gegenüber Beamten des Bundesgrenzschutzes - die alleinige Bordgewalt inne hat. Seitdem rät die Organisation ihren Mitgliedern, an "unfreiwilligen Abschiebungen" nicht länger mitzuwirken. Die Begrifflichkeit deutet an, dass es hier nicht um ethische oder politische Bedenken, sondern um Rechtssicherheit geht. Aber das hilft dem Lufthansa Vorstand auch nicht weiter. Für den geht es bei Abschiebungen schließlich auch nicht um Hoheitsgewalt, sondern ums schnöde Geschäft. "Deportation business ist kein business as usual", so heißt es auf der neuen Website der Abschiebegegner, und: "es ist - vorsichtig ausgedrückt - in höchstem Masse kritikwürdig, an Abschiebungen mitzuwirken, aber damit auch noch Geld zu verdienen, ist wirklich verkommen." Die Lufthansa bemüht sich unterdessen nach dem ersten Disaster mit der Deportation Class um Diskretion und deutet an, mit dem Innenministerium über einen Ausstieg aus dem kritisierten Geschäftszweig in Verhandlungen zu stehen. Aber außer Andeutungen ist nichts geschehen. So startete auf der ITB im März diesen Jahres nun eine weitere Runde in der Auseinandersetzung zwischen AktivistInnen und der Fluglinie: Die Lufthansa erklärte sich selbst - uptodate - zum "Netzkonzern" und der Öffentlichkeit, dass "im Jahr 2001 erstmals mehr als eine halbe Million Tickets über www.lufthansa.com" verkauft worden seien. Der Online-Anteil solle bis zum Jahr 2005 auf 25 Prozent gesteigert werden, so der für den Vertrieb zuständige Vorstand Thierry Antinori. Nur zwei Tage später konterten die Initiative Libertad!, die sich inzwischen der Kampagne angeschlossen hatte, und kein mensch ist illegal mit einer über Mailinglisten international verbreiteten Erklärung: "Wenn Konzerne, die mit Abschiebungen Geld verdienen, ihre größten Filialen im Netz aufbauen, dann muss man auch genau dort demonstrieren." Sie kündigten an, ähnlich wie bei einer Sitzblockade werde der Zugang zur Homepage der Lufthansa AG durch tausende InternetnutzerInnen zeitweise versperrt werden. Obwohl weder ein Termin noch etwas anderes Konkretes genannt worden war, sah der Konzern die Notwendigkeit, großspurig zu erklären, man sei "als großes Unternehmen auf solch großmundige Ankündigungen vorbereitet". Des Weiteren, so Lufthansa Pressesprecher Thomas Jachnow am 17. März 2001 gegenüber dem Online-Magazin telepolis, gingen die allermeisten Abschiebungen "mit freundlichem Service" vonstatten. "Eine bessere Imageverschmutzung hätten wir nicht zu Stande gebracht", kommentiert der Libertad!Aktivist Sven Maier die Reaktion der Lufthansa. Der Konzern spiele ungewollt das Spiel der Kampagne. Zusammen mit dem Weimarer Kunstdozenten Ralf Homann stellte Maier die virtuelle Variante der Deportation.Class-Kampagne am 13. April im Rahmen einer ausverkauften Veranstaltung von Kanak Attak! in der Berliner Volksbühne der Öffentlichkeit vor. "Die Lufthansa sagt der Kundschaft nicht, dass sie Flugtickets verkauft, weil sie Geld machen wollen. Vielmehr wird suggeriert, man bezahle für Freiheit, Sicherheit und Komfort. Beim Internetportal geht es dementsprechend auch nicht einfach nur um Kommerz, sondern um Modernität und globales Bewusstsein. Kapitalistische Unternehmen machen es uns leicht, wenn sie sich so in den Bereich des Symbolmanagements, der Kunst begeben. Da können wir eingreifen, indem wir ihre Symbole aufgreifen und umcodieren", erläuterte Homann in der Volksbühne das Kampagnenkonzept. Die ZuhörerInnen allerdings interessierten sich vor allem dafür, wie denn die Online-Demonstration konkret funktioniere. Unter http://go.to/onlinedemo erfährt man, dass die neue Demonstrationstechnik als "Sitzblockade auf dem Datenhighway" oder als "virtuelle Übersetzung eines GoIns" zu verstehen sei. Zu gegebenem Zeitpunkt würden die DemonstrantInnen massenhaft und zeitgleich auf Websites der Lufthansa AG und die dortigen Angebote zugreifen - wie etwa, wenn sich bei einem GoIn in einem Reisebüro hundertfünfzig statt der normalen fünf KundInnen gleichzeitig nach Flugverbindungen erkundigten. In der Folge, so hoffen die OrganisatorInnen, werde der Datenfluss von den Großrechnern, die die Internetseiten zur Verfügung stellen, zum Erliegen kommen. Daten sollen dabei weder zerstört noch gestohlen werden nur der Zugang zu ihnen werde zeitweise blockiert. Auf die Technik von "Trojanischen Pferden", wie sie bei vielen Hackerattacken, etwa jene gegen yahoo und CNN im Frühjahr 2000 zur Anwendung kamen, wird bewusst verzichtet. Damals hinterlegten Hacker zunächst auf fremden Rechnern mit mangelhaften Sicherheitssystemen Angriffsskripte, die sie später zeitgleich fernstarteten. Die Online-Demonstration solle vielmehr eine "elektronische Abstimmung gegen das Abschiebegeschäft" werden, die allein bei großer Beteiligung Wirkung erziele, nach dem Prinzip: eine Person = ein Rechner = eine Stimme. "Wir profitieren von den Erfindungen und Erfahrungen anderer, hauptsächlich US-amerikanischer Gruppen, die das Konzept des Elektronischen Zivilen Ungehorsams entwickelt haben", erklärt Sven Maier die Entstehungsgeschichte der Netzaktion. Das Electronic Disturbance Theater (EDT), ein Zusammenschluss New Yorker NetzkünstlerInnen und Zapatista-SolidaritätsaktivistInnen, gilt als Pioniergruppe des "hacktivism", wie sie den politischen Internetaktivismus getauft haben. 1998 veranstaltete das ECD ein virtuelles Sit-In vor der Homepage des mexikanischen Finanzministeriums, um gegen die Massaker der Armee in Chiapas zu protestieren. Zu diesem Anlass hatten sie das "Zapatista Floodnet Tool" entwickelt, ein inzwischen legendäres Script, das automatisiert immer wieder die anzugreifenden Internetseiten neu lud, um den betreffenden Server zu "fluten". Im Dezember 1999 war ECD am sogenannten "Toywar" beteiligt, einer wochenlangen Netzschlacht zwischen der Spielzeugfirma etoys und der KünstlerInnengruppe etoy. Das eCommerce-Unternehmen etoys.com hatte sich das Recht auf etoy.com, die Domain der KünstlerInnen, vor Gericht erstreiten wollen, worauf diese eine elektronische Kampagne gegen das dotcom-Unternehmen lancierten. Mailbombings, zeitgleiche http- und Datenbankanfragen aus aller Welt zwangen zuerst die etoys-Website in die Knie, dann trieb eine Kampagne organisierter Rufschädigung an der Technologiebörse NASDAQ den Kurs in den Keller. Der Spielzeughersteller ist mittlerweile in Konkurs, die KünstlerInnen konnten ihre Domain behalten, und der Toywar ging als Glanzstück des Netzaktivismus in die kurze digitale Geschichte ein. Mit dem Hinweis auf das Schicksal von etoys.com hatte der Konstanzer Internetforscher Reinhold Grether, der maßgeblich am Toywar beteiligt war, die Lufthansa schon auf deren Jahreshauptversammlung im letzten Jahr davor gewarnt, sich strategisch auf eCommerce festzulegen - vergebens. Ricardo Dominguez, einer der Mitbegründer des Electronic Disturbance Theater, will die Aktion gegen das Lufthansa-Portal unterstützen: Der New Yorker Aktivist wird auf mehreren Veranstaltungen Anfang Juni in Deutschland sprechen. Zuspruch findet die Online-Demonstration auch im europäischen Ausland. Belgische AbschiebegegnerInnen, französische InformatikgewerkschafterInnen und iranische Flüchtlingsorganisationen haben bereits ihre Unterstützung erklärt. Bei der Frage, ob die Lufthansa-Website tatsächlich "offline" gehe, wollen sich die AktivistInnen nicht so recht festlegen. "Eine Erfolgsgarantie gibt es bei Netzaktionen so wenig wie bei Straßenblockaden", so Jan Hofmann von kein mensch ist illegal. Der Erfolg sei nicht so sehr eine Frage der Technik, sondern hänge davon ab, dass sich viele Menschen beteiligen. Um dies zu erleichtern, haben die AktivistInnen eine "Online Protest Software" entwickelt, die sie demnächst zum Herunterladen auf ihrer Website anbieten wollen. "Das ist wirklich für jede und jeden handhabbar", versichert Hofmann, "wir wollen schließlich auch und vor allem Leute gewinnen, für die das Internet und elektronischer ziviler Ungehorsam eine neue Welt sind." Juristische Konsequenzen fürchten sie nicht: "Demonstrationen sind - auch wenn das am Berliner 1. Mai nicht deutlich geworden ist - ein Grundrecht. Und es gibt keinen Grund dafür, dass ein demokratisches Recht im Internet außer Kraft gesetzt werden sollte." Cyberspace, so Sven Maier, sei ein weiterer öffentlicher Raum des digitalen Zeitalters, in dem wie in den Städten und Straßen nicht nur die Geschäftsbeziehung stattfinde, sondern auch die sozialen und politischen Konflikte ausgetragen werden. Wenn im Internet schmutzige Geschäfte gemacht werden können, werde es auch dort Demonstrationen geben. Dass die Lufthansa sie trotzdem verklage, will der Aktivist jedoch nicht ausschließen. "Schließlich waren sie schon so fantasielos, mit einer Unterlassungsklage gegen eine konzernkritische Plakatausstellung im Netz vorzugehen." Von solchen, wie sie finden, "unangemessenen Reaktionen" wollen sich kein mensch ist illegal und Libertad! nicht beeindrucken lassen. "Sie sollten besser darüber nachdenken, ob sie die berechtigte Kritik an dem Abschiebegeschäft nicht endlich beherzigen sollten", raten sie der Lufthansa. Anne Morell Informationen: Online-Demonstration, c/o Mehringhof, Gneisenaustraße 2a, 10961 Berlin Internet: http://go.to/onlinedemo Email: onlinedemo@gmx.net Infotelefon: 0177 - 5029083 |
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