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Freiheit für alle politischen Gefangenen weltweit!
   
Deportation Class
Internet-Demo
Stoppen wir das Abschiebegeschäft
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Handbuch Online-Aktivismus: go.to/online-demo

 


 

go.to/online-demo
Handbuch Online-Aktivismus
+++ denial of service (ddos) #virtual reality sit-in # hacktivism # Materialien zum Prozess Lufthansa gegen Libertad! # elektronischer ziviler Ungehorsam # free online protest+++

herausgegeben von Initiative Libertad!
Verlag: edition libertad!, Auflage: 2500, 140 Seiten in Quadformat
Der Reader kann bestellt werden. Gegen eine Schutzgebühr von 5,00 Euro plus Porto

Die Kampagne „free online protest“, verschiedene Projekte innerhalb der Kampagne oder die Herausgabe dieses Readers wurden finanziell ermöglicht durch zahlreiche Spender/innen und institutionelle Kooperationspartner/innen und
Unterstützer/innen: bridge (Bürgerrechte in der digitalen Gesellschaft), Hans-Böckler-Stiftung, Netzwerk Selbsthilfe, Aktion Selbstbesteuerung, Pro Asyl. Wir danken allen!

 



aus der Einleitung:

Come in and go on

Als am 1. Juli 2005 unser Aktivist Andreas Thomas Vogel wegen Nötigung vom Amtsgericht Frankfurt/Main verurteilt wurde, war das noch nicht das letzte Wort in Sachen Onlinedemo gegen die Deutsche Lufthansa AG. Am 22. Mai 2006 hob der 1. Senat des Oberlandesgerichts Frankfurt/Main dieses Urteil auf. Das Fazit des Gerichts war deutlich. Onlinedemos seien keine Gewalt und keine Nötigung, sondern zielten sinngemäß auf die Meinungsbildung der Öffentlichkeit. Damit endete nach fünf Jahren die Auseinandersetzung genau dort, wo sie Libertad! von Anfang an sah: Das Internet ist ein Ort für Proteste und Demonstrationen – „online protest is not a crime“.

Die Onlinedemo gegen die Lufthansa war die erste in ihrer Art in Deutschland. Da versteht sich eine ausführliche Dokumentation fast von selbst. Mit dem vorliegenden Handbuch publizieren wir eine umfassende Auswahl an Texten zu Hintergrund und Durchführung der Aktion. Es handelt sich um Unterlagen, die in unserem Diskussionsprozess wichtig waren und um Aufrufe, Veranstaltungsbeiträge und Stellungnahmen zur Aktion selbst. Weiterhin gibt es eine Darstellung der Repression, des Umgangs damit, und der Solidarität mit Libertad!.

Rückblick: „Ein Albtraum vom Fliegen“ hieß die Titelschlagzeile einer ab März 2000 in Hundertausender-Auflage verteilten Zeitung des antirassistischen Netzwerks „kein mensch ist illegal“. Damit begann die Kampagne gegen die „deportation.class“, wie die massenhafte Abschiebung von Flüchtlingen mit Lufthansa-Flügen anschaulich beschrieben wurde.

Allein im Jahr 1998 wurden 40.000 Menschen aus der Bundesrepublik Deutschland abgeschoben, die meisten davon auf dem Luftweg und die Mehrheit davon wiederum mit einem Linienflug der Lufthansa. Bei einem dieser Abschiebeflüge wurde im Mai 1999 der aus dem Sudan stammende Flüchtling Amir Ageeb von Beamten des Bundesgrenzschutzes derart malträtiert, dass er dabei ums Leben kam. Immer mehr Menschen beschlossen daraufhin, sich an der Kampagne gegen die „deportation.class“ zu beteiligen, weitere Todesfälle zu verhindern und die Lufthansa von einer Abkehr vom Abschiebegeschäft zu überzeugen, wie es vorher schon in ähnlichen Kampagnen gegen die Fluggesellschaften Swissair und Sabena gelungen war.

Bei der Aktionärshauptversammlung der Lufthansa im Juni 2000 gelang es mit verschiedenen Aktionen das Abschiebegeschäft zu thematisieren und in Misskredit zu bringen. Dieser Erfolg sollte auf der nächsten Hauptversammlung öffentlichkeitswirksam ausgebaut werden. In Vorbereitung darauf kam die Idee auf, die zahlreichen geplanten Aktivitäten mit einer Aktionsform zu bereichern, die es hier bis dahin noch nicht gegeben hatte. Was Internet-Aktivistinnen und Aktivisten gegen Firmen und Institutionen in den USA oder Mexiko bereits erfolgreich vorgemacht hatten, sollte doch auch gegen die Lufthansa möglich sein: Eine Onlinedemo, ein massenhafter und wirksamer Protest im Internet.

Für uns war das eine faszinierende Idee, eine Praxis zu entwickeln, die eingreift und gleichzeitig viele mobilisiert, die innovativ und zeitgemäß in der Wahl der Mittel ist. Die Idee war zu der Zeit noch so ungewöhnlich, dass sie von den Medien begierig aufgegriffen und dadurch das Abschiebegeschäft der Lufthansa wie nie zuvor öffentlich diskutiert wurde.

Neben den zahlreichen Aktionen, die die Hauptversammlung begleiteten und immer wieder störten, beteiligten sich mehr als 13.000 Menschen am virtuellen Protest, und die schlimmsten Befürchtungen der Lufthansa wurden noch übertroffen. Dass ihre Homepage trotz spezieller Sicher-ungsmaßnahmen bis zur Nichterreichbarkeit überlastet war, hatte die Lufthansa vielleicht einkalkuliert; am schlimmsten war aber sicherlich der Imageverlust. Die erste Tages-schaumeldung im Bericht über die Hauptversammlung galt den Protesten gegen das Geschäft mit der Abschiebung. Der Aktienkurs erreichte an diesem Tag den Tiefststand des Jahres.

Für den politischen Erfolg war beides verantwortlich: Eine gut angelegte Kampagne, wie sie sich bis dahin schon recht erfolgreich in der Öffentlichkeit entwickelt hatte, und eine Aktionsform auf der Höhe der Zeit. Dass die Lufthansa und auch staatliche Behörden, vom Verfassungsschutz bis zum Innenministerium, diesen Erfolg einer massenhaften antirassistischen Protestaktion nicht einfach hinnehmen würden, war schon vorher aus ihren Stellungnahmen deutlich geworden.

Am 17. Oktober 2001 wurden das Frankfurter Büro von Libertad! und die Wohnung des eingetragenen Inhabers der Domain libertad.de vom Staatsschutz aufgebrochen, besetzt und sämtliche Rechner, Festplatten und andere Speichermedien beschlagnahmt. Es folgte ein Verfahren wegen „Nötigung“, das nach vier Jahren mit einer vorläufigen Verurteilung vor dem Amtsgericht endete. Danach dauerte es noch einmal ein Jahr, ehe das Oberlandesgericht Frankfurt in letzter Instanz Anklage und Verurteilung unseres Aktivisten in allen Punkten für unzulässig erklärte. Damit ist noch lange nicht das Abschiebegeschäft für illegal erklärt oder gar beendet worden. Aber die Protestform Onlinedemo konnte als legitim durchgesetzt, und der Repression dagegen die Grundlage genommen werden.

Wir verstehen die vorliegende Publikation als Beispiel und Anleitung für künftiges widerständiges Denken und Handeln. Mit der Bedeutung des Internets nehmen auch elektronische Protest- und Widerstandsformen zu und erweitern das Repertoire der sozialen Bewegungen. Auch in Zukunft werden neue kreative Proteste ausprobiert und durchgeführt werden, gegen das Abschiebegeschäft und andere unmenschliche und tödliche Begleiterscheinungen des Kapitalismus. Die nächste Onlinedemo kommt bestimmt.

Zum Schluss möchten wir noch einmal allen danken, die sich an dem Protest beteiligt und ihn durch vielfältige Unterstützung ermöglicht haben. Besonderen Dank auch an alle, die uns im nachfolgenden Verfahren solidarisch zur Seite standen.

Initiative Libertad! im Juli 2006

 

Inhalt

Intro

9 Come in and go on
11 Netzaktivismus gegen Abschiebung, Erfolg einer Imageverschmutzungskampagne

starten

21 Let's go.to/online-demo, Red. So Oder So: Links imNetz und andere Verknüpfungen
22 Wikipedia: Onlinedemonstration (Weitergeleitet von virtuelles Sit-In)
24 Interview mit Ricardo Dominguez / Was macht ein Elektro-Störer?
27 Ziviler Ungehorsam und Kontrolle der „lebendigen Arbeit“ / Internet als politischer Protestraum, autonome a.f.r.i.k.a.-gruppe
29 Eine kleine Einführung in die Welt der elektronischen Proteste. / Online-Aktivismus: Vom virtuellen Sit-In bis zur digitalen Sabotage
34 Stop deportation.class / Die Kampagne gegen das Abschiebegeschäft der Lufthansa AG / Organisierte Unmenschlichkeit / Fliegen ist freiwillig

demonstrieren

43 Der Aufruf: Onlinedemonstration gegen „deportation business“
44 10.05.2001: Anmeldung einer virtuellen Demonstration
45 Frequently Asked Questions: Was ist eine Onlinedemo?
48 17.06.2001: Verfassungsschutz versteht Onlinedemo nicht
49 Onlinedemo ja - virtuelle Solidarität NEIN! - Eine Rede
50 10.05.2001: Lufthansa Goes Offline - am 20. Juni, 10 Uhr [8.00 GMT]
53 Manual: Online Protest Software
54 18.06.2001: eMail an Lufthansa
56 Schlagzeilen
56 16. Juni 2001 : Noch vier Tage bis zur Onlinedemo gegen Lufthansa
56 17. Juni 2001 : Noch 3 Tage! ... Lufthansa-Webseite fluten!
57 18. Juni 2001: Kein Demonstrationsrecht im Cyberspace?
58 Schlagzeilen
58 18. Juni 2001 : Onlinedemo gegen Lufthansa - noch zwei Tage!
59 Abschiebung hat einen Namen: Lufthansa - goes offline! / Wir machen mit!
60 19. Juni 2001 : Noch einen Tag / Wenige Stunden bevor...
61 Köln Messehallen, 20: Juni 2001, 10 Uhr: Bits and Bytes against Deportation / Der Startklick der Onlinedemo gegen Lufthansa
63 Die Onlinedemo gegen Lufthansa – eine Auswertung / Interner Diskussionstext

prozessieren

83 17.10.2001: Polizeirazzia bei Abschiebegegner/innen
83 Stimmen
84 Dokumentation: Durchsuchungsbeschluss 30. August 2001 (Auszüge)
84 Schlagzeilen
85 Zweihundertfünfzig werden mehr / Aufruf von Hans Branscheidt, medico international
86 Dokumentation: Anklageschrift (Auszüge)
87 Operation Absturz / Lufthansas erfolglose Kriminalisierungsversuche gegen Abschiebegegner/innen
88 Stimmen
90 Stimmen
91 Lufthansa & Justiz gegen Libertad! / Online-Aktiongegen Abschiebegeschäft angeklagt / Amtsrichterin Wild
94 Flüchtlingsräte zum Prozess
94 Ricardo Dominguez: Ein transparenter Akt des zivilen Ungehorsams
96 14. Juni 2005: Amtsgericht Frankfurt: Prozessauftakt
98 Netz-Demos, von Klaus Kreimeier
99 Stellvertretend für viele, Rede des Angeklagten im Prozess, 14.06.05
102 Schlagzeilen
104 Nicht das letzte Wort, Rede im Prozess am 01. Juli 2005
109 Urteil: 900 Euro für gewalttätige Mausklicks / Kampagne "free online protest" geht weiter
110 Dokumentation: Im Namen des Volkes / Auszüge aus dem Urteil vom 01.07.2005
113 Komitee für Grundrechte und Demokratie
114 Freispruch in Sachen Onlinedemo gegen Lufthansa AG / Also doch: online protest is not a crime
115 Stimmen
116 Dokumentation: Nochmal - Im Namen des Volkes / Auszüge aus dem OLG-Freispruch vom 22.05.2006
118 ARD-tagesschau 01.06.06: Onlinedemo gegen Lufthansa doch straffrei
120 Schlagzeilen

...und so weiter

123 Versammlungsverbot am Flughafen - Demonstrationsfreiheit im Internet / Abschiebegegner/innen unterliegen und gewinnen vor Gericht
127 Wolfgang Kaleck (RAV): Von Läpple bis Vogel – Straßenbahnblockaden & Onlinedemos als Nötigung?
129 Hans Branscheidt: Von der Idee zur Serienproduktion. Ein Wort zum Libertad! Verfahren
131 Wolf Dieter Narr: Für eine Erweiterung desDemonstrationsbegriffs
134 „Ein Nachteil des Netzaktivismus ist mir nicht bekannt“
135 Kein Aprilscherz: Lufthansa-Server abgeschossen
137 Wenige weitere Links


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