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taz Hamburg Nr. 6400 vom 19.3.2001, Seite 21, 35
TAZ-Bericht, Elke Spanner
Keine Mail ist illegal
Gegen Abschiebungen: Kampagne plant Blockade der Lufthansa-Homepage
Gegen die Abschiebung von Flüchtlingen mit Maschinen
der Lufthansa-Airline hat die Hamburger Gruppe von "kein Mensch
ist illegal" bereits mehrfach am Flughafen Fuhlsbüttel demonstriert.
Nun plant die bundesweite Kampagne zusammen mit der "Initiative
Libertad" eine "Demonstration", an der weltweit Menschen
teilnehmen können: im Internet. An einem noch unbekannten Termin
im Sommer soll der Zugang zur Internetseite der Lufthansa blockiert
werden.
Allein vom Hamburger Flughafen wurden in den vergangenen
Jahren zigtausend Flüchtlinge abgeschoben, bundesweit sind es
pro Jahr über 30.000 Menschen. Rund die Hälfte wird in Maschinen
der Lufthansa vom Bundesgrenzschutz außer Landes gebracht -
bewacht und gefesselt. Dabei wurden bereits mehrere Menschen getötet:
1994 starb an Bord einer LH-Maschine der Nigerianer Kola Bankole.
Im Mai 1999 kam der Sudanese Aamir Ageeb ums Leben, weil BGS-BeamtInnen
ihm einen Helm aufgesetzt und den Kopf so nach unten gedrückt
hatten, dass er erstickte. Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) untersagte
damals den Einsatz dieser Helme. Mittlerweile lässt er aber andere
Modelle testen.
Vorigen März hatte "kein Mensch ist illegal"
eine Kampagne gegen die Abschiebungen durch die Lufthansa gestartet.
Mittlerweile hat die Pilotenvereinigung "Cockpit" ihren
Mitgliedern empfohlen, keine Personen mehr an Bord zu nehmen, die
einen Transport ablehnen oder sogar gefesselt sind. Auch die ÖTV
hat auf ihrem Gewerkschaftstag einen entsprechenden Appell an ihre
bei der Lufthansa beschäftigten Mitglieder verabschiedet.
Die Airline verlegt die Abwicklung ihrer Geschäfte
immer mehr ins Internet. Im Jahr 2005 sollen dort 40 Prozent aller
Buchungen abgewickelt werden. Deshalb, so "kein Mensch ist illegal",
soll in dieser "größten Lufthansa-Filiale" demonstriert
werden. Ähnlich wie bei einer Sitzblockade werde der Zugang zur
Homepage der Luft-hansa an einem Tag durch Tausende InternetnutzerInnen
zeitweise versperrt. Zu dem Termin, der rechtzeitig über die
eigene Homepage der Kampagne bekannt gegeben wird, kann von dieser
eine Software runtergeladen und mit deren Hilfe eine Mail geschickt
werden. Strafrechtliche Verfolgung haben die DemonstrantInnen nicht
zu befürchten, sagt die Kampagnen-Sprecherin. Denn an ein Dienstleis-tungsunternehmen
zu mailen, ist erlaubt. Elke Spanner
www.deportation-alliance.com
online-demo@gmx.net
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