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Deportation Class
Internet-Demo
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Internet-Demo gegen das Abschiebegeschäft

 

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Der Infodienst der Libertad!-Zeitung
www.sooderso.de
Falkstr. 74, 60487 Frankfurt, fax: 069-79201774, email: redaktion@sooderso.de

Dienstag, 19. Juni 2001, 16:02:52


: Noch einen Tag bis zur Online-Demo gegen Lufthansa 20. Juni 2001, 10.00 Uhr

#*: 1. Wenige Stunden bevor
#*: 2. Bits and Bytes laden ein zum symbolischen Startklick”
#*: 3. Stellungname von Libertad! vom 19.06.01 an dpa-infoline
#*: 4. Presseemitteilung von Libertad! und "kein mensch ist illegal" vom 18.06.01
#*: 5. Brief an den Lufthansa-Vorstand Jürgen Weber
und
#*: 6. : Die Internetpräsenz von Libertad! und der Zeitung "So oder So" wird am 20. Juni 2001 während der Zeit von 10 - 12 Uhr schließen. Auch dort wird demonstriert - und entsprechend auf die Online-Demo-Seite verwiesen.

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Weitere Informationen, Rundbriefe der Online-Demo, Presseschauen etc auf der Libertad!-Homepage: http://www.libertad.de/projekte/depclass/demo
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****** 1. Wenige Stunden bevor...

Wir können die Stunden zählen. Aber es gibt so vieles noch zu tun, und viele gute Ideen und Anregungen kommen auf den letzten Drücker und wer weiß, ob sie alle noch realisiert werden können. Die große Zustimmung zur Online-Demo hält an, die Protestsoftware wird fortlaufend runtergeladen, und hat schon einige Versionssprünge hinter sich. Auch spiegeln immer mehr Internetaktivist/innen die Homepage - und es liegen fast mehr Anfragen da, als versorgt werden könnten. Gleichzeitig mausert sich die Online-demo zum Medienereignis. Zeitungen berichten und legen Sonderseiten auf ihren online-Ausgaben an, Funk und Fernsehen sind wie wild auf Interviewpartner/innen. Für zusätzliche Aufmerksamkeit hat natürlich auch die Staatsseite gesorgt. Erst der VS-Chef, der die Mär vom Mailbombing verbreitete und dann gestern das Bundesjustizministerium, das die Demo nicht vom Versammlungsrecht gedeckt sieht. Naja.

Wenige Stunden vor dem Tag und der Stunde X kommen viele Fragen für die auch mit der Initiative beabsichtigte Diskussion über neue Aktionsformen wie diese. Auch kritische Fragen zur Software, kluge Sachen, gute Sachen. Alle sind gespannt, wie die erste Online-demo verlaufen wird. Dabei hat sie schon jetzt, also bevor der erste Klick gemacht wurde, das Ziel erreicht, dem Deportation.Business der Lufthansa höchste Aufmerksamkeit und öffentliche Thematisierung zu besorgen. Die Hauptversammlung wird sicher viel Zündstoff haben.


****** 2. “Bits and Bytes against Deportation”

oder

"Wer glaubt das 0 und I keine Meinung haben, der irrt !"

"Kein Mensch ist illegal" und "Libertad!" laden Sie zu einer Kurzperformance vor dem Eingang der Lufthansa Hauptaktionärsversammlung ein.

Erleben Sie wie eine "roter Startknopf" um 10:00 Uhr den Beginn der ersten Online-Demonstration vor dem Lufhansa Portal "www.lufthansa.com" in der Bundesrepublik Deutschland einläutet.

Ein/e Vertreter/in von "Kein Mensch ist illegal" und / oder "Libertad" steht der Presse für Fragen und Interviews zur Verfügung.

Sie finden uns ab 09:00 Uhr vor der Kölnarena in Köln-Deutz


****** 3. Stellungname von Libertad! vom 19.06.01 an dpa-infoline

Kampagne Libertad! - Falkstr. 74, 60487 frankfurt
email: kampagne@libertad.de - internet: www.libertad.de

Dienstag, 19. Juni 2001, 16:50

Lieber Mathias Schröter, DPA-Infoline

wir beantworten gerne ihr Anfrage nach einer Stellungnahme der Kampagne Libertad! zur Online-Demo gegen das Deportation.Business der Deutschen Lufthansa AG.

Das unmittelbare Ziel der Aktion ist, den Druck auf die Lufthansa zu erhöhen, um den Konzern zu einer klaren Entscheidung gegen das Abschiebegeschäft zu bringen. Noch mal zur Erinnerung: Der politische Rahmen der Internet-Demo ist die deportation.class-Kampagne von Kein Mensch ist illegal. Auslöser der Kampagne war der Tod des Sudanesen Amir Ageeb am 28. Mai 1999 an Bord der Lufthansa-Maschine LH 558 nach Kairo. Drei Beamte des Bundesgrenzschutzes hatten den 30jährigen Flüchtling so brutal misshandelt, dass er erstickte.

Circa 32.000 Menschen werden jedes Jahr per Flugzeug aus Deutschland abgeschoben. Davon 10.000 durch die Lufthansa: Der Verkauf der sogenannten „deportee-tickets" ist also ein nicht zu vernachlässigender Geschäftszweig.

Der international angelegten Mobilisierung zur Online-Demo ist es schon jetzt gelungen den politischen Druck auf die Lufthansa deutlich zu erhöhen. Die Deutsche Lufthansa und ihre Verantwortlichen stehen öffentlich in der Kritik. Und das ist gut so! Allerdings beweisen ihre bisherigen Reaktionen auf die Internet-Demo, dass sie diese Kritik vor allem technisch und mittels Kriminalisierung aushebeln wollen. Auch das Bundesjustizministerium reagiert entsprechend fantasielos. Wir nehmen das zur Kenntnis. Die offiziellen Reaktionen sagen alles über die realen Machtverhältnisse in diesem Land, dessen politische Kultur sich darin erschöpft, soziale und politische Probleme auf eine Frage der inneren Sicherheit zu reduzieren.

An keinem Punkt kommen in unserer Gesellschaft struktureller Rassismus und soziale Ausgrenzung deutlicher zum Tragen, als in dem menschenverachtenden System aus militärisch abgesicherten Außengrenzen, Ausländergesetzen und Abschiebungen. Auch das wollen wir mit der Internet-Demo verstärkt öffentlich thematisieren: Die Illegalisierung von Flüchtlingen und MigrantInnen, die tödlichen Konsequenzen staatlicher Abschiebepraxis, die „neue Mauer" um Europa.

Warum jetzt eine Internet-Demo? Das Internet hat sich längst als öffentlicher Raum etabliert. Hier werden Geschäfte gemacht, Kriegspropaganda betrieben, Ideologie produziert - wie in der wirklichen Welt auch. Ein öffentlicher, aber kein freier Raum, der immer wieder erobert werden muss. Das Internet ist schon jetzt für Libertad! ein Medium der gegenseitigen Information, der Vernetzung von Aktions- und Solidaritätsgruppen, der Verabredung zu gemeinsamer Praxis. Mumia Abu-Jamal, Chiapas, Seattle, Prag oder auch Porto Alegre stehen als Namen und Orte für einen sich weltweit vernetzenden Widerstand, der sich im virtuellen Raum verständigt, um real zu handeln. Mit der ersten Online-Demo in Deutschland gehen wir einen Schritt weiter. Im Internet kollektiv solidarisch handeln gegen staatlichen Rassismus und Menschenmisshandlung, eröffnet, wie wir hoffen, neue Aktionsformen, die auch zu ganz anderen Anlässen und anderen Zwecken zur Wirkung kommen können.

Als Initiative, die sich für die Freiheit von politischen Gefangenen in aller Welt einsetzt, ist es für uns unabdingbar notwendig, auf die Situation von politischen Gefangenen wie auf die Behandlung von Flüchtlingen in diesem Land aufmerksam zu machen.

Für Libertad!
Hans-Peter Kartenberg

****** 4. Pressemitteilung: Online gegen Abschiebungen

Berlin, 18.06.2001

Online gegen Abschiebungen

150 Antirassismus-Gruppen wollen am 20. Juni die Lufthansa-Homepage blockieren.
Protest-Software auf 30 Internetseiten veröffentlicht.

150 Antirassismus-Initiativen kündigten heute in einem Brief an den Vorstand der Lufthansa AG ein virtuelles Sit-In auf dem Internetserver der Fluglinie an. Die Online-Demonstration während der Aktionärsversammlung des Konzerns richtet sich gegen die jährlich etwa 10 000 Abschiebungen, die mit Lufthansa-Maschinen durchgeführt werden.

''Es ist ein schmutziges Geschäft, mit Abschiebungen Geld zu verdienen'', schrieb Demo-Anmelder Jan Hofmann heute an den Vorstand der Fluggesellschaft, ''reichen zwei Tote nicht, um endlich die Konsequenzen zu ziehen?'' 1994 war der Nigerianer Kola Bankole, 1999 der Sudanese Amir Ageeb bei Abschiebungen auf Lufthansa-Linienflügen zu Tode gekommen.

Seit dem späten Sonntag abend, drei Tage vor der virtuellen Demo, wird eine ''Online Protest Software'' auf 30 Internetseiten im In- und Ausland angeboten. Mit Hilfe des Softwarepaketes könnten AbschiebegegnerInnen den Lufthansa-Server am kommenden 20. Juni durch Zugriffe überlasten, sagt Kampagnensprecherin Anne Morell. Die Software dringe nicht in geschlossene Systeme ein und zerstöre keine Daten, verspricht die Online-Aktivistin. Jede und jeder solle teilnehmen können: neben der Installation von Protest-Programmen für Windows- und Linux-Systeme besteht auch die Möglichkeit, am 20. Juni ein Programm direkt auf der Homepage der AktivistInnen zu starten. So kann virtuell mitdemonstrieren, wer im Internetcafé oder auf dem Arbeitsplatz nichts aus dem Internet herunterladen darf - oder einen Macintosh zuhause hat.

Drohen nun leere Bildschirme bei www.lufthansa.com? Die Fluggesellschaft will am 20. Juni um 10 Uhr eigentlich die Rede des Vorstandsvorsitzenden Jürgen Weber über ihr Internetportal live streamen. Wenn nun, wie Abschiebegegnerin Morell prophezeit, stattdessen nur ''leere Bildschirme und lange Nasen'' auf der Aktionärsversammlung zu sehen sein werden? Sicherlich kein guter Start für das ehrgeizige ''Online Travel Portal'', das der Konzern mit weiteren Fluglinien im Herbst eröffnen will. ''Bei uns können sie am 20. Juni den Kranich im Sturzflug sehen'', verspricht dagegen die Abschiebegegnerin Morell. Die Initiativen wollen den Verlauf ihrer Aktion auf einer eigenen Internetseite, die kurzfristig bekanntgegeben werden soll, dokumentieren.

Die Online-DemonstrantInnen, die von zahlreichen internationalen Antirassismus-Gruppen unterstützt werden, ernten indes nicht nur Zustimmung. Am 10. und 17. Juni wurden die Mail-Adressen der OrganisatorInnen mit knapp 12 000 emails bombardiert - Absender: NPD.net. Die Neonazis hatten versucht, sich hinter einer falschen Adresse (''www.pds-online.de'') zu tarnen. ''Der Inhalt war von der Qualität, die man vom Absender erwarten kann'', so Anne Morell, ''Datenmüll, den wir einfach auf dem Server gelöscht haben''.

Berlin, 18.06.2001
Für Libertad! und kein mensch ist illegal, Sven Maier

Kontakt: 0177 - 5029083
Info: http://stop-depclass.scene.as http://go.to/online-demo
und zahlreiche mirrorseiten


****** 5. Dokumentation: Brief an Lufthansa-Vorstand Jügen Weber

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Von : online-demo <online-demo@gmx.net>
An : juergen.weber@dlh.de <juergen.weber@dlh.de>
Datum : Montag, 18. Juni 2001, 09:53
Betreff: Deportation Business/Aktionärsversammlung
Dateien: <none>
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Sehr geehrter Herr Weber,
sehr geehrte Damen und Herren,

am kommenden Mittwoch, den 20.Juni findet die jährliche Aktionärsversammlung Ihres Unternehmens statt.

Im vergangenen Jahr erklärten Sie zu diesem Anlass den Aktionärinnen und Aktionären sowie der besorgten Öffentlichkeit, über einen Ausstieg aus dem Geschäft mit der Abschiebung in Verhandlung treten zu wollen.

Zusammen mit zahlreichen Abschiebegegnerinnen und Abschiebegegnern müssen wir jedoch feststellen, dass Sie die breite Kritik der Öffentlichkeit an diesem Geschäftszweig nicht ernst nehmen. Stattdessen erlauben Sie sich den Zynismus, von Abschiebungen zu sprechen, die ''mit freundlichem Service vonstatten gehen'' (telepolis, 17.03.2001).

Es ist müssig zu erörtern, ob dies dem Ernst der Sache angemessen ist. Reichen Ihnen zwei Tote nicht, um endlich die Konsequenzen zu ziehen?

Es würde Ihnen gut bekommen, sich einen Augenblick über ihr Selbstbewusstsein als grosses Unternehmen hinwegzusetzen. Im Folgenden steht Ihnen die Möglichkeit offen, das zu lesen, was Abschiebegegnerinnen und Abschiebegegner aus vielen Ländern der Welt Ihnen zu sagen haben.

Sollten Sie dies nicht wahrnehmen wollen, bleibt mir nur stellvertretend darauf hinzuweisen, dass am 20. Juni eine Online-Demonstration gegen Ihr Abschiebegeschäft stattfinden wird.

Es ist ein schmutziges Geschäft, mit Abschiebungen Geld zu verdienen.

18.06.2001,
für 'kein mensch ist illegal' und 'Libertad!',

Jan Hofmann


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