So
oder So-Infodienst
Der Infodienst der Libertad!-Zeitung
www.sooderso.de
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Dienstag, 19.
Juni 2001, 16:02:52
: Noch einen Tag bis zur Online-Demo gegen Lufthansa 20. Juni 2001,
10.00 Uhr
#*: 1. Wenige
Stunden bevor
#*: 2. Bits and Bytes laden ein zum symbolischen Startklick
#*: 3. Stellungname von Libertad! vom 19.06.01 an dpa-infoline
#*: 4. Presseemitteilung von Libertad! und "kein
mensch ist illegal" vom 18.06.01
#*: 5. Brief an den Lufthansa-Vorstand Jürgen
Weber
und
#*: 6. : Die Internetpräsenz von Libertad! und der Zeitung "So
oder So" wird am 20. Juni 2001 während der Zeit von 10 - 12
Uhr schließen. Auch dort wird demonstriert - und entsprechend
auf die Online-Demo-Seite verwiesen.
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Weitere Informationen, Rundbriefe der Online-Demo, Presseschauen etc
auf der Libertad!-Homepage: http://www.libertad.de/projekte/depclass/demo
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1. Wenige Stunden bevor...
Wir können
die Stunden zählen. Aber es gibt so vieles noch zu tun, und viele
gute Ideen und Anregungen kommen auf den letzten Drücker und
wer weiß, ob sie alle noch realisiert werden können. Die
große Zustimmung zur Online-Demo hält an, die Protestsoftware
wird fortlaufend runtergeladen, und hat schon einige Versionssprünge
hinter sich. Auch spiegeln immer mehr Internetaktivist/innen die Homepage
- und es liegen fast mehr Anfragen da, als versorgt werden könnten.
Gleichzeitig mausert sich die Online-demo zum Medienereignis. Zeitungen
berichten und legen Sonderseiten auf ihren online-Ausgaben an, Funk
und Fernsehen sind wie wild auf Interviewpartner/innen. Für zusätzliche
Aufmerksamkeit hat natürlich auch die Staatsseite gesorgt. Erst
der VS-Chef, der die Mär vom Mailbombing verbreitete und dann
gestern das Bundesjustizministerium, das die Demo nicht vom Versammlungsrecht
gedeckt sieht. Naja.
Wenige Stunden
vor dem Tag und der Stunde X kommen viele Fragen für die auch
mit der Initiative beabsichtigte Diskussion über neue Aktionsformen
wie diese. Auch kritische Fragen zur Software, kluge Sachen, gute
Sachen. Alle sind gespannt, wie die erste Online-demo verlaufen wird.
Dabei hat sie schon jetzt, also bevor der erste Klick gemacht wurde,
das Ziel erreicht, dem Deportation.Business der Lufthansa höchste
Aufmerksamkeit und öffentliche Thematisierung zu besorgen. Die
Hauptversammlung wird sicher viel Zündstoff haben.
****** 2. Bits and Bytes against Deportation
oder
"Wer glaubt
das 0 und I keine Meinung haben, der irrt !"
"Kein Mensch
ist illegal" und "Libertad!" laden Sie zu einer Kurzperformance
vor dem Eingang der Lufthansa Hauptaktionärsversammlung ein.
Erleben Sie wie
eine "roter Startknopf" um 10:00 Uhr den Beginn der ersten
Online-Demonstration vor dem Lufhansa Portal "www.lufthansa.com"
in der Bundesrepublik Deutschland einläutet.
Ein/e Vertreter/in
von "Kein Mensch ist illegal" und / oder "Libertad"
steht der Presse für Fragen und Interviews zur Verfügung.
Sie finden uns
ab 09:00 Uhr vor der Kölnarena in Köln-Deutz
****** 3. Stellungname von Libertad! vom 19.06.01
an dpa-infoline
Kampagne Libertad!
- Falkstr. 74, 60487 frankfurt
email: kampagne@libertad.de - internet: www.libertad.de
Dienstag, 19.
Juni 2001, 16:50
Lieber Mathias
Schröter, DPA-Infoline
wir beantworten
gerne ihr Anfrage nach einer Stellungnahme der Kampagne Libertad!
zur Online-Demo gegen das Deportation.Business der Deutschen Lufthansa
AG.
Das unmittelbare
Ziel der Aktion ist, den Druck auf die Lufthansa zu erhöhen,
um den Konzern zu einer klaren Entscheidung gegen das Abschiebegeschäft
zu bringen. Noch mal zur Erinnerung: Der politische Rahmen der Internet-Demo
ist die deportation.class-Kampagne von Kein Mensch ist illegal. Auslöser
der Kampagne war der Tod des Sudanesen Amir Ageeb am 28. Mai 1999
an Bord der Lufthansa-Maschine LH 558 nach Kairo. Drei Beamte des
Bundesgrenzschutzes hatten den 30jährigen Flüchtling so
brutal misshandelt, dass er erstickte.
Circa 32.000 Menschen
werden jedes Jahr per Flugzeug aus Deutschland abgeschoben. Davon
10.000 durch die Lufthansa: Der Verkauf der sogenannten deportee-tickets"
ist also ein nicht zu vernachlässigender Geschäftszweig.
Der international
angelegten Mobilisierung zur Online-Demo ist es schon jetzt gelungen
den politischen Druck auf die Lufthansa deutlich zu erhöhen.
Die Deutsche Lufthansa und ihre Verantwortlichen stehen öffentlich
in der Kritik. Und das ist gut so! Allerdings beweisen ihre bisherigen
Reaktionen auf die Internet-Demo, dass sie diese Kritik vor allem
technisch und mittels Kriminalisierung aushebeln wollen. Auch das
Bundesjustizministerium reagiert entsprechend fantasielos. Wir nehmen
das zur Kenntnis. Die offiziellen Reaktionen sagen alles über
die realen Machtverhältnisse in diesem Land, dessen politische
Kultur sich darin erschöpft, soziale und politische Probleme
auf eine Frage der inneren Sicherheit zu reduzieren.
An keinem Punkt
kommen in unserer Gesellschaft struktureller Rassismus und soziale
Ausgrenzung deutlicher zum Tragen, als in dem menschenverachtenden
System aus militärisch abgesicherten Außengrenzen, Ausländergesetzen
und Abschiebungen. Auch das wollen wir mit der Internet-Demo verstärkt
öffentlich thematisieren: Die Illegalisierung von Flüchtlingen
und MigrantInnen, die tödlichen Konsequenzen staatlicher Abschiebepraxis,
die neue Mauer" um Europa.
Warum jetzt eine
Internet-Demo? Das Internet hat sich längst als öffentlicher
Raum etabliert. Hier werden Geschäfte gemacht, Kriegspropaganda
betrieben, Ideologie produziert - wie in der wirklichen Welt auch.
Ein öffentlicher, aber kein freier Raum, der immer wieder erobert
werden muss. Das Internet ist schon jetzt für Libertad! ein Medium
der gegenseitigen Information, der Vernetzung von Aktions- und Solidaritätsgruppen,
der Verabredung zu gemeinsamer Praxis. Mumia Abu-Jamal, Chiapas, Seattle,
Prag oder auch Porto Alegre stehen als Namen und Orte für einen
sich weltweit vernetzenden Widerstand, der sich im virtuellen Raum
verständigt, um real zu handeln. Mit der ersten Online-Demo in
Deutschland gehen wir einen Schritt weiter. Im Internet kollektiv
solidarisch handeln gegen staatlichen Rassismus und Menschenmisshandlung,
eröffnet, wie wir hoffen, neue Aktionsformen, die auch zu ganz
anderen Anlässen und anderen Zwecken zur Wirkung kommen können.
Als Initiative,
die sich für die Freiheit von politischen Gefangenen in aller
Welt einsetzt, ist es für uns unabdingbar notwendig, auf die
Situation von politischen Gefangenen wie auf die Behandlung von Flüchtlingen
in diesem Land aufmerksam zu machen.
Für Libertad!
Hans-Peter Kartenberg
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4. Pressemitteilung: Online gegen Abschiebungen
Berlin, 18.06.2001
Online gegen Abschiebungen
150 Antirassismus-Gruppen
wollen am 20. Juni die Lufthansa-Homepage blockieren.
Protest-Software auf 30 Internetseiten veröffentlicht.
150 Antirassismus-Initiativen
kündigten heute in einem Brief an den Vorstand der Lufthansa
AG ein virtuelles Sit-In auf dem Internetserver der Fluglinie an.
Die Online-Demonstration während der Aktionärsversammlung
des Konzerns richtet sich gegen die jährlich etwa 10 000 Abschiebungen,
die mit Lufthansa-Maschinen durchgeführt werden.
''Es ist ein schmutziges
Geschäft, mit Abschiebungen Geld zu verdienen'', schrieb Demo-Anmelder
Jan Hofmann heute an den Vorstand der Fluggesellschaft, ''reichen
zwei Tote nicht, um endlich die Konsequenzen zu ziehen?'' 1994 war
der Nigerianer Kola Bankole, 1999 der Sudanese Amir Ageeb bei Abschiebungen
auf Lufthansa-Linienflügen zu Tode gekommen.
Seit dem späten
Sonntag abend, drei Tage vor der virtuellen Demo, wird eine ''Online
Protest Software'' auf 30 Internetseiten im In- und Ausland angeboten.
Mit Hilfe des Softwarepaketes könnten AbschiebegegnerInnen den
Lufthansa-Server am kommenden 20. Juni durch Zugriffe überlasten,
sagt Kampagnensprecherin Anne Morell. Die Software dringe nicht in
geschlossene Systeme ein und zerstöre keine Daten, verspricht
die Online-Aktivistin. Jede und jeder solle teilnehmen können:
neben der Installation von Protest-Programmen für Windows- und
Linux-Systeme besteht auch die Möglichkeit, am 20. Juni ein Programm
direkt auf der Homepage der AktivistInnen zu starten. So kann virtuell
mitdemonstrieren, wer im Internetcafé oder auf dem Arbeitsplatz
nichts aus dem Internet herunterladen darf - oder einen Macintosh
zuhause hat.
Drohen nun leere
Bildschirme bei www.lufthansa.com? Die Fluggesellschaft will am 20.
Juni um 10 Uhr eigentlich die Rede des Vorstandsvorsitzenden Jürgen
Weber über ihr Internetportal live streamen. Wenn nun, wie Abschiebegegnerin
Morell prophezeit, stattdessen nur ''leere Bildschirme und lange Nasen''
auf der Aktionärsversammlung zu sehen sein werden? Sicherlich
kein guter Start für das ehrgeizige ''Online Travel Portal'',
das der Konzern mit weiteren Fluglinien im Herbst eröffnen will.
''Bei uns können sie am 20. Juni den Kranich im Sturzflug sehen'',
verspricht dagegen die Abschiebegegnerin Morell. Die Initiativen wollen
den Verlauf ihrer Aktion auf einer eigenen Internetseite, die kurzfristig
bekanntgegeben werden soll, dokumentieren.
Die Online-DemonstrantInnen,
die von zahlreichen internationalen Antirassismus-Gruppen unterstützt
werden, ernten indes nicht nur Zustimmung. Am 10. und 17. Juni wurden
die Mail-Adressen der OrganisatorInnen mit knapp 12 000 emails bombardiert
- Absender: NPD.net. Die Neonazis hatten versucht, sich hinter einer
falschen Adresse (''www.pds-online.de'') zu tarnen. ''Der Inhalt war
von der Qualität, die man vom Absender erwarten kann'', so Anne
Morell, ''Datenmüll, den wir einfach auf dem Server gelöscht
haben''.
Berlin, 18.06.2001
Für Libertad! und kein mensch ist illegal, Sven Maier
Kontakt: 0177
- 5029083
Info: http://stop-depclass.scene.as http://go.to/online-demo
und zahlreiche mirrorseiten
****** 5. Dokumentation: Brief an Lufthansa-Vorstand
Jügen Weber
=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=
Von : online-demo <online-demo@gmx.net>
An : juergen.weber@dlh.de <juergen.weber@dlh.de>
Datum : Montag, 18. Juni 2001, 09:53
Betreff: Deportation Business/Aktionärsversammlung
Dateien: <none>
--====----====----====----====----====----====----====----====----====----===--
Sehr geehrter
Herr Weber,
sehr geehrte Damen und Herren,
am kommenden Mittwoch,
den 20.Juni findet die jährliche Aktionärsversammlung Ihres
Unternehmens statt.
Im vergangenen
Jahr erklärten Sie zu diesem Anlass den Aktionärinnen und
Aktionären sowie der besorgten Öffentlichkeit, über
einen Ausstieg aus dem Geschäft mit der Abschiebung in Verhandlung
treten zu wollen.
Zusammen mit zahlreichen
Abschiebegegnerinnen und Abschiebegegnern müssen wir jedoch feststellen,
dass Sie die breite Kritik der Öffentlichkeit an diesem Geschäftszweig
nicht ernst nehmen. Stattdessen erlauben Sie sich den Zynismus, von
Abschiebungen zu sprechen, die ''mit freundlichem Service vonstatten
gehen'' (telepolis, 17.03.2001).
Es ist müssig
zu erörtern, ob dies dem Ernst der Sache angemessen ist. Reichen
Ihnen zwei Tote nicht, um endlich die Konsequenzen zu ziehen?
Es würde
Ihnen gut bekommen, sich einen Augenblick über ihr Selbstbewusstsein
als grosses Unternehmen hinwegzusetzen. Im Folgenden steht Ihnen die
Möglichkeit offen, das zu lesen, was Abschiebegegnerinnen und
Abschiebegegner aus vielen Ländern der Welt Ihnen zu sagen haben.
Sollten Sie dies
nicht wahrnehmen wollen, bleibt mir nur stellvertretend darauf hinzuweisen,
dass am 20. Juni eine Online-Demonstration gegen Ihr Abschiebegeschäft
stattfinden wird.
Es ist ein schmutziges
Geschäft, mit Abschiebungen Geld zu verdienen.
18.06.2001,
für 'kein mensch ist illegal' und 'Libertad!',
Jan Hofmann
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