So
oder So-Infodienst
Der Infodienst der Libertad!-Zeitung
www.sooderso.de
Falkstr. 74, 60487 Frankfurt, fax: 069-79201774, email: redaktion@sooderso.de
Samstag, 16. Juni
2001
: Noch vier Tage bis zur Online-Demo gegen Lufthansa
20. Juni 2001, 10.00 Uhr
Die Spannung und
Nervösität steigt: Wie wird die erste Online-Demo verlaufen?
Wie viele werden mitmachen? Knickt der Server und der Vorstand der
Lufthansa ein und wird aus dem Abschiebegeschäft aussteigen?
Antworten kann
auch die Redaktion der Libertad!-Zeitung "So oder So" noch
nicht geben - aber wir werden ab jetzt fortlaufend informieren über
den Fortgang der Demovorbereitungen berichten.
1. Aktivitäten bei der Aktionärsversammlung
der Lufthansa am 20. Juni 2001
2. Berichterstattung
3. Die Homepage der Online-Demo
4. Protestsoftware
5. Artikel aus der woz, 14.06.2001
1.
Aktivitäten bei der Aktionärsversammlung der Lufthansa am
20. Juni 2001
Der Zeitpunkt
der Online-Demo wurde parallel zur Eröffnung der Aktionärsversammlung
angesetzt. Um 10 Uhr soll der Vorstandsvorsitzende seinen Rechenschaftsbericht
beginnen. Kritische Aktionäre werden ihre Kritik anbringen
und: vor der Kölnarena
in Köln-Deutz, wo die Hauptversammlung stattfindet, wird der
Startklick der Online-Demo erfolgen. Mit einer Performance wird die
Verbindung zwischen den digitalen und den offline-Protesten hergestellt.
2.
Berichterstattung
Die Medien lassen
die Telefone bei den Organisator/innen der Online-Demo glühen.
Das Medienecho ist sehr groß und wir wünschen uns natürliche
eine breite Berichterstattung.
Zum Beispiel berichteten in den letzten Tagen ZEIT, TAGESSPIEGEL,
FOCUS, TAZ, FREITAG, 3sat und viele Radios über die Online-Demo.
Einen Artikel aus der schweizer WOCHENZEITUNG geben wir im Anhang
wieder.
Wir würden
uns freuen, wenn uns Artikel aus lokalen Medien zugänglich gemacht
würden. (Bitte, wenn vorhanden als elektronische Version oder
auch auf Papier an unsere Adresse).
3.
Die Homepage der Online-Demo
Aus Solidarität
und zur Entlastung der Online-Demo-Site http://go.to/online-demo und
http://stop-depclass.scene.as haben zahlreiche Gruppen Spiegelungen
(Kopien) der Seite eingerichtet.
Wir möchten euch bitten, zur Information und späterem Download
der Protestsoftware diese Adressen zu nutzen:
http://www.libertad.de/projekte/depclass/spiegel
http://www.buendnis-gegen-rechts.de/online-demo
http://www.antifa-hamm.de/onlinedemo
http://www.linkeseite.de/onlinedemo
http://dan.aktionsinfo.de/luft
http://213.69.39.13/augennet/onlinedemo
http://www.coloradio.org/onlinedemo
http://www.augenauf.net/onlinedemo
http://www.pds-oldenburg.de/online-demo
http://www.copyriot.com/unefarce/onlinedemo
http://www.pds-nds.de/online-demo
http://franzi.internet-factory.de/online-demo
http://www.geocities/willerca
http://www.geocities/rouwer
http://www.geocities/demo4alles
http://onlinedemo.topcities.com
http://antifaschistinnen.de/onlinedemo
4. Protestsoftware
Wir werden euch
per email informieren, sobald die Protestsoftware zum Download verfügbar
ist.
5. Artikel aus der woz, 14.06.2001
Ausschaffungen
bei Lufthansa
Internet-Blockade
Agnes Saberski
Nächste Woche
wollen GegnerInnen der deutschen Asylpolitik die Homepage der Lufthansa
lahm legen. Mitmachen kann man überall.
Der gelbe Kranich,
das Symbol der deutschen Lufthansa AG, stürzt zu Boden, das Bild
flackert, dann steht der Computer still: eine Computeranimation auf
der Homepage von http://go.to/ online-demo. Am 20. Juni um 10 Uhr
soll dieses Szenario Wirklichkeit werden: Die Initiativen kein mensch
ist illegal (kmii) und libertad! wollen am kommenden Mittwoch, dem
Tag der Lufthansa-Aktionärsversammlung in Köln, vor dem
Web-Portal der Fluglinie online demonstrieren.
«Wenn Konzerne,
die mit Abschiebungen Geld verdienen, ihre grössten Filialen
im Internet aufbauen, muss man auch genau dort demonstrieren»,
schreiben die beiden Initiativen in ihrem Aufruf. Die geplante Online-Demonstration
ist Teil einer Kampagne, die das Image der Lufthansa beschädigen
soll. Seit zwei Jahren protestiert das antirassistische Netzwerk mit
Aktionen in Reisebüros, Flughäfen und im Internet gegen
die Beteiligung der Lufthansa an Ausschaffungen. Neben zahlreichen
Misshandlungen von «Schubhäftlingen» (so heissen
die abgewiesenen Asylsuchenden im Amtsjargon) hat vor allem der Tod
von Aamir Ageeb während seiner gewaltsamen Ausschaffung in einer
Lufthansa-Maschine am 28. Mai 1999 zu Protesten gegen die Fluggesellschaft
geführt. Der 30-jährige Sudanese war bereits das zweite
Todesopfer in einer Lufthansa-Maschine.
Polizei, Bundesgrenzschutz
(BGS) und Behörden greifen gerne auf die weltweiten Direktverbindungen
der Lufthansa zurück. Über 32 000 Personen hat der BGS im
Jahr 2000 über den Luftweg abgeschoben, rund die Hälfte
davon, so schätzt kmii, mit der Lufthansa. Das Flugunternehmen
selbst gibt keine Auskunft über die Zahl der Ausschaffungen.
Auch für das Anliegen von kmii und Flüchtlingsorganisationen,
vor jedem Abflug zu prüfen, ob Passagiere mit dem Flug einverstanden
sind, hat Lufthansa kein Verständnis. Das Unternehmen beruft
sich auf die generelle Beförderungspflicht. Nur Personen, die
sich erkennbar gegen die Abschiebung wehren, dürfen seit dem
Tod von Aamir Ageeb nicht mehr mitfliegen.
Die Online-DemonstrantInnen
wollen, ähnlich wie bei einem Sit-in in einem Reisebüro,
den Zugang der Lufthansa-Homepage verriegeln. Dafür bieten die
beiden Initiativen auf ihren Internetseiten (unter anderem www.stop-depclass.scene.as)
eine Software an, die Anfragen an die Lufthansa-Site automatisiert,
das heisst wiederholt mit hoher Geschwindigkeit auf die Lufthansa-Site
zugreift. Am 20. Juni um 10 Uhr sollen die Online-DemonstrantInnen
zeitgleich die Lufthansa-Websites laden. Die Veranstalter rechnen
mit 40 000 TeilnehmerInnen aus der ganzen Welt. Die vielen Anfragen,
so hoffen die InitiatorInnen, überfordern den Grossrechner und
blockieren ihn. Daten werden dabei nicht zerstört, auch die geschlossenen
Systeme werden nicht geknackt. Die Aktion unterscheide sich von den
Hacker-Angriffen gegen Yahoo und CNN im Frühjahr 2000, sagt Anne
Morell, eine der OrganisatorInnen der Online-Demonstration. Die Demonstration
sei angekündigt, die Protest-Software im Internet offen gelegt.
Bei der Blockade gehe es weniger um eine ausgefeilte Technik, sondern
darum, dass sich möglichst viele Menschen daran beteiligen.
Die Lufthansa
hat bereits juristische Schritte gegen die OrganisatorInnen angekündigt.
Diese lassen sich von der Drohung jedoch nicht einschüchtern
und haben die Online-Demonstration beim Ordnungsamt Köln angemeldet:
Ein demokratisches Grundrecht dürfe auch im Internet nicht ausser
Kraft gesetzt werden, sagt Sven Meier von der Gruppe libertad!: «Der
Cyberspace ist ein öffentlicher Raum des digitalen Zeitalters,
in dem wie in den Städten und auf den Strassen
nicht nur Geschäftsbeziehungen stattfinden, sondern auch die
sozialen und politischen Konflikte ausgetragen werden.»
Mit legalen Methoden
kann sich Lufthansa gegen die angekündigte Protestaktion kaum
schützen. Allerdings verfügt das Unternehmen über enorme
Rechnerkapazitäten und sieht der Online-Blockade gelassen entgegen.
Doch das entmutigt die AktivistInnen nicht: «Es spielt keine
Rolle, wie gross die Rechner sind es ist sehr schwer, symbolische
Aktionen zu stoppen, wenn diese mit einer guten Öffentlichkeitsarbeit
und einer langfristigen Tätigkeit vor und nach der Aktion einhergehen»,
sagt Ricardo Dominguez, der 1997 in Zusammenarbeit mit den in Mexiko
rebellierenden Zapatistas das «Electronic Disturbance Theatre»
(EDT) gründete und die Online-Demonstration gegen Lufthansa unterstützt.
Für ihn geht es darum, den virtuellen Raum für Proteste
mit realen TeilnehmerInnen zu nutzen und virtuelle Aktionen als Ergänzung
zu herkömmlichen Protestformen zu sehen: «Der E-Protest
kann immer nur Element eines grösseren und langfristig angelegten
Projekts sein. Ohne Aktionen auf der Strasse ist er hingegen bedeutungslos.»
---------------------------------------------------------------------------
** SO ODER SO-Infodienst, der Newsletter der Redaktion **
Automatischer Bezug von Infos ueber LIBERTAD! und der Zeitung SO ODER
SO: Mitteilungen, Ankündigungen, Hinweise und Termine; Texte
und Hintergrundberichte. Besuche trotzdem unsere Internet-Seiten:
http://www.sooderso.de oder http://www.libertad.de
redaktion@sooderso.de - Redaktion so oder so, Falkstr. 74, 60487 Frankfurt
- Fax:
069-79201774 - www.sooderso.de
|