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Samstag, 16. Juni 2001


: Noch vier Tage bis zur Online-Demo gegen Lufthansa
20. Juni 2001, 10.00 Uhr

Die Spannung und Nervösität steigt: Wie wird die erste Online-Demo verlaufen? Wie viele werden mitmachen? Knickt der Server und der Vorstand der Lufthansa ein und wird aus dem Abschiebegeschäft aussteigen?

Antworten kann auch die Redaktion der Libertad!-Zeitung "So oder So" noch nicht geben - aber wir werden ab jetzt fortlaufend informieren über den Fortgang der Demovorbereitungen berichten.

1. Aktivitäten bei der Aktionärsversammlung der Lufthansa am 20. Juni 2001
2. Berichterstattung
3. Die Homepage der Online-Demo
4. Protestsoftware
5. Artikel aus der woz, 14.06.2001

 

1. Aktivitäten bei der Aktionärsversammlung der Lufthansa am 20. Juni 2001

Der Zeitpunkt der Online-Demo wurde parallel zur Eröffnung der Aktionärsversammlung angesetzt. Um 10 Uhr soll der Vorstandsvorsitzende seinen Rechenschaftsbericht beginnen. Kritische Aktionäre werden ihre Kritik anbringen

und: vor der Kölnarena in Köln-Deutz, wo die Hauptversammlung stattfindet, wird der Startklick der Online-Demo erfolgen. Mit einer Performance wird die Verbindung zwischen den digitalen und den offline-Protesten hergestellt.

2. Berichterstattung

Die Medien lassen die Telefone bei den Organisator/innen der Online-Demo glühen. Das Medienecho ist sehr groß und wir wünschen uns natürliche eine breite Berichterstattung.
Zum Beispiel berichteten in den letzten Tagen ZEIT, TAGESSPIEGEL, FOCUS, TAZ, FREITAG, 3sat und viele Radios über die Online-Demo.
Einen Artikel aus der schweizer WOCHENZEITUNG geben wir im Anhang wieder.

Wir würden uns freuen, wenn uns Artikel aus lokalen Medien zugänglich gemacht würden. (Bitte, wenn vorhanden als elektronische Version oder auch auf Papier an unsere Adresse).

3. Die Homepage der Online-Demo

Aus Solidarität und zur Entlastung der Online-Demo-Site http://go.to/online-demo und http://stop-depclass.scene.as haben zahlreiche Gruppen Spiegelungen (Kopien) der Seite eingerichtet.
Wir möchten euch bitten, zur Information und späterem Download der Protestsoftware diese Adressen zu nutzen:

http://www.libertad.de/projekte/depclass/spiegel
http://www.buendnis-gegen-rechts.de/online-demo
http://www.antifa-hamm.de/onlinedemo
http://www.linkeseite.de/onlinedemo
http://dan.aktionsinfo.de/luft
http://213.69.39.13/augennet/onlinedemo
http://www.coloradio.org/onlinedemo
http://www.augenauf.net/onlinedemo
http://www.pds-oldenburg.de/online-demo
http://www.copyriot.com/unefarce/onlinedemo
http://www.pds-nds.de/online-demo
http://franzi.internet-factory.de/online-demo
http://www.geocities/willerca
http://www.geocities/rouwer
http://www.geocities/demo4alles
http://onlinedemo.topcities.com
http://antifaschistinnen.de/onlinedemo


4. Protestsoftware

Wir werden euch per email informieren, sobald die Protestsoftware zum Download verfügbar ist.


5. Artikel aus der woz, 14.06.2001

Ausschaffungen bei Lufthansa
Internet-Blockade

Agnes Saberski

Nächste Woche wollen GegnerInnen der deutschen Asylpolitik die Homepage der Lufthansa lahm legen. Mitmachen kann man überall.

Der gelbe Kranich, das Symbol der deutschen Lufthansa AG, stürzt zu Boden, das Bild flackert, dann steht der Computer still: eine Computeranimation auf der Homepage von http://go.to/ online-demo. Am 20. Juni um 10 Uhr soll dieses Szenario Wirklichkeit werden: Die Initiativen kein mensch ist illegal (kmii) und libertad! wollen am kommenden Mittwoch, dem Tag der Lufthansa-Aktionärsversammlung in Köln, vor dem Web-Portal der Fluglinie online demonstrieren.

«Wenn Konzerne, die mit Abschiebungen Geld verdienen, ihre grössten Filialen im Internet aufbauen, muss man auch genau dort demonstrieren», schreiben die beiden Initiativen in ihrem Aufruf. Die geplante Online-Demonstration ist Teil einer Kampagne, die das Image der Lufthansa beschädigen soll. Seit zwei Jahren protestiert das antirassistische Netzwerk mit Aktionen in Reisebüros, Flughäfen und im Internet gegen die Beteiligung der Lufthansa an Ausschaffungen. Neben zahlreichen Misshandlungen von «Schubhäftlingen» (so heissen die abgewiesenen Asylsuchenden im Amtsjargon) hat vor allem der Tod von Aamir Ageeb während seiner gewaltsamen Ausschaffung in einer Lufthansa-Maschine am 28. Mai 1999 zu Protesten gegen die Fluggesellschaft geführt. Der 30-jährige Sudanese war bereits das zweite Todesopfer in einer Lufthansa-Maschine.

Polizei, Bundesgrenzschutz (BGS) und Behörden greifen gerne auf die weltweiten Direktverbindungen der Lufthansa zurück. Über 32 000 Personen hat der BGS im Jahr 2000 über den Luftweg abgeschoben, rund die Hälfte davon, so schätzt kmii, mit der Lufthansa. Das Flugunternehmen selbst gibt keine Auskunft über die Zahl der Ausschaffungen. Auch für das Anliegen von kmii und Flüchtlingsorganisationen, vor jedem Abflug zu prüfen, ob Passagiere mit dem Flug einverstanden sind, hat Lufthansa kein Verständnis. Das Unternehmen beruft sich auf die generelle Beförderungspflicht. Nur Personen, die sich erkennbar gegen die Abschiebung wehren, dürfen seit dem Tod von Aamir Ageeb nicht mehr mitfliegen.

Die Online-DemonstrantInnen wollen, ähnlich wie bei einem Sit-in in einem Reisebüro, den Zugang der Lufthansa-Homepage verriegeln. Dafür bieten die beiden Initiativen auf ihren Internetseiten (unter anderem www.stop-depclass.scene.as) eine Software an, die Anfragen an die Lufthansa-Site automatisiert, das heisst wiederholt mit hoher Geschwindigkeit auf die Lufthansa-Site zugreift. Am 20. Juni um 10 Uhr sollen die Online-DemonstrantInnen zeitgleich die Lufthansa-Websites laden. Die Veranstalter rechnen mit 40 000 TeilnehmerInnen aus der ganzen Welt. Die vielen Anfragen, so hoffen die InitiatorInnen, überfordern den Grossrechner und blockieren ihn. Daten werden dabei nicht zerstört, auch die geschlossenen Systeme werden nicht geknackt. Die Aktion unterscheide sich von den Hacker-Angriffen gegen Yahoo und CNN im Frühjahr 2000, sagt Anne Morell, eine der OrganisatorInnen der Online-Demonstration. Die Demonstration sei angekündigt, die Protest-Software im Internet offen gelegt. Bei der Blockade gehe es weniger um eine ausgefeilte Technik, sondern darum, dass sich möglichst viele Menschen daran beteiligen.

Die Lufthansa hat bereits juristische Schritte gegen die OrganisatorInnen angekündigt. Diese lassen sich von der Drohung jedoch nicht einschüchtern und haben die Online-Demonstration beim Ordnungsamt Köln angemeldet: Ein demokratisches Grundrecht dürfe auch im Internet nicht ausser Kraft gesetzt werden, sagt Sven Meier von der Gruppe libertad!: «Der Cyberspace ist ein öffentlicher Raum des digitalen Zeitalters, in dem – wie in den Städten und auf den Strassen – nicht nur Geschäftsbeziehungen stattfinden, sondern auch die sozialen und politischen Konflikte ausgetragen werden.»

Mit legalen Methoden kann sich Lufthansa gegen die angekündigte Protestaktion kaum schützen. Allerdings verfügt das Unternehmen über enorme Rechnerkapazitäten und sieht der Online-Blockade gelassen entgegen. Doch das entmutigt die AktivistInnen nicht: «Es spielt keine Rolle, wie gross die Rechner sind – es ist sehr schwer, symbolische Aktionen zu stoppen, wenn diese mit einer guten Öffentlichkeitsarbeit und einer langfristigen Tätigkeit vor und nach der Aktion einhergehen», sagt Ricardo Dominguez, der 1997 in Zusammenarbeit mit den in Mexiko rebellierenden Zapatistas das «Electronic Disturbance Theatre» (EDT) gründete und die Online-Demonstration gegen Lufthansa unterstützt. Für ihn geht es darum, den virtuellen Raum für Proteste mit realen TeilnehmerInnen zu nutzen und virtuelle Aktionen als Ergänzung zu herkömmlichen Protestformen zu sehen: «Der E-Protest kann immer nur Element eines grösseren und langfristig angelegten Projekts sein. Ohne Aktionen auf der Strasse ist er hingegen bedeutungslos.»

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