Reuters:
Sonntag 17. Juni 2001, 09:44 Uhr
VORSCHAU - Lufthansa-HV zwischen Gewinnwarnung und ''E-Protest''
Frankfurt, 17. Jun (Reuters) - Für Lufthansa-Chef Jürgen
Weber dürfte der Gang vor seine Aktionäre auf der Hautpversammlung
am Mittwoch nicht leicht werden. Kaum hatte der Konzern den heftigen
Tarifstreit mit seinen Piloten überstanden, reduzierte er drastisch
die Gewinnprognose - unter anderem wegen der kräftigen Gehaltserhöhungen
für die Flugzeugführer. Die ohnehin von Tarifkonflikt und
Konjunktursorgen belastete Aktie erhielt einen weiteren Dämpfer
und stürzte auf ihren tiefsten Stand seit zwei Monaten. Aktionärsvertreter
kündigten kritische Fragen für die Hauptversammlung an.
Zudem dürfte Weber erneut mit Protest gegen das Ausfliegen abgeschobener
Asylbewerber konfrontiert werden. Abschiebungsgegner wollen mit einer
''Online-Demonstration'' die Homepage der Lufthansa lahmlegen.
Mit dem vergangenen
Geschäftsjahr dürften die Lufthansa-Aktionäre eigentlich
zufrieden sein. Mit zweistelligen Zuwachsraten bei Umsatz und Gewinn
erzielte das Unternehmen sein zweitbestes Ergebnis in der Firmengeschichte
und behauptete seine Spitzenposition unter den europäischen Fluglinien.
Dafür soll es auch eine um sieben Prozent auf 0,60 Euro angehobene
Dividende geben. Allerdings brach das Ergebnis im ersten Quartal dieses
Jahres fast um hundert Prozent ein, wobei Analysten nicht ausschlossen,
dass sich der Konzern für eine bessere Verhandlungsposition mit
den Piloten ''arm gerechnet'' habe.
Schon bald nach
Verkündung der positiven 2000er Zahlen waren für die Lufthansa
dunkle Wolken am Himmel aufgezogen. Analysten prognostizierten ein
konjunkturell bedingt schwieriges Jahr 2001, und die Piloten-Gewerkschaft
Vereinigung Cockpit (VC) verlangte für die Flugzeugführer
saftige Gehaltsanhebungen. Die Tarifverhandlungen zwischen Lufthansa
und VC arteten in einen für den Konzern wenig Image fördernden
und kostspieligen Konflikt aus. Mehrmals legten die Piloten mit Streiks
den Flugverkehr lahm, und am Ende stand ein Tarifabschluss, der die
Lufthansa rund 250 Millionen Mark kostet. Hinzu kämen 150 Millionen
Mark Aufwendungen für die Streiks. Diese Kosten sowie die Auswirkungen
der weltweiten Konjunkturabschwächung veranlassten die Lufthansa,
ihre Erwartungen für das operative Ergebnis 2001 um fast ein
Drittel zurückzuschrauben. Statt rund einer Milliarde Euro würde
nunmehr nur noch mit 700 bis 750 Millionen Euro gerechnet, hieß
es dieser Tage.
Analysten und
Branchenkenner kritisierten, dass die Lufthansa die Problematik mit
den Piloten-Gehältern nicht früher erkannt und in Angriff
genommen hatte. Der Aktienkurs der Lufthansa dürfte die Anleger
nicht unbedingt zu Beifallsstürmen hinreißen. Das Papier
pendelte zuletzt um 20 Euro und damit gut ein Viertel unter seinem
Niveau zu Jahresbeginn.
Zu dem Streit
mit den Piloten werde er auf der Hauptversammlung am Mittwoch in Köln
wohl ''einige kritische Fragen'' stellen, kündigte Aktionärsvertreter
Axel Zülke von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre
(SdK) am Freitag an. Die Verhandlungstaktik der Lufthansa sei ''nicht
optimal'' gewesen. Auch der Chef der Deutschen Schutzgemeinschaft
für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker, will den Lufthansa-Vorstand
zur Rede stellen. Die Gewinnwarnung habe die Aktionäre Geld gekostet.
Die Lufthansa-Führung müsse genau erklären, wo die
Ergebnisbelastungen ''wirklich herkommen''.
Wie bereits auf
der Hauptversammlung im vergangenen Jahr wollen auch diesmal Abschiebungsgegner
die Lufthansa an einem sehr wunden Punkt treffen. Die Fluglinie ist
gesetzlich gezwungen, abgeschobene Ayslbewerber in ihre Heimatländer
zurückzufliegen. Verschiedene Gruppen wie die ''kritischen Aktionäre''
werfen der Gesellschaft vor, daraus Profit zu schlagen. Bereits vergangenes
Jahr kam es auf dem Aktionärstreffen zu Tumulten. Diesmal wollen
die Abschiebungsgegner auf elektronischem Wege protestieren. Im Rahmen
einer ''Online-Demonstration'' wird dazu aufgerufen, die Internet-Seiten
der Lufthansa wie etwa den elektronischen Ticket-Service massenweise
anzuklicken und so mit einer ''elektronischen Sitzblockade'' lahmzulegen.
Die Lufthansa
hat bereits mehrfach darauf verwiesen, dass sie die abgelehnten Asylbewerber
per Gesetz ausfliegen muss, und dass sie keine Personen gegen ihren
Willen mitnimmt. Trotzdem sieht sich die Firma permanent heftiger
Kritik und auch illegalen Angriffen etwa durch gefälschte Pressemitteilungen
ausgesetzt. ''Wir nehmen das sehr ernst'', sagte eine Lufthansa-Sprecherin
am Freitag mit Blick auf die ''Online-Demo''. Der Konzern habe zum
Schutz seiner Kunden ''alle technischen Vorkehrungen und Abwehrmaßnahmen''
ergriffen.
pew/iws
|