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PRESSESCHAU
19. Juni 2001 - Der Tag davor
Hier eine Auswahl
der heutigen Presseberichterstattung
NETZEITUNG:
Lufthansa wehrt sich gegen Internet-Demo
18. Jun 22:13
Das Internet probt
neue Formen des Protestes. Das Ziel der Angriffe, die Deutsche Lufthansa,
will sich rechtlich und technisch dagegen wehren.
FRANKFURT/MAIN.
Die Lufthansa|LHA 19,75 -1,25%| will den für Mittwoch angekündigten
Angriff von Antirassismus-Gruppen auf ihre Internet- Seiten nicht
tatenlos hinnehmen. Man werde mit zusätzlichen Maßnahmen
den Angriff abwehren und die Verfügbarkeit der Homepage sowie
die Kundendaten sichern, teilte das Unternehmen am Montag mit.
Die Initiatoren
werfen dem Unternehmen vor, von der Abschiebung abgelehnter Asylbewerber
finanziell zu profitieren. Bei den Abschiebungen, für die die
Lufthansa der Bundesregierung Linienflüge zur Verfügung
stellt, war es bereits zwei Mal zu Todesfällen gekommen .
Angriff bei
Rede Webers
Links: Hintergrund
des Protestes / Wie funktioniert der Angriff?
Mehrere Antirassismus-Gruppen
haben im Internet für Mittwoch zu einer «Demonstration»
auf den Internet-Seiten der Fluggesellschaft aufgerufen und verbreiten
eine «Online-Protest-Software» zur Teilnahme an der Blockade.
Für die Zeit der Blockade (10 Uhr) hatte das Unternehmen die
Übertragung einer Rede des Vorstandsvorsitzenden Jürgen
Weber geplant.
Die Lufthansa
prüfe noch, ob sie gegen die geplante Online- Demonstration rechtlich
vorgehen werde, hieß es. Nach Auffassung des Bundesjustizministeriums
handelt es sich bei der geplanten Aktion keineswegs um eine Demonstration.
Dazu gehörten Menschen, die sich irgendwo versammeln, hieß
es.
Die Initiatoren
könnten sich somit auch nicht auf das Demonstrationsrecht berufen.
Sollte der Server tatsächlich zum Stillstand gebracht werden,
handele es sich möglicherweise um Computer-Sabotage. Da die Blockade
keinen öffentlichen Raum treffe, müsste die Lufthansa dagegen
vorgehen und Anzeige erstatten. (dpa)
Die
Welt 19.06.2001: Dunkle Wolken über Lufthansa-HV
Aktionäre
über hohe Pilotengehälter verärgert - Abschiebungsgegner
protestieren
Frankfurt/Main
- Für Lufthansa-Chef Jürgen Weber dürfte der Gang vor
seine Aktionäre auf der Hauptversammlung am Mittwoch nicht leicht
werden. Kaum hatte der Konzern den heftigen Tarifstreit mit seinen
Piloten überstanden, reduzierte er drastisch die Gewinnprognose
- unter anderem wegen der kräftigen Gehaltserhöhungen für
die Flugzeugführer. Die ohnehin von Konjunktursorgen belastete
Aktie erhielt einen weiteren Dämpfer und stürzte auf ihren
tiefsten Stand seit zwei Monaten.
Mit dem vergangenen Geschäftsjahr dürften die Lufthansa-Aktionäre
eigentlich zufrieden sein. Mit zweistelligen Zuwachsraten bei Umsatz
und Gewinn erzielte das Unternehmen sein zweitbestes Ergebnis in der
Firmengeschichte und behauptete seine Spitzenposition unter den europäischen
Fluglinien. Dafür soll es auch eine um sieben Prozent auf 0,60
Euro angehobene Dividende geben. Allerdings brach das Ergebnis im
ersten Quartal dieses Jahres fast um 100 Prozent ein, wobei Analysten
nicht ausschlossen, dass sich der Konzern für eine bessere Verhandlungsposition
mit den Piloten ''arm gerechnet'' habe.
Schon bald nach
Verkündung der positiven 2000er-Zahlen waren für die Lufthansa
dunkle Wolken am Himmel aufgezogen. Analysten prognostizierten ein
konjunkturell bedingt schwieriges Jahr 2001, und die Piloten-Gewerkschaft
Vereinigung Cockpit (VC) verlangte für die Flugzeugführer
saftige Gehaltsanhebungen. Die Tarifverhandlungen zwischen Lufthansa
und VC arteten in einen für den Konzern wenig Image-förderlichen
und kostspieligen Konflikt aus. Mehrmals legten die Piloten mit Streiks
den Flugverkehr lahm, und am Ende stand ein Tarifabschluss, der die
Lufthansa rund 250 Mio. DM kostet. Hinzu kommen 150 Mio. DM Aufwendungen
für die Streiks. Diese Kosten sowie die Auswirkungen der weltweiten
Konjunkturabschwächung veranlassten die Lufthansa, ihre Erwartungen
für das operative Ergebnis 2001 um fast ein Drittel zurückzuschrauben.
Statt rund einer Milliarde Euro würde nunmehr nur noch mit 700
bis 750 Mio. Euro gerechnet, hieß es dieser Tage. Analysten
kritisierten, dass die Lufthansa die Problematik mit den Pilotengehältern
nicht früher erkannt und in Angriff genommen hatte.
Zu dem Streit
mit den Piloten werde er auf der Hauptversammlung in Köln wohl
''einige kritische Fragen'' stellen, kündigte Aktionärsvertreter
Axel Zülke von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre
(SdK) an. Die Verhandlungstaktik der Lufthansa sei ''nicht optimal''
gewesen. Auch der Chef der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz
(DSW), Ulrich Hocker, will den Lufthansa-Vorstand zur Rede stellen.
Die Gewinnwarnung habe die Aktionäre Geld gekostet. Die Lufthansa-Führung
müsse genau erklären, wo die Ergebnisbelastungen ''wirklich
herkommen''.
Wie bereits auf
der Hauptversammlung im vergangenen Jahr wollen auch diesmal Abschiebungsgegner
die Lufthansa an einem sehr wunden Punkt treffen. Die Fluglinie ist
gesetzlich gezwungen, abgeschobene Asylbewerber in ihre Heimatländer
zurückzufliegen. Verschiedene Gruppen wie die ''kritischen Aktionäre''
werfen der Gesellschaft vor, daraus Profit zu schlagen. Bereits vergangenes
Jahr kam es auf dem Aktionärstreffen zu Tumulten. Diesmal wollen
die Abschiebungsgegner auf elektronischem Wege protestieren. Im Rahmen
einer ''Online-Demonstration'' wird dazu aufgerufen, die Internet-Seiten
der Lufthansa wie etwa den elektronischen Ticket-Service massenweise
anzuklicken und so mit einer ''elektronischen Sitzblockade'' lahm
zu legen. Die Lufthansa hat bereits mehrfach darauf verwiesen, dass
sie die abgelehnten Asylbewerber per Gesetz ausfliegen muss und dass
sie keine Personen gegen ihren Willen mitnimmt. rtr
stern,
18.06.2001: NETZAKTIVISMUS - Den Kranich im Visier
Website zur Demo
Der Streit mit
den Piloten ist noch nicht ganz beigelegt, da droht der Lufthansa
von ganz anderer Seite Ärger. Antirassismus-Gruppen rufen für
Mittwoch zu einer Internetdemonstration gegen die Fluglinie auf. Ursache
für den Protest: Der Lufthansa wird vorgeworfen, an Abschiebungen
von Flüchtlingen zu verdienen.
Was halten
Sie von Internetdemonstrationen? - Ihre Meinung im Computerforum!
''Ein verkauftes
'deportee-ticket' unterscheidet sich in der Konzernbilanz nicht von
einem Urlaubsflugschein'', schreiben das antirassistische Netzwerk
''kein mensch ist illegal'' und die ''Solidaritätsinitiative
Libertad'', die federführend bei der Protestaktion sind. Bei
rund 30.000 Abschiebungen pro Jahr diene in der Hälfte der Fälle
eine Lufthansa-Maschine als Transportmittel. ''Ein schmutziges Geschäft'',
finden die Antirassisten.
So soll die Demo
aussehen: Die Organisatoren rufen dazu auf, das Internet-Portal der
Lufthansa am Mittwoch von 10 bis 12 Uhr - während der Aktionärsversammlung
- zu blockieren, sozusagen ''eine Sitzblockade im Internet''. Zu diesem
Zweck soll die Kranich-Website mit Seitenabrufen überflutet werden.
Um diese Flut an Zugriffen zu erreichen, gibt es auf der Website der
''online-demonstration against deportation'' ein ''Online-Protest-Software''
zum Download, die - so die Anbieter - in dem vorgesehenen Zeitraum
immer wieder Lufthansa-Site aufruft. Ist die Demo vorüber, soll
das Programm automatisch nutzlos werden. ''Alles ganz legal'', beteuern
''kein mensch ist illegal'' und ''Libertad''. Schließlich sei
die Demo sogar beim Ordnungsamt Köln angemeldet. Dennoch sollte
man nicht vergessen: Das Prinzip der Zugriffsflut ist nicht neu, wird
von Hackern als ''Denial-of-Service''-Attacke schon lange gerne benutzt.
Nicht immer mit hehren Absichten. Ob die Umwidmung des Verfahrens
zur ''Demo'' Ärger mit der Justiz verhindert, wird sich zeigen.
manager
magazin 18.06.2001: O N L I N E - D E M O - Sit-in im Internet
Demonstrationen
im Wandel der Zeit. Antirassismus-Gruppen rufen zum virtuellen Sit-in
gegen Abschiebungen von Asylbewerbern auf. Ziel ist die Homepage von
Lufthansa, die am Mittwoch zur Hauptversammlung lahm gelegt werden
soll. (© mm.de)
Virtuelle Demo
gegen Lufthansa
Frankfurt - Die
Fluggesellschaft Lufthansa ist ins Visier von 150 Antirassismus-Gruppen
geraten. Unter dem Motto ''Kein Mensch ist illegal'' und ''Libertad''
haben sie für den Tag der Lufthansa-Jahreshauptversammlung am
20. Juni zur weitreichenden Online-Demo aufgerufen.
Die Kampagne richtet sich gegen die ''jährlich circa 10.000 Abschiebungen
abgelehnter Asylbewerber'' der Bundesrepublik, die die Lufthansa außer
Landes transportiere, heißt es in einem Infoschreiben der Aktionisten.
Dabei kam es bisher zu zwei Todesfällen.
Seit dem Sonntagabend
stellen die Organisationen eine ''Online-Protest-Software'' auf 30
Websites im In- und Ausland bereit. Ziel ist es, mit Hilfe des Softwarepaketes,
den Server von Lufthansa zu überlasten und so die Website lahm
zu legen.
Aktionisten
protestieren
150 Antirassismuss-Gruppe rufen zum Protest gegen die Abschiebepraxis
auf. Den Protest-Brief an Lufthansa lesen Sie hier .
Das könnte
Lufthansa empfindlich treffen - über die Internetseite www.lufthansa.de
werden auch Flugtickets gebucht. Zudem soll die Jahreshauptversammlung
im Netz live übertragen werden.
Der Konzern erfuhr
von der Aktion bereits Anfang dieses Jahres. Die Vorkehrungen liefen
bereits auf Hochtouren, ausgereifte Sicherheitstechniken seien im
Einsatz, sagte ein Konzernsprecher gegenüber manager-magazin.de.
''Für uns ist wichtig, dass wir an diesem Tag erreichbar sind.''
Ob die Fluggesellschaft
Anzeige erstatten wird, steht noch nicht fest. ''Wir behalten uns
jedoch rechtliche Schritte vor'', sagte der Sprecher. Zurzeit prüfe
Lufthansa die rechtliche Situation.
Aus dem Hause
des Bundesjustizministeriums ist zu hören, es sei zweifelhaft,
ob sich die Initiatoren auf das Demonstrationsrecht berufen können.
Die garantierte Versammlungsfreiheit nach Artikel 8 des Grundgesetzes
gelte nur für die physische Anwesenheit im realen öffentlichen
Raum.
ak
junge
welt 19.06: Die Demo mit der Maus
Trotz Neonaziattacken und Drohungen von Lufthansa: Mittwoch soll der
Kranich stürzen
Der gelbe Kranich, das Symbol der Lufthansa AG, stürzt zu Boden,
das Bild flackert, dann steht der Computer still. Diese Computeranimation
auf der Homepage von http://go.to/online-demo soll am Mittwoch ab
10 Uhr Wirklichkeit werden. Um diese Zeit wollen Abschiebegegner mit
Deutschlands erster virtueller Demonstration das Web-Portal der Airline
lahmlegen. Die Online-Blockade während der Jahreshauptversammlung
der Lufthansa-Aktionäre richtet sich gegen die jährlich
etwa 10000 Abschiebungen, die mit Maschinen der Fluggesellschaft durchgeführt
werden.
Eine »Online
Protest Software« steht seit gestern auf 30 Internetseiten im
In- und Ausland zum Download bereit. Die Software dringe nicht in
geschlossene Systeme ein und zerstöre keine Daten, versichert
Kampagnensprecherin Anne Morell. Das Softwarepaket beschleunige lediglich
einfache Operationen, die herkömmliche Browser ebenfalls ausführen.
Zudem soll das Tool aber auch einen Rückgriff auf Daten im Cacheordner
des eigenen Browsers verhindern und den Zugriff auf die Lufthansa-Rechner
so automatisieren, daß die Homepage des Konzerns letztlich schachmatt
gesetzt werden kann. Wer keine Möglichkeit hat, das Softwarepaket
herunterzuladen, der kann über die Homepage der Online-Aktivisten
mitdemonstrieren. Die Online-Aktivisten von »kein mensch ist
illegal« und der Solidaritätsinitiative »Libertad!«
hoffen, daß sich mehrere zehntausend Menschen weltweit am virtuellen
Go-In beteiligen.
Die Lufthansa
ist schon seit geraumer Zeit im Visier des antirassistischen Netzwerks
»kein mensch ist illegal«. Im vergangenen Jahr kündigte
der Vorstand der Airline an, über einen Ausstieg aus dem Geschäft
mit der Abschiebung in Verhandlung zu treten. Zwar werden mittlerweile
nach Angaben des Konzerns keine Personen mehr befördert, die
»erkennbar« Widerstand leisten, ansonsten hat sich aber
nichts getan. »Zusammen mit zahlreichen Abschiebegegnerinnen
und Abschiebegegnern müssen wir feststellen«, so Demo-Anmelder
Jan Hofmann in einem Brief an den Lufthansa-Vorstand, »daß
Sie die breite Kritik der Öffentlichkeit an diesem Geschäftszweig
nicht ernst nehmen. Statt dessen erlauben Sie sich den Zynismus, von
Abschiebungen zu sprechen, die mit 'freundlichem Service' vonstatten
gehen ('telepolis', 17. März 2001).«
Die Lufthansa
gibt sich derweil beleidigt. Diese Art von Protest, so Lufthansa-Sprecher
Thomas Ellerbeck gegenüber »telepolis« am 13. Juni,
sei »keine geeignete und angemessene Form der Auseinandersetzung«.
Die Airline prüfe juristische Schritte, um eventuell gegen »die
aggressive Initiative« vorzugehen. Ansonsten gibt man sich gelassen:
Alles sei dafür getan, Kundendaten zu schützen und die Erreichbarkeit
der Homepage zu gewährleisten. Ob das Erfolg haben wird, bleibt
allerdings abzuwarten. Nicht erfolgreich waren auf jeden Fall Neonazis,
die am 10. und 17. Juni die Mail-Adresse der Online-Aktivisten mit
rund 12000 E-Mails »bombardierten« - Absender: NPD.net.
»Der Inhalt war von der Qualität, die man vom Absender
erwarten kann«, so Anne Morell, »Datenmüll, den wir
einfach auf dem Server gelöscht haben«.
Beat Makila
Lufthansa:
WebAngriff aufs Lufthansa-Portal
Aus Protest gegen Abschiebungen soll Internet-Seite blockiert werden
/ Aktionen / Internetadressen
Von Beate Winzer
Nur noch wenige
Mausclicks entfernt ist am 20. Juni die erste deutsche Online-Demonstration.
Erstmalig soll hierzulande das World Wide Web für Proteste genutzt
und das Internet-Portal der Lufthansa am Tag der Hauptversammlung
des Unternehmens blockiert werden.
Mit dieser Aktion wenden sich das Bündnis »Kein Mensch
ist illegal« und andere Aktionsgruppen gegen die Beteiligung
der Lufthansa AG an Abschiebungen. Die Bundesrepublik Deutschland
schiebt jährlich 40000 Menschen ins Ausland ab, davon 30000 im
Luftverkehr als »menschliches Stückgut«. Auch der
größte Teil dieser als »deportee-tickets« gekennzeichneten
Flugscheine wird von der Lufthansa verkauft. Seit dem Tod des Abschiebehäftlings
Amir Ageeb in einer Lufthansa-Maschine 1999 nimmt das Unternehmen
das Recht auf Verweigerung erzwungener Abschiebungen in Anspruch.
Hintergrund sind vermutlich aber eher Sicherheitsbedenken. Laut einiger
Medienberichte zieht sich das Unternehmen inzwischen auch allmählich
aus dem Geschäft zurück und überlässt die Deportationsflüge
vor allem osteuropäischen Fluggesellschaften. Die Pilotenvereinigung
Cockpit empfiehlt ihren Mitgliedern, aus rein rechtlichen Gründen
keine erzwungenen Abschiebungen durchzuführen und alle Personen,
die in Polizeigewahrsam das Flugzeug betreten, vor dem Flug zu fragen,
ob sie mit der Abschiebung einverstanden sind.
Ihre Online-Demo sehen die Initiatoren als neues Mittel gegen das
Abschiebegeschäft der Lufthansa, es sei keine Frontalmethode
wie andere Protestformen. Wie Sven Maier, einer der Online-Initiatoren,
gegenüber ND sagte, sei die benutzte Software nicht aggressiv,
sondern de facto eine elektronische Abstimmung gegen das Abschiebegeschäft,
die nur bei einer großen Beteiligung Wirkung erzielt, nach dem
Prinzip: eine Person ein Rechner eine Stimme. Die Lufthansa
hält die Blockade ihrer Webseite für ein ungeeignetes Mittel
der Auseinandersetzung und behält sich rechtliche Schritte vor.
Das weitere Vorgehen wird sich laut Lufthansa-Sprecher Thomas Ellerbeck
nach dem entstandenen Schaden richten. Das Ordnungsamt der Stadt Köln,
bei dem die virtuelle Demonstration gegen die Lufthansa per E-Mail
angemeldet wurde, fühlte sich mit den neuen Formen überfordert
und erklärte sich für nicht zuständig. Die Lufthansa
nehme die Demonstration sehr ernst und habe, wie Ellerbeck sagte,
»bereits im Vorfeld geeignete Schritte unternommen, um Schaden
abzuwenden. Die Sicherheitsvorkehrungen bei der Lufthansa haben höchste
Priorität«. Allerdings hat das Unternehmen ein grundlegendes
Problem: Über seine Webseiten verkauft es Flugtickets, die Seiten
müssen daher für die Kunden offen gehalten werden. Das ist
die Chance für die Online-Demonstranten, sich einzuklinken. Helfende
Internetschutzschirme werden in den USA, aber auch in der Bundesrepublik
seit längerer Zeit entwickelt. Letztlich seien die Erfahrungen
auf beiden Seiten nicht groß, beurteilt Sven Maier die Aussicht
auf Erfolg, allerdings habe die Lufthansa genug Geld, sich einen Schutzschirm
aufzubauen. »Letztlich wird sich entscheiden, wer pfiffiger
ist.«
Auslöser für die Idee zur Online-Demonstration gegen die
Lufthansa war die Teilnahme von Abschiebegegnern an »sit-ins«
in den USA, wo unter anderen die Gruppe »Electronic disturb
theatre« bereits Mitte der 90er Jahre neue Diskurse entwickelt
hatte. Seitdem ist die unterschiedlichste Software für virtuelle
Widerstandsformen entwickelt worden, denn viele Hacker sind politisch
aktiv. Nicht alle von ihnen benutzen aber eine sanfte Software wie
die Online-Protestler am Mittwoch. Oft werden »Trojanische Pferde«
eingesetzt, die Webseiten »zerschießen« und Systeme
zum Erliegen bringen.
Im Netz aktiv sind auch die »Electro Hippies«, eine britische
Gruppe. Sie beteiligen sich auch am virtuellen Protest sowie an der
Entwicklung virtueller Widerstandsformen gegen die Weltbank. Diese
hat bekanntlich aus Furcht vor weiteren Protesten das Treffen in Barcelona
am 25./26. Juni abgesagt und will stattdessen eine Tele-Konferenz
abhalten. Insofern ist der virtuelle Protest in diesem Fall das einzige
Mittel, um das Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit wahrzunehmen.
Die Weltbank wie auch große Unternehmen planen, in Zukunft überwiegend
Tele-Konferenzen abzuhalten. Da stellt sich die Frage, ob dem Online-Widerstand
die Zukunft gehört? Doch Sven Maier winkt ab: »Die Erwartungen
an das Internet sind zwar sehr hoch, aber damit wird die Welt nicht
neu erfunden. Letztlich wird das Internet eine zusätzliche Protestform
sein, die reale Kontakte oder eine Straßenpräsenz aber
nicht ersetzt.« Zugleich sei das Internet eine gute Gelegenheit,
»Widerstandsformen weiterzuentwickeln und zu ergänzen.«
Aktionen
Außer der
Internet-Demo planen das Netzwerk »Kein Mensch ist illegal«,
der »Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre«
sowie »Libertad!« zur Jahreshauptversammlung der Deutschen
Lufthansa AG am Mittwoch, 20. Juni, in der Köln-Arena weitere
Proteste gegen das Geschäft mit Abschiebungen in der »deportation.class«
. »Wir werden den reibungslosen Ablauf der Aktionärsversammlung
stören«, erklärte Kurt Lindner von »Kein Mensch
ist illegal«. Ziel der Proteste sei es, den Konzern zur Aufgabe
des »deportation-business'' zu bewegen. »Wir fordern eine
verbindliche Erklärung der Lufthansa, Abschiebehäftlinge
grundsätzlich nicht mehr zu befördern«, so Lindner.
Mit Aktionen auf Flughäfen im In- und Ausland, vor Niederlassungen
des Konzerns, in Reisebüros und im Internet sei es gelungen,
die Öffentlichkeit auf die Mitverantwortung des Luftfahrtkonzerns
aufmerksam zu machen. »Der Imageschaden des Konzern ist enorm«,
sagt Lindner. Weil die angekündigten Proteste nicht verboten
sind, bedroht der Konzern nun Initiativen, die den Protest unterstützen,
mit horrenden Zwangsgeldern. (ND)
Infos:
E-Mail: kmii-koeln@gmx.net;
www.kmii-koeln.de;
www.deportation-alliance.com;
http://go.to/onlinedemo;
www.kritischeaktionaere.de;
www.contrast.org/kg/mirror;
http:// tmtm.free.fr/deportationclass;
www.electrohippies.uk
(ND 19.06.01)
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