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Freiheit für alle politischen Gefangenen weltweit!
 
Deportation Class
Internet-Demo
Stoppen wir das Abschiebegeschäft
 
   
Stellungnahme zur Online-Demo

 

Kampagne Libertad! - Falkstr. 74, 60487 frankfurt
email: kampagne@libertad.de - internet: www.libertad.de

Dienstag, 19. Juni 2001, 16:50

Lieber Mathias Schröter, DPA-Infoline

wir beantworten gerne ihr Anfrage nach einer Stellungnahme der Kampagne Libertad! zur Online-Demo gegen das Deportation.Business der Deutschen Lufthansa AG.

Das unmittelbare Ziel der Aktion ist, den Druck auf die Lufthansa zu erhöhen, um den Konzern zu einer klaren Entscheidung gegen das Abschiebegeschäft zu bringen. Noch mal zur Erinnerung: Der politische Rahmen der Internet-Demo ist die deportation.class-Kampagne von Kein Mensch ist illegal. Auslöser der Kampagne war der Tod des Sudanesen Amir Ageeb am 28. Mai 1999 an Bord der Lufthansa-Maschine LH 558 nach Kairo. Drei Beamte des Bundesgrenzschutzes hatten den 30jährigen Flüchtling so brutal misshandelt, dass er erstickte.

Circa 32.000 Menschen werden jedes Jahr per Flugzeug aus Deutschland abgeschoben. Davon 10.000 durch die Lufthansa: Der Verkauf der sogenannten „deportee-tickets" ist also ein nicht zu vernachlässigender Geschäftszweig.

Der international angelegten Mobilisierung zur Online-Demo ist es schon jetzt gelungen den politischen Druck auf die Lufthansa deutlich zu erhöhen. Die Deutsche Lufthansa und ihre Verantwortlichen stehen öffentlich in der Kritik. Und das ist gut so! Allerdings beweisen ihre bisherigen Reaktionen auf die Internet-Demo, dass sie diese Kritik vor allem technisch und mittels Kriminalisierung aushebeln wollen. Auch das Bundesjustizministerium reagiert entsprechend fantasielos. Wir nehmen das zur Kenntnis. Die offiziellen Reaktionen sagen alles über die realen Machtverhältnisse in diesem Land, dessen politische Kultur sich darin erschöpft, soziale und politische Probleme auf eine Frage der inneren Sicherheit zu reduzieren.

An keinem Punkt kommen in unserer Gesellschaft struktureller Rassismus und soziale Ausgrenzung deutlicher zum Tragen, als in dem menschenverachtenden System aus militärisch abgesicherten Außengrenzen, Ausländergesetzen und Abschiebungen. Auch das wollen wir mit der Internet-Demo verstärkt öffentlich thematisieren: Die Illegalisierung von Flüchtlingen und MigrantInnen, die tödlichen Konsequenzen staatlicher Abschiebepraxis, die „neue Mauer" um Europa.

Warum jetzt eine Internet-Demo? Das Internet hat sich längst als öffentlicher Raum etabliert. Hier werden Geschäfte gemacht, Kriegspropaganda betrieben, Ideologie produziert - wie in der wirklichen Welt auch. Ein öffentlicher, aber kein freier Raum, der immer wieder erobert werden muss. Das Internet ist schon jetzt für Libertad! ein Medium der gegenseitigen Information, der Vernetzung von Aktions- und Solidaritätsgruppen, der Verabredung zu gemeinsamer Praxis. Mumia Abu-Jamal, Chiapas, Seattle, Prag oder auch Porto Alegre stehen als Namen und Orte für einen sich weltweit vernetzenden Widerstand, der sich im virtuellen Raum verständigt, um real zu handeln. Mit der ersten Online-Demo in Deutschland gehen wir einen Schritt weiter. Im Internet kollektiv solidarisch handeln gegen staatlichen Rassismus und Menschenmisshandlung, eröffnet, wie wir hoffen, neue Aktionsformen, die auch zu ganz anderen Anlässen und anderen Zwecken zur Wirkung kommen können.

Als Initiative, die sich für die Freiheit von politischen Gefangenen in aller Welt einsetzt, ist es für uns unabdingbar notwendig, auf die Situation von politischen Gefangenen wie auf die Behandlung von Flüchtlingen in diesem Land aufmerksam zu machen.

Für Libertad!
Hans-Peter Kartenberg


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