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Pressemitteilung Berlin,
18.06.2001
Online gegen
Abschiebungen
150 Antirassismus-Gruppen
wollen am 20. Juni die Lufthansa-Homepage blockieren.
Protest-Software auf 30 Internetseiten veröffentlicht.
150 Antirassismus-Initiativen
kündigten heute in einem Brief an den Vorstand der Lufthansa
AG ein virtuelles Sit-In auf dem Internetserver der Fluglinie an.
Die Online-Demonstration während der Aktionärsversammlung
des Konzerns richtet sich gegen die jährlich etwa 10 000 Abschiebungen,
die mit Lufthansa-Maschinen durchgeführt werden.
''Es ist ein schmutziges
Geschäft, mit Abschiebungen Geld zu verdienen'', schrieb Demo-Anmelder
Jan Hofmann heute an den Vorstand der Fluggesellschaft, ''reichen
zwei Tote nicht, um endlich die Konsequenzen zu ziehen?'' 1994 war
der Nigerianer Kola Bankole, 1999 der Sudanese Amir Ageeb bei Abschiebungen
auf Lufthansa-Linienflügen zu Tode gekommen.
Seit dem späten
Sonntag abend, drei Tage vor der virtuellen Demo, wird eine ''Online
Protest Software'' auf 30 Internetseiten im In- und Ausland angeboten.
Mit Hilfe des Softwarepaketes könnten AbschiebegegnerInnen den
Lufthansa-Server am kommenden 20. Juni durch Zugriffe überlasten,
sagt Kampagnensprecherin Anne Morell. Die Software dringe nicht in
geschlossene Systeme ein und zerstöre keine Daten, verspricht
die Online-Aktivistin. Jede und jeder solle teilnehmen können:
neben der Installation von Protest-Programmen für Windows- und
Linux-Systeme besteht auch die Möglichkeit, am 20. Juni ein Programm
direkt auf der Homepage der AktivistInnen zu starten. So kann virtuell
mitdemonstrieren, wer im Internetcafé oder auf dem Arbeitsplatz
nichts aus dem Internet herunterladen darf - oder einen Macintosh
zuhause hat.
Drohen nun leere
Bildschirme bei www.lufthansa.com? Die Fluggesellschaft will am 20.
Juni um 10 Uhr eigentlich die Rede des Vorstandsvorsitzenden Jürgen
Weber über ihr Internetportal live streamen. Wenn nun, wie Abschiebegegnerin
Morell prophezeit, stattdessen nur ''leere Bildschirme und lange Nasen''
auf der Aktionärsversammlung zu sehen sein werden? Sicherlich
kein guter Start für das ehrgeizige ''Online Travel Portal'',
das der Konzern mit weiteren Fluglinien im Herbst eröffnen will.
''Bei uns können sie am 20. Juni den Kranich im Sturzflug sehen'',
verspricht dagegen die Abschiebegegnerin Morell. Die Initiativen wollen
den Verlauf ihrer Aktion auf einer eigenen Internetseite, die kurzfristig
bekanntgegeben werden soll, dokumentieren.
Die Online-DemonstrantInnen,
die von zahlreichen internationalen Antirassismus-Gruppen unterstützt
werden, ernten indes nicht nur Zustimmung. Am 10. und 17. Juni wurden
die Mail-Adressen der OrganisatorInnen mit knapp 12 000 emails bombardiert
- Absender: NPD.net. Die Neonazis hatten versucht, sich hinter einer
falschen Adresse (''www.pds-online.de'') zu tarnen. ''Der Inhalt war
von der Qualität, die man vom Absender erwarten kann'', so Anne
Morell, ''Datenmüll, den wir einfach auf dem Server gelöscht
haben''.
Berlin, 18.06.2001
Für Libertad! und kein mensch ist illegal, Sven Maier
Kontakt: 0177
- 5029083
Info: http://stop-depclass.scene.as http://go.to/online-demo
und zahlreiche mirrorseiten
Dokumentation:
=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=-=
Von : online-demo <online-demo@gmx.net>
An : juergen.weber@dlh.de <juergen.weber@dlh.de>
Datum : Montag, 18. Juni 2001, 09:53
Betreff: Deportation Business/Aktionärsversammlung
Dateien: <none>
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Sehr geehrter
Herr Weber,
sehr geehrte Damen und Herren,
am kommenden Mittwoch,
den 20.Juni findet die jährliche Aktionärsversammlung Ihres
Unternehmens statt.
Im vergangenen
Jahr erklärten Sie zu diesem Anlass den Aktionärinnen und
Aktionären sowie der besorgten Öffentlichkeit, über
einen Ausstieg aus dem Geschäft mit der Abschiebung in Verhandlung
treten zu wollen.
Zusammen mit zahlreichen
Abschiebegegnerinnen und Abschiebegegnern müssen wir jedoch feststellen,
dass Sie die breite Kritik der Öffentlichkeit an diesem Geschäftszweig
nicht ernst nehmen. Stattdessen erlauben Sie sich den Zynismus, von
Abschiebungen zu sprechen, die ''mit freundlichem Service vonstatten
gehen'' (telepolis, 17.03.2001).
Es ist müssig
zu erörtern, ob dies dem Ernst der Sache angemessen ist. Reichen
Ihnen zwei Tote nicht, um endlich die Konsequenzen zu ziehen?
Es würde
Ihnen gut bekommen, sich einen Augenblick über ihr Selbstbewusstsein
als grosses Unternehmen hinwegzusetzen. Im Folgenden steht Ihnen die
Möglichkeit offen, das zu lesen, was Abschiebegegnerinnen und
Abschiebegegner aus vielen Ländern der Welt Ihnen zu sagen haben.
Sollten Sie dies
nicht wahrnehmen wollen, bleibt mir nur stellvertretend darauf hinzuweisen,
dass am 20. Juni eine Online-Demonstration gegen Ihr Abschiebegeschäft
stattfinden wird.
Es ist ein schmutziges
Geschäft, mit Abschiebungen Geld zu verdienen.
18.06.2001,
für 'kein mensch ist illegal' und 'Libertad!',
Jan Hofmann
Online-Demonstration
against Deportation Business
Abschiebung hat einen Namen: Lufthansa - goes offline!
''They won't have
your names when you ride the big airplane, all they will call you
will be 'deportees'.'' (Woody Guthrie)
Deutschland schiebt
jährlich 40.000 Menschen ab, davon 30.000 im Luftverkehr als
menschliches Stückgut. Der Mensch wird zum ''Schübling''
- und der wird bei Bedarf gefesselt, geknebelt oder betäubt.
Und die Lufthansa AG verkauft den Löwenanteil dieser als ''deportee-tickets''
gekennzeichneten Flugscheine. Zweimal bereits bedeutete diese Deportation.Class
den Tod: Kola Bankole (1994) und Aamir Ageeb (1999) überlebten
ihre Deportation nicht. Beide starben durch die Hand von BGS-Beamten,
beide saßen in einem Flugzeug der Lufthansa.
Wir protestieren
gegen das Deportation.Business. Wenn Konzerne wie die Deutsche >
Lufthansa AG ins Internet gehen, dann soll unsere Empörung über
das gleichermaßen einträgliche wie auch tödliche Geschäft
nicht nur auf der Straße stehen. Denn auch der Datenhighway
eignet sich zur ''Sitzblockade''. Anreisen muss dazu niemand. Das
massenhafte und zeitgleiche Einloggen ins Internet ist notwendig,
damit der Zugang zur Homepage der Lufthansa AG durch zigtausende Internetnutzer/innen
als Zeichen des Protestes versperrt wird. Ähnlich wie bei einer
Sitzblockade rufen deshalb die Initiativen kein Mensch ist illegal
und Libertad! für den 20. Juni 2001 parallel zur Aktionärsversammlung
der Lufthansa in Köln zu einer Online-Demonstration gegen Abschiebung
auf. Wir unterstützen die > Online-Demonstration und rufen
zur Teilnahme auf:
kein mensch ist
illegal- und Libertad!-Gruppen in zahlreichen Stadten
(... folgend 500
Unterschriften)
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