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welt 16.03.2001
Am Tag X gegen
Abschieber
Deportation Class der Lufthansa weiter in der Kritik. Konzern-Homepage
soll blockiert werden
Zu einer Online-Demonstration
gegen das Geschäft mit Abschiebungen von Flüchtlingen rufen
die Initiativen »kein mensch ist illegal« und »Libertad!«
auf. Ziel ist die Blockade der Lufthansa-Homepage. Seit über
einem Jahr machen antirassistische Initiativen im Rahmen einer Kampagne
»stop deportation class« gegen das Beförderungsgeschäft
im Auftrag des Staates mobil. Dabei kam es in der Vergangenheit mehrfach
zu Demonstrationen. Vor allem in Frankfurt am Main, denn der Rhein-Main-Flughafen
ist Ausgangspunkt der meisten Abschiebungen. Kritisiert wurde dabei
immer auch die Lufthansa. Obwohl die Fluggesellschaft inzwischen verkündet
habe, keine Beförderung von Menschen gegen deren erklärten
Willen vorzunehmen, komme es immer wieder zu gewaltsamen Abschiebeversuchen.
Nun soll der Protest
ins Internet getragen werden. Wenn Konzerne, die mit Abschiebungen
Geld verdienten, ihre größten Filialen im Netz aufbauen,
so die Initiativen in einer Presseerklärung, dann müsse
man genau dort demonstrieren. Ähnlich wie bei einer Sitzblockade
soll demnächst der Zugang zur Homepage der Lufthansa AG durch
Tausende Internetnutzer versperrt werden. Wörtlich heißt
es: »Aber das geht nur, wenn viele mitmachen. Kein mensch ist
illegal und Libertad! rufen deshalb internationale und deutsche Gruppen
auf, sich an den Vorbereitungen der Internet-Demo zu beteiligen. Ein
genauer Termin steht noch nicht fest, aber für den Tag X erwarten
wir mehrere tausend TeilnehmerInnen.«
Über 30 000
Menschen würden pro Jahr aus Deutschland abgeschoben. Die Lufthansa
verkaufe hier den Löwenanteil der als »deportee-tickets«
gekennzeichneten Flugscheine. »Die Deportation Class bringt
also beträchtliche Einnahmen, aber nicht nur das: seitdem am
28. Mai 1999 der Sudanese Amir Ageeb in einer Lufthansa-Maschine unter
den Mißhandlungen deutscher Grenzpolizisten zu Tode kam, sieht
sich der Konzern mit lauter werdenden Forderungen nach einem Rückzug
aus dem schmutzigen Geschäft konfrontiert. Nachdem >kein mensch
ist illegal< auf die mögliche Haftung der Flugkapitäne
im Falle der Tötung oder Verletzung von Zwangspassagieren hingewiesen
hatte, empfahl die Pilotenvereinigung Cockpit ihren Mitgliedern, zukünftig
keine Personen an Bord zu nehmen, die einen Transport ablehnen oder
gar gefesselt sind.«
Wie empfindlich
Lufthansa auf Kritik aus dem Netz reagiert, zeigte sich im Oktober
2000. Damals wies der Konzern seine Anwälte an, einem Aktivisten
von »kein mensch ist illegal« Strafgelder anzudrohen,
falls nicht eine kritische Plakatausstellung aus dem Internet verschwinde.
Das führte jedoch nur dazu, daß sich weltweit Dutzende
Internetprojekte gegen die Zensurversuche solidarisierten und die
Ausstellung auf ihren Servern weitere Verbreitung fand.
»Der Konzern
verfügt über enorme Rechenkapazitäten für seine
Internetpräsenz. Sollte es trotzdem gelingen, die Homepage wie
geplant zu blockieren, würde dies sicherlich nicht das Vertrauen
der KundInnen fördern, die zukünftig nicht mehr im Reisebüro,
sondern im Internet buchen sollen. Wir sind optimistisch und setzen
darauf, daß die Kritik an den Abschiebeflügen schon so
breite Kreise erreicht hat, daß eine große Demonstration
mit internationaler Beteiligung zustandekommen wird«.
Thomas Klein
*** Kontakt: online-demo@gmx.net,
Infos: www.deportation-alliance.com oder
www.libertad.de/projekte/depclass/demo
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