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Internet-Demo gegen das Abschiebegeschäft
http://de.internet.com/artikel/index.jsp?2003465
Die Deutsche Lufthansa AG steht aufgrund ihres Geschäfts mit Abschiebungen
immer stärker in der Kritik. Vor Flugschaltern und Reisebüros,
selbst auf der jährlichen Aktionärsversammlung protestieren
antirassistische Gruppen gegen das "deportation bussiness"
der Fluglinie. Das Netzwerk kein mensch ist illegal und die Solidaritätsinitiative
Libertad! planen nun, diese Proteste ins Internet auszuweiten. Geplant
ist es, die Site durch massenhaften Besuch zu belagern, um damit die
Performance in die Knie zu zwingen.
Wenn Konzerne, die mit Abschiebungen Geld verdienen,
ihre grössten Filialen im Netz aufbauen, dann müsse man
auch genau dort demonstrieren, so die Initiatoren. Ähnlich wie
bei einer Sitzblockade soll der Zugang zur Homepage der Lufthansa
AG durch tausende Internetnutzer zeitweise versperrt werden. "Aber
das geht nur, wenn viele mitmachen. Kein mensch ist illegal und Libertad!
rufen deshalb internationale und deutsche Gruppen auf, sich an den
Vorbereitungen der Internet-Demo zu beteiligen. Ein genauer Termin
steht noch nicht fest, aber für den Tag X erwarten wir mehrere
tausend Teilnehmer," heißt es in dem Aufruf.
Über 30.000 Menschen werden jedes Jahr per Flugzeug
aus Deutschland abgeschoben - und die Lufthansa mit ihrem "weltumspannenden
Verbindungsnetz" verkauft den Löwenanteil der als "deportee-tickets"
gekennzeichneten Flugscheine. Die Deportation Class bringt also beträchtliche
Einnahmen, aber nicht nur das: seitdem am 28. Mai 1999 der Sudanese
Amir Ageeb in einer Lufthansa-Maschine unter den Misshandlungen deutscher
Grenzpolizisten zu Tode gekommen sei, sieht sich der Konzern mit lauter
werdenden Forderungen nach einem Rückzug aus dem zweifelhaften
Geschäft konfrontiert. Nachdem kein mensch ist illegal auf die
mögliche Haftung der Flugkapitäne im Falle der Tötung
oder Verletzung von Zwangspassagieren hingewiesen hatte, empfahl die
Pilotenvereinigung Cockpit ihren Mitgliedern, zukünftig keine
Personen an Bord zu nehmen, die einen Transport ablehnen oder gar
gefesselt sind. Auch die ÖTV forderte ihre im Lufthansa-Aufsichtsrat
sitzenden Mitglieder auf, sich gegen das Geschäft mit den Abschiebungen
einzusetzen.
Wie empfindlich Lufthansa auf Kritik aus dem Netz
reagiert, wurde schon im Oktober 2000 deutlich, als der Konzern seine
Anwälte anwies, einem Aktivisten von kein mensch ist illegal
Unterlassungsgelder anzudrohen, falls nicht eine kritische Plakatausstellung
aus dem Internet verschwinde. Dieses recht konventionelle Vorgehen
führte jedoch nur dazu, dass sich weltweit dutzende Internetprojekte
gegen die Zensurversuche solidarisierten und die Ausstellung durch
Spiegelung auf ihren Servern weitere Verbreitung fand.
Man darf gespannt sein, wie die Lufthansa auf die
online-Demo reagiert. Der Konzern verfüge über enorme Rechenkapazitäten
für seine Internetpräsenz. Sollte es trotzdem gelingen,
die Homepage wie geplant zu blockieren, würde dies sicherlich
nicht das Vertrauen der Kunden fördern, die zukünftig nicht
mehr im Reisebüro, sondern im Internet buchen sollen, hoffen
die Online-Demonstranten.
(as)
Achim Sawall
Redaktionsleiter de.internet.com
Der Nachrichtendienst für Internet-Professionals
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