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4.2.2006:
Mit dem Transparent "Stoppt den globalen Krieg
der NATO-Staaten" wurde die Demonstration gegen
die 42. "Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik"
angeführt. Dahinter fand ein "Gefangenentransport"
der besonderen Art statt: eine Gruppe von Menschen in
orangefarbenen Overalls marschierten durch Münchens
Straßen. Begleitet wurden die Häftlinge von
"Soldat/innen", die ein Transparent mit den
Logos der "Sicherheitskonferenz", der NATO,
der EU, der Bundeswehr und der CIA trugen. Das Transparent
hatte die Aufschrift "Freiheit & Democracy"
. Die Aktion wurde vom Zusammenhang bundesweiter Antirepressionsgruppen,
"Wiederentwaffung jetzt!", "Krieg ist
Frieden" - bundesweite Koordination, Kampagne Libertad!,
Queere und antipatrirachale Gruppen und Radikale Kriegsgegnerinnen
aus München durchgeführt.
Rede von Libertad! auf
der Demo - Erklärung zur
Aktion - Flugblatt zur Aktion
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Rede von Libertad!
auf der Antikriegsdemonstration in München am 4.2.06
Fünf Jahre dauert der sogenannte
Krieg gegen den Terror" schon an.
Erst diese Woche haben USA-Wissenschaftler ihre Hochrechnung
der eigenen Ölvorkommen beziffert: in acht Jahren
ist Schicht im Schacht - weltweit wird's eng in 20 -
30 Jahren. Dieser Krieg dient der Absicherung des Weltmarktes
und der damit verbundenen westlichen" Lebensweise
in den Wohlstandsinseln der Welt.
Er ist nicht lokal begrenzt.
Mal offen, mal verdeckt wird er zur Weltinnenpolitik
um die vielfältigen sozialen und politischen Krisen
in den Griff zu kriegen. Seinem Wesen nach ist er endlos.
Trotz internationaler Abkommen war und ist Krieg ein
Zustand, in dem Menschenrechte bis zur Bedeutungslosigkeit
militärischen Aspekten unterworfen sind.
Ob in den USA, in Europa oder sonst wo auf der Welt,
niemand bestreitet ernsthaft, dass im Rahmen dieses
Krieges Menschen entführt, in geheime Gefängnisse
verschleppt und dort gefoltert werden.
Andererseits war trotz Menschenrechtscharta und Antifolter-Konvention,
Folter nie wirklich geächtet oder gar verschwunden
nach dem Nazi-Faschismus.
Die Franzosen folterten systematisch in Algerien genauso
wie die Briten gegen die irisch republikanische Bewegung.
Ganze Generationen von Folterspezialisten wurden in
den USA zur Aufstandsbekämpfung im Trikont ausgebildet.
In Spanien wird bis heute gefoltert.
In Deutschland kämpften politische Gefangene jahrzehnte
lang gegen Folter durch Isolation.
Mehr als 100 Gefangene starben in türkischen Gefängnissen
in den letzten Jahren im Kampf gegen die Einführung
der Isolationshaft.
In Italien wurde die einmalige Folter an Gefangenen
legalisiert.
In England sind durch Folter erpresste Aussagen inzwischen
gerichtsverwertbar.
Der Krieg gegen den Terror" aber setzt neue
Maßstäbe:
im globalen rechtsfreien Raum sind die Menschenrechte
im Namen der Menschenrechte außer Kraft gesetzt.
Entführung und Folter von tatsächlichen oder
vermeintlichen Gegnern der westlichen Freiheit sind
nicht nur alltäglich, sondern durch ein juristisch-bürokratisches
Regelwerk legitimiert. Dieser Krieg dient unmittelbar
der Disziplinierung und autoritären Strukturierung
der westlichen Gesellschaft.
Immer mehr Menschen landen im Niemandsland der Rechtlosigkeit.
Das ist die gesellschaftliche Dimension der Folter.
Was bereits in den wenigen Jahren dieses Anti-Terror-Krieges
durchgesetzt wurde - trotz, oder auch gerade durch den
täglichen Skandal, wird nicht über Nacht wie
ein böser Spuk verschwinden.
Die Folter formiert soziale und politische Verhältnisse;
es ist jetzt schon abzusehen, dass die Anstrengung diese
Formierung wieder loszuwerden immens sein wird.
Im Zentrum dieser Politik stehen die Lager. In sie
werden Menschen gesperrt, die nach herrschender Auffassung
als schädlich oder gefährlich gelten oder
weil man sie sich vom Leibe halten will.
Guantanamo, die "Black Sites" der CIA oder
die "rendition" genannte Übergabe von
Gefangenen an Folterstaaten wie Syrien oder Marokko
gehören genauso in diesen Zusammenhang wie die
Lager des globalen Migrationsregimes.
Das reicht von Woomera in der Wüste Südaustraliens
bis hin zu den neu geplanten EU-Lagern in Nordafrika
und den Sammel- und Abschiebelagern in Deutschland.
Lager stehen für Ausgrenzung, Entrechtung und Verfügungsgewalt
in den Händen staatlicher Macht. Lager sind Orte
eines organisierten Ausnahmezustands.
Die Folter ist in den Schlagzeilen - aber es ist falsch
sie für eine Angelegenheit der USA zu halten.
Die Bundeswehr macht Foltertraining, das BKA profitiert
von erpressten Aussagen, der BND gibt Aufträge
- und schon vorher propagiert ein Frankfurter Polizeipräsident
die Folter, wofür er auch Beifall von einer Führungsfigur
der Linkspartei bekommt und, und, und...: Ein Skandal
jagt den nächsten, wird untersucht, aufgeklärt,
ein bis zwei Schuldige" verurteilt und abgehakt.
Aber der Schritt vom bedauerlichen Einzelfall"
zum System der Folter ist längst vollzogen. Mit
der entsprechenden gesellschaftlichen Unterfütterung:
unbekümmert und selbstverständlich wird in
Talkshows über Pro und Contra von Folter diskutiert.
Flüchtlinge werden als "Illegale" denunziert,
verbunden mit den Begriffen "Kriminalität"
und "Terrorismus". Und als Pendant zum illegalen
und rechtlosen Einwanderer, finden wir im Krieg
gegen den Terror" den unrechtmäßigen
und ebenfalls rechtlosen Kombattanten. Stress-
und Zwangstechniken" sind neue Bezeichnungen für
legale" Folter, mit 'Manipulation des Befragungsumfeldes'
ist gemeint, Gefangene extremer Hitze und Kälte
auszusetzen, Anpassung der Schlafgewohnheiten"
bedeutet Schlafentzug.
Folter, Verschwinden lassen, Lager und extralegale Hinrichtungen
existieren nicht außerhalb unserer Gesellschaft
und wirken sich direkt auf diese aus.
Sowas kommt von sowas, also wundern wir uns nicht,
wenn Schüler Quälereien an Mitschülern
filmen und ins Netz stellen und dies cool finden.
Angesichts dieser Entwicklung ist es notwendig, grundsätzlich
gegen Folter und Lagerhaft aufzutreten. Und weil jede
Legitimierung von Folter dazu beiträgt, diese gesellschaftlich
durchzusetzen, ist es darüber hinaus notwendig,
gegen jede Befürwortung von Folter entschieden
vorzugehen.
Es gibt keine Differenz zwischen dem Folterer - und
demjenigen, der ihr was gutes abgewinnen kann.
Zur Klarstellung:
Antifolterkampf ist nicht Angelegenheit von Menschenrechtsgruppen.
Es geht nicht um Themenpolitik, sondern um verantwortliche
politische Intervention in die Verhältnisse.
Menschenrechte gelten für alle - bedingungslos,
unteilbar und ohne jedes Wenn und Aber.
Stoppt Folter - in Guantanamo, in Stuttgart-Stammheim
und überall
Stoppt Sonder- und Lagerhaft - in Abu Ghraib, in Nürnberg
und überall
Menschenrechte für alle, bedingungslos und unteilbar
04.02.2006
Erklärung
zu der Aktion:
"Bewußt führen wir die Antikriegsdemonstration
in der orangfarbenen Kleidung der Häftlinge von
Guantanamo an. Wir möchten deutlich machen, daß
Krieg und Folter zusammengehören und daß
ein Kampf gegen Folter immer auch ein Kampf gegen Krieg
sein muss !
Auch Deutschland ist Kriegspartei und
auch Deutschland begünstigt Folter. Wir fordern
die Gesellschaft in diesem Land auf, den Zusammenhang
von Krieg und Folter und die Beteiligung der hiesigen
Regierungen am Krieg radikal zu thematisieren !
Wir fordern die Gesellschaft dieses Landes
auf, jeden Versuch der Legitimierung von Folter radikal
zu ächten !
Und wir fordern Alle auf, etwas gegen
die sogenannte Sicherheitskonferenz zu unternehmen und
diese aus München zu verbannen!
Wir tragen bewusst folgende Aufschriften
auf unseren Anzügen:
Krieg ist Frieden ! Wir üben ... Ihre Bundeswehr!
Folter ist Menschenrecht ! Coesfeld loves you
Wir sind Deutschland ! Folterer sind Soldaten !
Wir sind Deutschland !
Bundeswehr vor, noch ein Tor
Schäuble will Folterergebnisse verwerten!
Wir sind Deutschland !
Reisefreiheit für den BND ! Bundeswehr im Hindukusch
Bombenhilfe für den CIA ! Aufbau von Polizeitruppen
im Irak!
Wir sind Deutschland ! Wir sind Deutschland !
Für das Gute ! Gegen das Böse ! Wir sind
Deutschland
Wir haben das Geheuchel von Westerwelle und Merkel
sowie das Rumgeeiere der Grünen um Untersuchungsausschüsse
satt.
Darum sprechen wir Klartext: Deutschland begünstigt
aktiv Krieg und Folter! "
Flugblatt: Die Kriegsfolterkonferenz
soll aus München verschwinden!
Solange sich Westerwelle und Merkel nicht radikal gegen
jede direkte und indirekte Kriegbeteiligung aussprechen,
bleiben ihre Worte Heuchelei.
Merkel spricht sich nur für eine Abschaffung von
Guantanamo aus, wenn eine Lösung für das ?Böse"
gefunden wird. Gut-Böse Logik schafft Guantanamo
nicht ab, sondern wird gerade zur Legitimation für
Guantanamo, für Abu Graib und Folterflüge
gemacht. Die ?Sicherheitskonferenz" ist im Klartext
immer auch ein Mittel zur Vorbereitung von Krieg und
Folter. Warum?
- Die Sicherheitskonferenz in München stellt den
inoffiziellen und offiziellen Rahmen, um sich über
Kriegsstrategien und Waffenkäufe auszutauschen.
Die Planung von Krieg geht einher mit der Systematisierung
von Folter. Denn Folter ist genau wie Töten ein
unabdingares Mittel, um definierte Kriegsziele durchzusetzten.
- Im Irakkrieg stellte Deutschland den USA die notwendige
Logistik innerhalb des Landes, überwachte den Luftraum,
garantierte die Transport- und Überflugsrechte
und entlastete die US-amerikanische Armee durch eigenes
Sicherheitspersonal. AWAC's waren Bestandteil von Feindaufklärung
und nachfolgenden Bombardements. BND-Mitarbeiter im
Irak unterstützten genaue Zielerfassung für
amerikanische Bomber. Fischer und Schröder heuchelten
für den Frieden und gewährten Krieg.
- Mit Wissen der Regierung Schröder/Fischer wird
der aus Deutschland stammende vom CIA entführte
Masri in Afghanistan von BND-Mitarbeitern vernommen.
Das Auswärtige Amt weiß Bescheid, aber es
hilft dem Entführten und Gefolterten nicht. Mit
Wissen der Regierung werden Folterflugzeuge der CIA
über Deutschland abgewickelt.
- In Guantanamo verhören Deutsche Ermittler einen
Gefangenen. Innenminister Folter plädiert auf die
Verwendung von Erkenntnissen durch Geständnisse
die unter Folter erpresst wurden.
- Ohne ersichtlichen Grund, ohne Not und nähere
Begründung will Innenfolterminister Schäuble
deutsches Militär zum Schutz der WM in Deutschland
einsetzen. Die gleiche Behörde betreibt die ständige
Verschärfung des Asylrechts und hat Abschiebungen
in Tod, Folter, Vergewaltigung und Elend und Aussichtslosigkeit
zu verantworten.
- Die Bundeswehr übt im Standort Coesfeld die Folter.
Nachdem dies -bekannt wird, entwickelt die Führung
ein Konzept, wie Folter und Entführungen trainiert
werden können, ohne öffentlichen Anstoß
zu erregen.
- Polizeipräsident Daschner (FFM) rechtfertigt
im Falle einer Entführung die Androhung von Folter
und begründet dies mit der Rettung von Menschenleben.
Folter wurde in Deutschland erstmalig wieder seit langer
Zeit zum Sachzwang erklärt!
Diese Aufzählungen sind keine Ausrutscher, keine
?Unfälle". Sie sind System. Sie ergeben sich
aus einem globalen, ausgerufenen und permanenten Kriegszustand.
Früher wurde Folter in der Regel tabuisiert, jetzt
wird ihre Anwendung Schritt für Schritt salonfähig
gemacht - so als heilige der Zweck die Mittel ! Wir
sollen uns an den veränderten Umgang mit Menschenrechten
auch in sogenannten demokratischen Gesellschaften gewöhnen.
OHNE UNS !
Die Sicherheitstagung in München zu behindern,
zu diskreditieren und wenn möglich ganz zu verhindern
heißt die Ausweitung von Krieg und Folter zu verhindern
! Wir fordern die Abschaffung von Militär, die
weltweite Zerstörung aller Waffen, und wir befürworten
das Verbrennen jeder Uniform!
WIEDERENTWAFFNUNG IST DER AUFRUF AN UNS ALLE ZUR
PRAXIS !
ALLTÄGLICH; SUBVERSIV; RADIKAL !
GEGEN JEDEN KRIEG ! GEGEN JEDE FOLTER !
Zusammenhang bundesweiter Antirepressionsgruppen /
?Wiederentwaffung jetzt!" /?Krieg ist Frieden"
- bundesweite Koordination / Queere und antipatrirachale
Gruppen / Radikale Kriegsgegnerinnen aus München
Homepage:: http://wiederentwaffnung.de.vu/
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