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Ein Jahr nach Abu-Ghraib
Nachrichten aus dem Archipel Folter (I)
Vor einem Jahr wurden die Folterfotos aus Abu Ghraib veröffentlicht
und lösten einen weltweiten Skandal aus. Ein Skandal allerdings,
der an der Anwendung von Folter in der Welt nichts änderte;
der auch im konkreten, im Machtbereich der USA, nicht
zu einer Einschränkung, sondern zu einer Effektivierung
der Folter führte.
Die Nachrichten
aus dem Archipel Folter zeigen das. Inzwischen wurden
Einzelheiten des Rendition-Systems bekannt. Rendition
heißt etwa Übertragung und bezeichnet das geheime US-Programm,
bei dem Gefangene außerhalb des Rechtswegs weltweit
entführt, verschleppt, festgehalten oder ausgetauscht
werden.
Folter-Generäle erhalten Absolution
Und auch rechtzeitig zum Jahrestag des Abu-Ghraib-Folterskandals
haben sich alle Verantwortlichen freigesprochen. Erst
stellten sich die Politiker, Verteidigungsminister Rumsfeld
und das restliche Personal im Weißen Haus und im Pentagon
den Persilschein aus. Einige wurden befördert, wie der
Hausjurist des Weißen Hauses Alberto Gonzales zum Justizminister,
der Folterdoktrin der US-Armee in Abu Ghraib und Guantanamo
mitbestimmt hat; Vize-Verteidigungsminister Wolfowitz
soll Weltbank-Chef werden und John Negroponte, zuletzt
Botschafter genannter Pro-Konsul in Bagdad.
Jetzt haben auch die Streitkräfte der USA die für die
Folter im Irak verantwortlichen US-Generäle von jeder
Schuld freigesprochen. Generalleutnant Ricardo Sanchez,
früherer Oberkommandierender im Irak, hatte die in Guantanamo
erprobten "Verhörtechniken" auch im Irak angeordnet.
Zuvor waren sie von US-Verteidigungsminister Rumsfeld
genehmigt worden. Eine Dienstverletzung läge nicht vor,
sagte der zuständige Generalinspekteur der US-Army.
Das alles Gründe für eine radikale Anti-Folter-Kampagne.
Israel: Es wird weiter gefoltert
19.08.04 - Der israelische Inlandsgeheimdienst Schin Beth
"wendet weiterhin Gewalt bei seinen Vernehmungen
des Terrorismus Verdächtiger an, trotz eines Urteils des
Obersten Gerichts von 1999, das gewalttätige Vernehmungen
mit Ausnahme von 'tickenden Bomben' verbot," meldete
Ha'aretz. Ein der Zeitung vorliegendes Geheimdienst-Dokument
über die Vernehmung des Hamas-Mitglieds Hussam Atef Badran,
verfasst von "Oz", dem Leiter der Vernehmungsabteilung
des Schin Beth für den "Distrikt Samaria" (also
die nördliche Westbank), beschreibt die Anwendung einer
"schmerzhaften Technik, genannt 'hatayat gav'"
["Zurückbiegen"] gegen Badran, wobei der Gefangene
für bis zu einer halben Stunde nach hinten über den Rücken
gefesselt wird. Das Öffentliche Komitee gegen Folter in
Israel (Public Committee Against Torture in Israel -PCATI)
erklärte, die Folterung Badrans sei kein Einzelfall und
forderte eine Untersuchung durch den Generalstaatsanwalt.
Rotes Kreuz zu Guantänamo Bay
(30.11.04) - Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz
(IKRK) hat die Haftbedingungen im US-Militärlager Guantanamo
Bay scharf kritisiert. "Die Verhörmethoden liefen
auf Folter hinaus", heißt es in einem vertraulichen
Bericht. Das US-Militär habe in dem Militärgefängnis
auf Kuba ein „absichtliches System von grausamer, unüblicher
und entwürdigender Behandlung" eingerichtet, das
den Tatbestand der Folter erfülle.
Das Verhörsystem sei darauf ausgerichtet, den Willen der
derzeit rund 550 Gefangenen zu brechen und sie vollkommen
abhängig von ihren Vernehmungsbeamten zu machen. Dies
werde durch psychische, teils aber auch physische Gewalt
erreicht.
Das Rote Kreuz wirft dem US-Militär vor, systematisch
„entwürdigende Akte, Einzelhaft, extreme Temperaturen
und erzwungene Positionen" einzusetzen. Als „schwere
Verletzung der medizinischen Ethik" wird die Einbeziehung
von Ärzten in das Verhörsystem gewertet. Ärzte und medizinisches
Personal lieferten für Verhöre Informationen über die
mentale Verfassung und Schwachpunkte der Gefangenen. Diese
Informationen gingen in der Regel an ein „verhaltenswissenschaftliches
Beratungsteam". Es besteht laut New York Times
aus US-Psychologen und „berät" in Guantanamo
bei Verhören.
Das Rote Kreuz inspiziert das Gefangenenlager in Guantanamo
Bay seit Januar 2002. Der Bericht legt zugleich nahe,
dass sich dort die Zustände nach Bekannt werden des Abu
Ghraib-Skandals in Irak im April 2004 nicht verbessert,
sondern vielmehr verschärft haben. Das Rote Kreuz spricht
von zunehmend „ausgetüftelten und repressiven" Methoden.
Der Bericht soll dem Weißen Haus, dem Pentagon sowie dem
US-Außenministerium seit vier Monaten vorliegen. Die US-Regierung
bestritt die Vorwürfe. Ein Pentagonsprecher wiederholte
die übliche Formulierung, wonach Gefangene in dem Lager
„sicher, human und professionell" behandelt würden.
Großbritannien: Anti-Terror-Gesetze verstoßen gegen
Menschenrechte
(17.12.04) - Das höchste britische Gericht hat die
Anti-Terror-Gesetze der Regierung Blair als schwere
Verletzung der Menschenrechte verurteilt. Die Gesetze
seien mit den wichtigsten Grundsätzen des Rechtsstaates
unvereinbar und verstießen gegen die Europäische Menschenrechtskonvention,
entschieden die Lordrichter. Neun Ausländer, die als
Terroristen verdächtigt und seit über drei Jahren ohne
Prozess in Gefängnissen festgehalten werden, hatten
geklagt. Die Anti-Terror-Gesetze waren kurz nach
den Anschlägen vom 11. September 2001 im Schnellverfahren
verabschiedet worden. Sie erlauben es, Ausländer auch
ohne Anklage oder Prozess auf unbestimmte Zeit festzuhalten.
Ausreichend ist der „begründete Glaube" des Innenministers,
dass der Betreffende eine Gefahr für die nationale Sicherheit
darstellt. Auf dieser Grundlage wurden mittlerweile
über 600 Ausländer festgenommen. Die Lordrichter, das
höchste britische Berufungsgericht sowohl in Straf-
als auch in Zivilsachen, gaben den neun Inhaftierten
nun auf ganzer Linie Recht. „Unbegrenzte Inhaftierung
ohne Anklage oder Prozess ist jedem Rechtsstaat ein
Gräuel" sagte Lord Nicholls of Birkenhead.
„Das bringt die inhaftierte Person um, eben jenen Schutz,
den ein Strafprozess ihm bieten soll." Ganz offensichtlich
unrechtmäßig sei auch die Unterscheidung zwischen
Briten und Ausländern. Sie widerspreche dem Grundsatz,
dass vor dem Gesetz alle gleich sind. „Die wahre Bedrohung
für das Leben der Nation (... ) geht nicht vom Terrorismus
aus, sondern von Gesetzen wie diesen", sagte Lordrichter
Leonard Hoffmann.
CIA-Geheimknast in Guantanamo
(18.12.04) - Der US-Geheimdienst CIA hat innerhalb
des US-Gefangenenlagers in Guantanamo Bay auf Kuba
laut Washington Post ein geheimes Gefängnis betrieben.
In dem bislang nicht bekannten Komplex seien mutmaßliche
Al-Qaida-Kämpfer unter striktester Geheimhaltung untergebracht
worden, berichtete die US-Zeitung am Freitag unter Berufung
auf Militär- und Geheimdienstbeamte. Ein Mitglied
des US-Militärs sagte, dass die CIA-Einrichtung "für
fast jeden auf der Basis tabu" sei. Gefangene in
dem Spezialtrakt seien unter besonderen Regeln und
unter höherer Geheimhaltung inhaftiert worden, hieß
es in dem Bericht.
Gericht verharmlost Folter im Daschner-Urteil
(19.12.04)
- Mit dem Urteil im "Daschner-Prozess" schrammte
das Gericht nur haarscharf an der juristischen Legitimation
von Folter vorbei. Eindeutig dagegen das politische
Signal: Die Verhängung einer geringen Geldstrafe auf
Bewährung für den Vize-Polizeipräsidenten Wolfgang Daschner
und seinem ausführenden Organ, dem Kriminalkommissar
Ortwin Ennigkeit kommt einer Belohnung gleich. Das Urteil
ist nicht nur explizit milde, sondern es wurde darauf
angelegt, dass beide Staatsdiener nicht als vorbestraft
gelten, weiter alle Ansprüche haben und wieder ihren
Dienst antreten können. Der acht Verhandlungstage andauernde
Prozess wegen der Folterandrohung gegen den beschuldigten
Entführer des Jacob von Metzler bestätigt die Erfahrung
und das Vorurteil: "Eine Krähe hackt der anderen
kein Auge aus" - und es besagt, jedes Verkehrsdelikt
wiegt schwerer als die Folter.
Damit
erfüllte der Prozess seinen Zweck: Die Anwendung
von Folter ist diskutabel geworden und sie wird diskutiert.
Der "Fall Daschner" hat Folter auf die Ebene
der "Putativ-Notwehr", mit dem der polizeiliche
Todesschuss verrechtstaatlicht wurde und des "übergesetzlichen
Notstandes" gebracht. Der Begriff "lebensrettende
Folter" wurde eingeführt. Auch die Urteilsbegründung
im Daschner-Prozess hebt auf die "lauteren Motive"
der Angeklagten ab. Das Urteil im Daschner-Prozess passt
in eine internationale Entwicklung, in der bürgerliche
Demokratien sich ihrer proklamierten Enthaltsamkeit
der Folter gegenüber entledigen.
Gesetz zum Folter-Verbot gescheitert
(14.01.05) - Das Weiße Haus hat bekräftigt, dass die
Regierung "Folter nicht unterstützt und Präsident
Bush niemals" deren Anwendung anordnen würde. Sprecher
Scott McClellan reagierte damit auf Berichte ,
wonach der Präsident den Kongress dazu drängte,
auf ein geplantes neues Gesetz mit Beschränkungen bei
Verhörmethoden zu verzichten. McClellan sagte dazu,
die Regierung sei gegen die Novelle gewesen, weil extreme
Verhörmethoden bereits durch bestehende Gesetze verboten
seien. Der Entwurf sah vor, Folter und generell inhumane
Behandlung von Gefangenen durch Geheimdienstoffiziere
ausdrücklich zu untersagen. Außerdem sollte die CIA
verpflichtet werden, Ausschüssen von Senat und Abgeordnetenhaus
über Verhörmethoden Bericht zu erstatten. Außenministerin
Condoleezza Rice schrieb in einem Brief an die Opposition,
das Gesetz würde ausländischen Gefangenen Schutzmaßnahmen
garantieren, die ihnen unter den geltenden Recht nicht
zu stünden.
Aus Italien verschwunden
(15.01.05) Nach dem Verschwinden eines mutmaßlichen
islamischen Terroristen im Februar 2003 aus Mailand
prüft die italienische Justiz, ob US-Geheimdienstbeamte
den Mann entführt haben. Laut einem Bericht der des
Corriere de la Sera rief er rund ein Jahr später
seine Frau an und sagte ihr, er sei nach Ägypten verschleppt
und dort gefoltert worden. Danach verlor sich seine
Spur.
Anti-Folter-Komitee rügt britische Gefängnisse
(03.03.05) - Das Anti-Folter-Komitee des Europarats
hat die Haftbedingungen in einigen britischen Gefängnissen
bemängelt. Neben Überbelegung und Mängeln in der materiellen
Ausstattung der Gefängnisse, sei es mehrfach zu Gewalt
und schlechter Behandlung von Gefangenen gekommen, stellt
das Komitee fest.
Neues Foltervideo / Aufgabe von Abu-Ghraib-Knast erwogen
(07.03.05) - Die Zeitung The Palm Beach Post
veröffentlichte auf ihrer Website ein Video, das
weitere Fälle von verachtendem und gewaltsamem Verhalten
von US-Soldaten gegenüber Gefangenen im Irak offenkundig
macht. Unter anderem zeigt das Video einen verwundeten
Iraker, der von einem US-Soldaten getreten wird. Das
US-Pentagon hatte erklärt, es habe gegen die an dem
Video beteiligten Soldaten keine Anklagen erhoben, da
sie "kein kriminelles Verhalten" an den Tag
gelegt hätten.
Unterdessen erwägt das US-Militär nach häufigen Angriffen
Aufständischer auf das durch den Folterskandal bekannt
gewordene Abu-Ghraib-Gefängnis bei Bagdad die Verlegung
von Häftlingen an einen anderen Ort. Das Gebäude könnte
dann zur Inhaftierung gewöhnlicher Krimineller genutzt
werden, so Oberstleutnant Barry Johnson.
US-Militär
schikanierte Folterzeugen
(09.03.05)
- Ein Unteroffizier der US-Spionageabwehr im Irak, der
die Misshandlung irakischer Gefangener meldete, ist
von seinen Vorgesetzten zu einer psychiatrischen Untersuchung
gezwungen und zurück in die USA geschickt worden. Der
Unteroffizier hatte im April 2003 über die Folter irakischer
Gefangener durch seine Kameraden berichtet. Die Führung
seiner Einheit forderte ihn auf, seine Anschuldigungen
zurückzunehmen, andernfalls müsse er sich einer psychiatrischen
Untersuchung unterziehen. Der Soldat kam der Aufforderung
nicht nach. Die Psychiaterin des Bataillons sagte aus,
man habe Druck auf sie ausgeübt, damit sie den Unteroffizier
in die USA zurückschicke, obwohl er psychisch gesund
gewesen sei.
„Rendition“-
Folter und Verschwindenlassen im Auftrag der CIA
(10.03.05)
Der US-Geheimdienst hat seit 2001 bis zu 150 Gefangene
an Länder ausgeliefert, in denen gefoltert wird wie
Syrien, Ägypten, Saudi-Arabien, Jordanien, Afghanistan
und Pakistan. Diese Staaten stehen auch auf einer US-Liste
von Folterstaaten. Das bestätigte ein Regierungsbeamter.
„Wir bekommen Zusicherungen und überprüfen diese, um
sicherzustellen dass die Leute vernünftig behandelt
werden“.
Mehrere
Männer, die etwa an Syrien oder Ägypten übergeben worden
waren, haben in jüngster Zeit von schweren Folterungen
berichtet. Nach diesen Erkenntnissen lässt die CIA weltweit
Menschen entführen und verhören. Meistens verschwinden
sie spurlos.
Das Zentrum
für Verfassungsrechte (CCR), eine Bürgerrechtsorganisation,
stoppte jetzt mit einem Eilantrag die Überstellung von
13 Gefangenen aus Guantanamo nach Jemen. Das CCR geht
davon aus, dass die Häftlinge in das so genannte Rendition-System
geraten. Rendition heißt etwa Übertragung und bezeichnet
das geheime US-Programm, bei dem Gefangene außerhalb
des Rechtswegs weltweit entführt, verschleppt, festgehalten
oder ausgetauscht werden. Begonnen wurden dieses Programm
nach Angaben des Ex-CIA-Beamten Michael Scheuer 1995.
Damals wurde ein angeblicher ägyptischer Terrorist in
Kroatien entführt und den ägyptischen Behörden übergeben.
Der ehemalige CIA-Direktor George Tenet gab an, dass
bis zum 11.9.2001 weltweit rund 70 Menschen gekidnappt
wurden. Das musste noch einzeln vom Weißen Haus genehmigt
werden. Wenige Tage nach den Anschlägen 2001 hat Präsident
George W. Bush für solche Operationen in einer geheimen
Direktive eine Generalvollmacht erteilt. Öffentlich
hat die Regierung das nie bestätigt. Justizminister
Alberto Gonzales sagte im Januar, die USA überstellten
keine Gefangenen an Länder, in denen sie mit Folter
zu rechnen hätten. Grund für Überstellungen seien die
hohen Haftkosten in den USA. Zudem hätten die Verhöre
in den Ländern auch etwas gebracht. "Die Erkenntnisse
haben geholfen, Terroranschläge zu verhindern, und
Leben in den USA und anderen Ländern gerettet",
sagte der Regierungsbeamte.
"Colonia
Dignidad" / Folter durch Schäfer
(16.03.05)
- Der chilenische Arzt Luis Peebles sagte aus von Paul
Schäfer, dem früheren Chef der Deutschen-Siedlung „Colonia
Dignidad", gefoltert worden zu sein. Nach einer
Gegenüberstellung mit dem 83-jährigen Deutschen sagte
Peebles, Schäfer habe damals in der hermetisch abgeschirmten
Enklave im Süden des Landes "alles unter seiner
Kontrolle" gehabt. Der Arzt berichtete, er selbst
und andere Opfer seien 1975 mit Elektroschocks gequält,
in enge Kisten gepfercht, mit kaltem Wasser begossen
und ohne Nahrung gelassen worden.
Nach jahrelanger Flucht war Schäfer die Woche zuvor
in Argentinien aufgespürt und nach Chile abgeschoben
worden.
Folternde
US-Soldaten verklagen Nachrichtenagentur
(26.03.2005)
- Fünf Soldaten der US-Eliteeinheit Navy SEALs haben
die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) wegen der
Veröffentlichung von Fotos verklagt, die die Misshandlung
irakischer Gefangener zeigen. Mit der Veröffentlichung
habe die Nachrichtenagentur das Leben der Soldaten gefährdet
sowie das Urheberrecht und die Intimsphäre der Soldaten
verletzt, erklärte der Anwalt James Huston. Deshalb
habe er Klage auf Schadenersatz eingereicht.
US-Soldaten folterten auch in Mosul
(28.03.05) – Bekannt wurden Dokumente des US-Militärs,
nach denen Misshandlungen von Gefangenen in Irak nicht
auf das Abu-Ghraib-Gefängnis in Bagdad beschränkt waren.
Ermittlungen in einer Militärbasis in Mosul hätten ergeben,
dass Gefangene 2003 auch dort schwer misshandelt worden
seien. Die Inhaftierten in Mosul seien mit Wasserflaschen
geschlagen und teils mit Sandsäcken auf dem Kopf zu
schweren körperlichen Übungen bis zur völligen Erschöpfung
gezwungen worden. Sie wurden betäubendem Lärm ausgesetzt,
etwa durch lautstarkes Abspielen von Heavy-Metal-Rock.
Einem 20-jährigen Iraker wurde in der Haft der Kiefer
gebrochen.
Misshandlung, Folter, Tod: Keine Strafe für Frankreichs
Polizisten?
(07.04.05) - Wenn französische Polizisten Menschen
in ihrem Gewahrsam misshandeln, foltern oder gar töten,
haben sie wenig zu befürchten. Hohe Polizeibeamte, Richter
und Staatsanwälte decken den Gewaltmissbrauch und behindern
die Ermittlungen - besonders dann, wenn die Misshandelten
arabischer oder afrikanischer Herkunft sind.
"In Frankreich herrscht de facto Straflosigkeit
für Polizisten, die Menschenrechte verletzen",
sagte amnesty international. Über einen Zeitraum
von 14 Jahren wurden rund 30 Fälle von Gewaltmissbrauch
durch französische Polizei verfolgt. In dem neuen Bericht
sind 18 Fälle dokumentiert, darunter fünf Fälle von
tödlichem Schusswaffengebrauch und weitere fünf Fälle
von Tod in Polizeigewahrsam. Gerade bei der Feststellung
von Personalien geht die Polizei äußerst brutal vor.
Typisch sind Schläge mit Fäusten oder Knüppeln, die
zu gebrochenen Nasen, Augenverletzungen, Prellungen
und anderen Verletzungen führten. Vielfach behaupten
die Misshandelten, auch rassistisch beleidigt worden
zu sein. Erkennbar ist das immer wiederkehrendes
Muster: Polizei, Staatsanwalt und Gerichte verweigern
oder verzögern eine ordentliche Untersuchung der Vorfälle
und die strafrechtliche Verfolgung der mutmaßlichen
Täter in Uniform. Die Polizisten reagieren auf Misshandlungsvorwürfe
mit Gegenanzeigen wegen "Widerstands gegen die
Staatsgewalt".
Nach dem gleichen Muster wird in Deutschland verfahren. Bei
entsprechenden Vorwürfen in Deutschland verlaufen die
Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft auch
auffallend schleppend.
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