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Frankfurt, Abu Ghraib & zurück
2004 war das Jahr der Folter. Im Enduring Freedom genannten
nicht-endenden "Antiterror-Krieg" wurde Entführung,
geheime Haft, und Folter von gefangenen tatsächlichen
oder vermeintlichen Gegnern der westlichen Freiheit
etabliert. Systematisch setzten insbesondere die USA
mit dem Afghanistan-Feldzug einen globalen rechtsfreien
Raum durch. Ein juristisch-bürokratisches Regelwerk
definierte die gezielte und systematische Misshandlung
von Gefangenen als Nicht-Folter, also als legitim. Ebenso
wurde die Genfer Konvention über die Behandlung
von Kriegsgefangenen, die UNO-Menschenrechtsdeklaration
und alle Konventionen gegen Folter durch eigene "Rechtsgutachten"
ausgehebelt. Heraus kam eine mit Demokratie und Rechtsstaat
kompatible Lizenz zum Foltern.
Von höchster Stelle, dem Präsidialamt, genehmigt,
umfasst der Katalog "aggressive Verhörmethoden"
genannte Folter-Techniken: Todesdrohungen, Verhöre
von 20 Stunden Dauer, das Aussetzen der Gefangenen mit
kalten Temperaturen, lauten Geräuschen, grellem
Licht oder völliger Dunkelheit; Einsatz von Hunden;
Schlafentzug bis zu 72 Stunden und Isolationshaft, um
nur einige zu nennen.
Außerdem wurde ein System, Rendition genannt,
etabliert, das weltweit Menschen kidnappt, foltert und
verschwinden lässt.
2004 war auch das Jahr des "Folterskandals".
Erst die Fotos der gefolterten, sexuell missbrauchten
und gedemütigten Gefangenen - und die der sadistisch
vergnügten Folterer und Folterinnen - aus dem irakischen
Abu Ghraib haben die systematische Misshandlung von
Gefangenen durch amerikanische und britische Soldaten
öffentlich gemacht und weltweit skandalisiert.
Aber der Schritt vom "bedauerlichen Einzelfall"
zum System der Folter war längst vollzogen - und
auch nicht durch den Skandal wieder revidiert worden.
Die Folterer von Abu Ghraib waren zum Teil schon wegen
Brutalität und Gefangenenmisshandlung in US-Knästen
auffällig geworden - und natürlich deswegen
besonders geeignet für den Job im Irak.
Der Hausjurist des Weißen Hauses, der mit juristischer
Präzision den Folterbegriff zerlegte, um ihn für
das US-Militär handhabbar zu machen, wurde Justizminister
der zweiten Präsidentschaft von George W. Bush.
Aber nicht nur in den USA und durch sie wurde Folter
wieder eingeführt. Das spanische Gefängnissystem
sieht seit 1991 repressive Sonderbehandlungen vor. Im
Frühjahr 2004 wurde in Italien ein Gesetz beraten,
das die einmalige Folter an Gefangenen legalisiert.
In England sind durch Folter erpresste Aussagen inzwischen
gerichtsverwertbar.
Und in Deutschland trainiert die Bundeswehr Soldaten
in Folter und warb der Frankfurter Vize-Polizeipräsident
Wolfgang Daschner für Folter, und erhielt öffentliche
Zustimmung. Der Führungsstab der Frankfurter Polizei
war eingeweiht, wie auch der hessische Ministerpräsident
Koch und sein Innenminister Bouffier auf dem laufenden
gehalten wurden. Mit dem Urteil im "Daschner-Prozess"
setzte das Gericht ein eindeutiges politisches Signal:
Die Verhängung einer geringen Geldstrafe auf Bewährung
kam einer Belohnung gleich. Die Anwendung von Folter
ist diskutabel geworden und sie wird diskutiert. Der
"Fall Daschner" hat Folter als "Putativ-Notwehr",
wie den polizeilichen Todesschuss, auf den "übergesetzlichen
Notstand" gebracht. Der Begriff "lebensrettende
Folter" wurde eingeführt.
Anti-Folter-Kampagne
Angesichts dieser Entwicklung ist es mehr als notwendig
eine radikale Kampagne gegen Folter und geheime Lagerhaft
zu entwickeln. Ein Schwerpunkt dieser Kampagne muss
die Bloßstellung von denjenigen Personen und Institutionen
sein, die Folter befürworten und legitimieren.
Denn: Wer Folter rechtfertigt und verteidigt macht sie
praktikabel. Aber auch Folter ist keine Meinung, die
man haben kann oder nicht.
Aufgezeigt werden sollen die Zusammenhänge von
imperialistischen Interessen und der Funktionalisierung
und Liquidierung der Menschenrechte. Sie soll die Heuchelei
sowohl der "Koalition der Willigen" wie die
der "Unwilligen" angreifen, den Legenden der
"Ausrutscher" die Systematik gegenüberstellen,
- eben Stellung beziehen gegen Folter, gezielte Tötungen,
Lager etc.
Für diese Kampagne hat Libertad! unter dem Motto
"Solidarität & Widerstand / Stoppt Folter,
Hinrichtungen, Sonder- und Lagerhaft" eine Plakatserie
entwickelt. Sechs Plakate thematisieren exterritoriale
Lagerhaft, extralegale Tötungen und Todesstrafe,
Folter, Isolations- und Sonderhaft, Folterbefürwortung
und Selektionslager für Flüchtlinge.
Einige Plakate sind bereits gedruckt. Die farbigen Plakate
sind durch identische Elemente als Serie erkennbar.
So wird der Bogen gespannt von Guantanamo-Bay, über
Abu Ghraib, den staatlichen gezielten Tötungen,
den Folter-Jointventures, der Folterdebatte in Deutschland
bis zu den Abschottungsstrategien gegen Flüchtlinge
und den neuen Sicherheitsgesetzen, DNA-Datei usw.
Infos: http://www.libertad.de/antifolter2005
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