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Berichte zum Aktionstag 18. März 2006

 

 


Transparentaktion an der Porta Nigra in Trier
Zum Aktionstag 18.03.06

Am Morgen des Aktionstages wurde an der Porta Nigra in Trier ein Transparent aufgehängt.
Etwa eine 3/4 Stunde konnte es immerhin hängen am "wichtigsten" Gebäude der Stadt.

 

 


Bericht: Fahrrad-Demo am 18.03.06 in München

 

Im Rahmen des bundesweiten Aktionstages für die Freiheit der politischen Gefangenen und gegen staatliche Repression fand in München, am 18. März, eine Fahrraddemo statt.

Los ging es im Anschluss an die Kundgebung "Stoppt den drohenden Krieg gegen den Iran", anlässlich des dritten Jahrestages des Irak-Krieges, vom Marienplatz. Libertad-Süd hatte im Abschlussbeitrag auf der Kundgebung der FriedensaktivistInnen bereits Einiges zur Geschichte des 18. März und zu den politischen Schwerpunkten des diesjährigen bundesweiten Aktionstages gesagt.

Ziel der Radldemo war zum Einen, den Zusammenhang zwischen den Angriffen von Polizei und Justiz gegen politische AktivistInnen, MigrantInnen oder Anderen, die nicht ins hightech-gemütlich-reiche Biergartenmünchen passen, anzuprangern. Zum Anderen, den Zusammenhang zwischen Krieg und Folter zu benennen und die eklatanten Verletzungen der Menschenrechte innerhalb der Gefängnisse und in legalen und extra-legalen Lagern weltweit zu thematisieren .

Schon das erfreuliche Bild vieler RadlerInnen auf dem Marienplatz hinterließ einen positiven Eindruck. Wir waren ca. 100 TeilnehmerInnen und gaben auf der Straße ganz schön was her: unüberhörbar, bunt und ausdruckvoll von Anfang bis zum Ende!

Vom Marienplatz ging es zur Europäischen Vertretung. Dort wurde die europäische Sicherheits- und Abschottungspolitik von einem Vertreter der Karawane thematisiert. Zurück ließen wir ein kleines Kunstwerk hinter Plexiglas: das europäische Symbol umwickelt mit Stacheldraht und darin hängen gebliebenen Kleidungsstücken. Ceuta und Melilla lassen grüßen!

Dann ging es weiter zum Amerikanischen Generalkonsulat. Hier wurden von einem Vertreter des Münchner Bündnis gegen Krieg und Rassismus die konkreten Zusammenhänge zwischen Krieg und Folter aufgezeigt.

Nach einer Umrundung der Siegessäule machten wir Halt beim Bayrischen Innenministerium. Vertreter der SDAJ bezogen in ihrem Beitrag eindeutig Stellung zur ausufernden Repression gegen AntifaschistIen und anderen AktivistInnen in München.

Zu Fuß erreichten wir dann das Polizeipräsidium in der Ettstr., das nicht nur für linke AktivistInnen aus der Stadt ein Sinnbild für Polizeiwillkür ist. Der Redebeitrag von Libertad-Süd zeigte nicht nur die aktuelle Willkür auf, denen Menschen hinter diesen Mauern ausgeliefert sind, sondern bezog sich auch auf die unsägliche historische Vergangenheit dieses Ortes, vor allem zu Zeiten der Nazidiktatur.

Wir sind der Meinung, dass die Radl-Demo politisch ein voller Erfolg war und zudem hat es total Spaß gemacht!

Münchner Aktionsbündnis 18.3.2006


Rede auf der Demo
Heute jährt sich zum 11. Mal der Aktionstag für die Freiheit der politischen Gefangenen und gegen staatliche Repression. In verschiedenen Städten wurde und wird dieser Tag mit zahlreichen Aktionen auf der Straße, Veranstaltungen, Kundgebungen vor Knästen und auch Demonstrationen gefüllt.
Der 18.3. ist von historischer Bedeutung:
1848 sah dieser Tag den Beginn der ersten deutschen Revolution
1871 begannen am 18.3. die Tage der Pariser Commune
Dann in den 20er Jahren rief die Rote Hilfe diesen Tag als Aktionstag für die politischen Gefangenen aus. Bis der Faschismus dieser Tradition ein Ende setzte.

Solange die Menschenrechte nicht für alle Menschen gelten, wird es Kämpfe geben. Solange die Verteilung von Rohstoffen in der Hand korrupter Politiker und Kriegstreiber sind, wird es auch dagegen Kämpfe geben.
Solange die Verhältnisse nicht grundlegend verändert sind, wird es Kämpfe geben. Es wird Gefangene geben, es wird Flüchtlinge, Migrantinnen und Migranten geben, weil Menschen sich nicht abfinden mit den Zuständen und auf eine bessere Zukunft hoffen.
Die Menschenrechte werden uns nicht geschenkt, von keiner Regierung, keinem Staat, keiner internationalen Institution. Sie werden erkämpft. Der 18. März als Kampf- und Aktionstag soll daran erinnern, dass jeder Tag ein Kampftag sein müsste.

Im Nahmen der Menschenrechte wird gefoltert! Dies ist aber nichts neues!
Trotz Menschenrechtscharta und Antifolter-Konvention, Folter war nie wirklich geächtet oder gar verschwunden. Die Franzosen folterten systematisch in Algerien genauso wie die Briten gegen die irisch republikanische Bewegung. Ganze Generationen von Folterspezialisten wurden in den USA zur Aufstandsbekämpfung im Trikont ausgebildet. In Spanien und der Türkei wird bis heute gefoltert. In Deutschland kämpften politische Gefangene jahrzehnte lang gegen Folter durch Isolation, die bis heute angewandt wird und mit dem Argument, die Türkei EU-tauglich zu machen,
dorthin exportiert wurde. Mehr als 100 Gefangene starben in den letzten Jahren im Kampf gegen die Einführung der Isolationsfolter in der Türkei. Im Frühjahr 2004 wurde in Italien ein Gesetz beraten, das die einmalige Folter an Gefangenen legalisiert.
Immer wieder gibt es Tote in Gefängnissen, z.B. gab es in spanischen Knästen in letzter Zeit 3 tote baskische Gefangene, einer wurde mit gefesselten Händen erhängt in seiner Zelle aufgefunden!

Und überall wo es Krieg gibt, gibt es Folter. Niemand bestreitet mehr, daß im Rahmen des Krieges gegen den Terrorismus Menschen entführt werden, in geheime Gefängnisse verbracht werden, gänzlich ohne Rechte dort jahrelang gequält, gefoltert und z.T. auch umgebracht werden.
Solche globalen rechtsfreien Räume, die Außerkraftsetzung von Menschenrechten im Nahmen der Menschenrechte sind nicht nur alltäglich, sie sind auch systematisch:
der Krieg dient unmittelbar der Disziplinierung und autoritären Strukturierung der westlichen Gesellschaft, und er schafft eine globale Realität, in der immer mehr Menschen im Niemandsland der Rechtlosigkeit landen!

Im Zentrum dieser Politik stehen die Lager. In sie werden Menschen gesperrt, die nach herrschender Auffassung als schädlich oder gefährlich gelten oder weil man sie sich vom Leibe halten will.

Guantanamo, die "Black Sites" der CIA oder die "rendition" genannte Übergabe von Gefangenen an Folterstaaten wie Syrien oder Marokko gehören genauso in diesen Zusammenhang wie die Lager des globalen Migrationsregimes.
Das reicht von Woomera in der Wüste Südaustraliens bis hin zu den neu geplanten EU-Lagern in Nordafrika und den Sammel- und Abschiebelagern in Deutschland.
Lager stehen für Ausgrenzung, Entrechtung und Verfügungsgewalt in den Händen staatlicher Macht. Lager sind Orte eines organisierten Ausnahmezustands.

Die Folter ist in den Schlagzeilen - aber es ist falsch sie für eine Angelegenheit der USA zu halten.
Die Bundeswehr macht Foltertraining, ein frankfurter Polizeipräsident propagiert Folter, das BKA profitiert von erpressten Aussagen, der BND gibt Folter-Aufträge und, und, und...
Ein Skandal jagt den nächsten, wird untersucht, aufgeklärt, ein bis zwei "Schuldige" verurteilt und abgehakt.
Aber der Schritt vom "bedauerlichen Einzelfall" zum System der Folter ist längst vollzogen. Mit der entsprechenden gesellschaftlichen Unterfütterung: unbekümmert und selbstverständlich wird in Talkshows über Pro und Contra von Folter diskutiert. Flüchtlinge werden als "Illegale" denunziert, verbunden mit den Begriffen "Kriminalität" und "Terrorismus". Und als Pendant zum illegalen und rechtlosen Einwanderer, finden wir im "Krieg gegen den Terror" den unrechtmäßigen und ebenfalls rechtlosen Kombattanten.
"Stress- und Zwangstechniken" sind neue Bezeichnungen für "legale" Folter, mit 'Manipulation des Befragungsumfeldes' ist gemeint, Gefangene extremer Hitze und Kälte auszusetzen, "Anpassung der Schlafgewohnheiten" bedeutet Schlafentzug.
Folter, Verschwinden lassen, Lager und extralegale Hinrichtungen existieren nicht außerhalb unserer Gesellschaft und wirken sich direkt auf diese aus.

Aktuell fand die Nichteinhaltung minimalster Menschenrechte ihren Ausdruck in der Stürmung des Gefängnisses in Jericho/Palästina, bei der mindestens 2 Menschen umgebracht wurden. Ziel des Einsatzes war es den Generalsekretär der PFLP (Volksfront für die Befreiung Palästinas) Saadat und weitere Männer dort herauszuholen. Was der israelischen Armee vermittels ihrer Brutalität ziemlich schnell auch gelang.
Dem Angriff auf das Gefängnis war der Abzug der britischen und us-amerikanischen Soldaten und "Beobachter" vorausgegangen, deren Aufgabe es war, Saadat und die anderen Gefangenen zu überwachen und zu bewachen. Dies war Teil einer internationalen Vereinbarung aus dem Jahre 2002.
Der Abzug machte den brutalen Überfall erst möglich!

An den genannten Verhältnissen muß sich etwas ändern, und das ist nicht die Aufgabe von Menschenrechtsgruppen, das ist unser aller Aufgabe, denn hier gilt auch: wer schweigt stimmt zu!

Deswegen wollen wir nach Ende dieser Kundgebung die Fahrarddemo starten:
Los gehts am Marienplatz über
-die europäische Vertretung, um gegen die europäische Sicherheits- und Abschottungspolitik zu protestieren
-das amerikanische Konsulat, als die Vertretung eines Landes das legal hinrichtet und immer legaler foltert
-das bayrische Innenministerium am Odeonsplatz in seiner Funktion als bundesdeutsche Behörde und als Vertreterin der bayrischen Innenpolitik,
-von dort geht's dann zu Fuß weiter in die Ettstraße zum Polizeipräsidium - ein Ort, der nicht nur für linke AktivistInnen in der Stadt wohl das Sinnbild für Polizeiwillkür ist.

wer ohne Fahrrad ist: wir treffen uns ca. um 17:00hr am Innenministerium und kurze Zeit später an der Abschlußkundgebung in der Ettstraße!

Stoppt Folter - in Guantanamo, in Stuttgart-Stammheim und überall!
Stoppt Sonder- und Lagerhaft - in Abu-Graib, in Fürth und überall!
Menschenrechte gelten für alle - bedingungslos, unteilbar und ohne jedes wenn und aber!

Zum Schluß noch solidarische Grüße an die Protestaktionen und den Widerstand in Frankreich gegen das Kündigungsschutzlockerungsgesetz und die von der brutalen Räumung der Universität Sorbonne Betroffenen in Paris!

Ebenfalls solidarische Grüße an die heutige Demonstration in Frankfurt zum kurdischen Newroz-Tag!


Rede Ettstraße


So nun stehen wir also vor dem Polizeipräsidium in der Ettstraße. Seinen hohen Bekanntheitsgrad in ganz Deutschland verdankt es nicht nur den Münchner Tatort Kommissaren Batic und Leitmeier sondern auch der Rolle, die es bei bundesweiten Demonstrationen immer wieder gespielt hat. So haben viele AktivistInnnen während der Mobilisierungen gegen die sog. Natosicherheitskonferenz Stunden und Tageweise in den Zellen der Ettstraße verbracht. Und die Älteren unter uns können sich sicherlich auch noch an den "Münchner Kessel" während der Aktionen gegen den WWG 1992 erinnern, in dessen Verlauf mehrere hundert Demonstranten in die Ettstraße abtransportiert wurden, weil sie mit ihren Trillerpfeifen für die hohen Herrschaften eine ernsthafte Bedrohung darstellten. Die Klagen gegen diesen Polizeikessel wurden übrigens auch gewonnen, nur leider hatte das keinerlei Auswirkungen auf das zukünftige Verhalten der Münchner Polizei.

Hier in der Ettstraße befindet sich auch die Politische Polizei, die sich in erster Linie damit beschäftigt linke AktivistInnen auszuspitzeln und zu schikanieren. Sei es wegen antifaschistischer Aktivitäten oder Aktionen gegen Krieg und Sozialabbau, es wird jede Möglichkeit genutzt Versammlungen und Demonstrationen zu behindern oder zumindest ein ganzes Heer von Beamten in Zivil unter die Demonstranten zu mischen. Die berühmt-berüchtigte bayerische Linie umzusetzen scheint den Herrschaften in der Ettstraßee ein zentrales Anliegen zu sein. In keiner anderen Stadt in Deutschland und nicht einmal in Bayern ist es so schwer linke Politik zu machen.

Aber nicht nur linke AktivistInnen kennen und hassen das Polizeirevier in der Ettstraße. Auch Ladendiebe, nicht deutsch wirkende Menschen, Obdachlose oder Jugendliche, die mal schwupp auf der Straße aufgegriffen werden wissen wie die Seite des Polizeireviers aussieht, die man im Tatort kaum zu Gesicht bekommt. Im Inneren eines Polizeireviers herrscht, ähnlich wie im Knast, eine völlig andere Realität. Nur durch eine Mauer vom Rest der Welt getrennt ist man hier auf Gedei und Verderb dem Gutdünken Beamten mit und ohne Uniform ausgeliefert. Tür auf, Tür zu, Verhör, Essen, Schlafen, ED Behandlung, die Dinge passieren eine Kontrolle ist kaum möglich. Und das wissen alle Polizisten überall auf der Welt, was in den Polizeikasernen und Gefängnissen passiert, dringt selten nach draussen und interessiert auch kaum jemanden.

Doch nun zurück zum Polizeipräsidium. Das hatte schon zwischen 1919 und 1921 nach der gewaltsamen Niederschlagung der Räterepublik unter dem Polizeipräsidenten Ernst Pöhner (der übrigens von der zurückgekehrten SPD-Regierung eingesetzt worden war) den Spitznamen "Mörderzentrale in der Ettstraße" erhalten. In diesen Tagen hatte sich München zum Zentrum der erstarkenden rechten Gegenrevolution, zum Mittelpunkt der "Ordnungszelle Bayern" entwickelt. Eine unübersehbare Zahl patriotischer und nationaler Vereine, nationalistischer Organisationen und Verbände prägte das Bild der Stadt.

Dementsprechend militaristisch und aggresiv war die Stimmung. Antisemitische Äusserungen wurden in zunehmendem Maße gesellschaftsfähig, politische Willkürakte und nationalistische Ausschreitungen an der Tagesordnung. Überfälle auf Sozialdemokraten, Schlägereien bei Politveranstaltungen, Terrorakte gegen Linke und Demokraten - alles wurde behördlich toleriert vertuscht oder ignoriert. München wurde zur "Hauptstadt der Bewegung"

Pöhner, der völkisch orientierte ehemalige Direktor der Strafanstalt Stadelheim, hatte über den Nazi-Schriftsteller Dietrich Eckhart den jungen Hitler kennen gelernt, der später über ihn in "Mein Kampf" sagen sollte daß erbereit sei: "für die Wiedererstehung des von ihm über alles geliebten deutschen Volkes alles, auch wenn nötig seine persönliche Existenz aufs Spiel zu setzten und zu opfern."

Also der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Aber Pöhner war nicht alleine. Wilhelm Frick (nach 33 Reichsinnenminister und nach der Ermordung von Reinhard Heydrich
sein Nachfolger als Reichsprotektor für Böhmen und Mähren) war bis zu seiner Teilname am Hitlerputsch 1923 Leiter der politischen Polizei.

Die beiden Pöhner und Frick- waren nicht die einzigen Nazis in führender Stellung innerhalb der Münchner Polizei. Die Münchner Rechtabteilung der politischen Polizei unterstand dem späteren Justizminister und führenden Nazi Christian Roth. Heinrich Müller, der spätere Chef der Gestapo in Berlin, war für die Verfolgung der Kommunisten zuständig um nur einige Beispiele zu nennen. Klar, dass die Verfolgung faschistischer Umtriebe mit einer solchen Polizeiführung nicht stattfand Pöhner, Frick und Kollegen hielten "ihre schützende Hand über Herrn Hitler und die nationalsozialistische Partei." (Zitat Frick während des Hitlerputsch Prozesses)

Nach der Machtübernahme durch Hitler wurde die Polizei der "Hauptstadt der Bewegung" von Nazieliten geführt.
Am 9. März 1933 erhielt SS-Führer Heinrich Himmler das Amt des kommissarischen Polizeipräsidenten Müchens und Reinhard Heydrich die Leitung der Politischen Abteilung, die allein im März 1933 für die Festnahme von ca 5000 Menschen verantwortlich war. Die überfüllten Gefängnisse und die Schreie der Gefolterten waren Anlaß für Himmlers Ankündigung am 20.März 1933 außerhalb der Stadt ein Konzentrationslager zu errichten.

Soweit ein kleiner Ausflug in die Geschichte des Polizeireviers Ettstraße. Die Greuel die in all den Jahren hinter diesen Mauern Menschen angetan wurden wären eigentlich Grund genug den ganzen Komplex einzureißen. Das ist nie geschehen, obwohl sich viel geändert seit dem Faschismus. Aber was sich nicht geändert hat ist die Willkür mit der Polizeibeamte in ihren Revieren herrschen, auch in den so genannten westlichen Demokratien. Corpsgeist und die Unangreifbarkeit von Polizeibeamten waren sicherlich ein Grund warum es zu den Folterungen von Globalisierungsgegnern in der Polizeikaserne von Bolzaneto kommen konnte. Die Straflosigkeit auf die Polizisten viel zu oft bauen können führt dazu, dass hinter den verriegelten Türen Menschen unter widrigsten Umständen zu Tode kommen, in ihren Zellen verbrennen, körperlich misshandelt und beleidigt werden. Besonders Menschen die hier Asyl suchen leiden unter Polizeigewalt in diesem Lande, aber nicht nur sie. Auch Drogensüchtige, Obdachlose, insgesamt Menschen, die keine Lobby haben werden regelmäßig Opfer dieser Zustände.

Auch die so genannten braven Bürger wissen, dass es sinnlos ist gegen einen Polizisten auszusagen, es ist eigentlich jedem klar was passiert ist wenn einer auf einer Wache "die Treppe runterfällt".

Das sind Gründe genug um heute am 18. März, dem bundesweiten Aktionstag gegen Repression, unseren Protest hier vor die Ettstraßenwache zu tragen. Hier ist das zentrale ausführende Organ der Repression in der repressivsten Stadt im repressivsten Bundesland Deutschlands.

Wir brauchen keine Polizei um uns sicher zu fühlen. Was wir brauchen sind Lebensbedingungen, die jedem Menschen ein Leben in Würde und wirtschaftlicher Sicherheit ermöglichen. Sicherheit heißt für uns ein Leben ohne Kriege und Ausbeutung, hier und weltweit.

Unsere Solidarität gehört denen, die hier erfasst, befragt und festgehalten werden.


18.03 Kundgebung , Stuttgart, Stammheim
Kundgebung zum Tag der politischen Gefangenen und gegen staatliche Repression am 18.03 in Stuttgart, Stammheim.

Zur Kundgebung vor dem Knast in Stuttgart Stammheim versammelten sich am 18.03 zeitweise ca. 40-50 Personen.

Dies lag wohl daran, dass viele Leute die Demo in Crailsheim bevorzugten.

In den Redebeiträgen ging es zum einen um die Situation der Gefangenen zum anderen zu der zunehmenden Repression, die linke Gruppen zurzeit ertragen müssen.

Die Polizei war zwar anwesend, blieb aber die ganze Veranstaltung über in ihren Fahrzeugen.

Kritik : Leider war aus technischen Problemen die Lautstärke der Redebeiträge zu leise, die Kundgebungsteilnehmer konnten zwar die Redebeiträge verstehen, jedoch die Knastinsassen eher weniger.

Trotzdem halten wir es für wichtig sich auch an solchen Aktionen zu beteiligen und die Genossen im Knast nicht alleine zu lassen.


18.3.- Demo Berlin gegen Krieg & für die Freiheit der politischen Gefangenen


Ein breites Bündnis von der Friedensbewegung über Attac, Linksruck, WASG-Berlin bis hin zu Autonomen und InternationalistInnen sowie türkischen Gruppen hatte zu einer gemeinsamen Demo am weltweiten Aktionstag gegen Krieg und für die Freiheit der Gefangenen aufgerufen.
kleiner Überblick über Demos in aller Welt: http://de.indymedia.org/2006/03/141661.shtml (siehe auch http://www.indymedia.org )

Im Anschluss an eine Internationalistische Konferenz ( http://www.18maerz06.tk ), die am 17. und 18.3. mit jeweils ca. 100 TeilnehmerInnen gut besucht war, begann ab 15:30 Uhr die Auftaktkundgebung am U-Bhf. Mehringdamm in Berlin-Kreuzberg, die ganz im Zeichen des weltweiten Aktionstag gegen Krieg und dem Tag des politischen Gefangenen stand: Artikel in der jungenWelt: http://www.jungewelt.de/2006/03-16/031.php?sstr=internationale

Die RednerIn der Internationalen Roten Hilfe aus der Schweiz machte in ihrem Auftaktbeitrag auf das besondere Datum, den 18.3. als Tag des revolutionären Gefangenen und dem Tag der Pariser Commune aufmerksam und schilderte die Situation der Langzeitgefangenen und die Verschärfung der Gesetze in allen europäischen Ländern. Eine Grußbotschaft von einer in Paris zeitgleich stattfindenen Kundgebung in Gedenken an die letztlich verstorbene Joëlle Aubron (sie wurde vor einiger Zeit wegen ihres aktuten Gesundheitszustandes entlassen und war Militante der Action Directe. Infos: http://www.action-directe.net ) wurde verlesen und eine Grußbotschaft von der Berliner Demo wurde telefonisch nach Paris übermittelt. Auch auf die letzten Gefangenen aus der RAF in der BRD wurde aufmerksam gemacht.
Paris Kundgebung: http://www.secoursrouge.org/agenda.htm

Danach schilderte Said Dudin, ein palästinensischer Journalist, die Situation in den Ländern des Nahen Ostens, insbesondere in Palästina und Irak und warnte vor der bevorstehenden Ausweitung des Krieges im Nahen Osten.

Mittlerweile haben sich ca. 600 Menschen zur Kundgebung eingefunden und die Demonstration ging los. Im Verlauf der Demonstration schlossen sich immer mehr Menschen an, so dass zeitweilig bis zu 1000 Leute auf der Demonstration waren. Das Bild der Demo war sehr bunt und vielfältig: von Friedensluftballons über zahlreiche Transparente aus verschiedensten Ländern oder TeilnehmerInnen aus dem Iran, die über das reaktionäre Regime im Iran aufmerksam machten und zeitgleich den bevorstehenden Angriffskrieg auf den Iran verurteilten bis hin zu baskischen TeilnehmerInnen, zahlreichen türkischen Blöcken der verschiedensten Organisationen sowie Autonomen.

Inhaltlich richteten sich die Parolen, Sprechköre, Transpis und Demoschilder (a la Linksruck) gegen den Krieg und die Besatzung im Irak, Palästina als auch gegen die bevorstehende Ausweitung des Krieges und die Militarisierung - nicht nur gegen die USA, sondern auch gegen die Deutsche Kriegsbeteiligung und die Folter in den illegalen Knästen. Zahlreiche Gruppierungen und Transpis machten auch auf die Lage der Gefangenen gerade am 18.3. aufmerksam und forderten die Freilassung.
Fotobericht auf Indy: http://de.indymedia.org/2006/03/141639.shtml (demnächst bitte Gesichter unkenntlich machen )

Die Springer-Presse machte hier nur auf die Geduld der Autofahrer aufmerksam, angesichts des krassen Demo-Mixes (18 Demos waren am Samstag in Berlin angemeldet): http://morgenpost.berlin1.de/content/2006/03/19/berlin/817743.html

Eine Provokation durch die Polizei verursachte eine halbstündige Auseinandersetzung am U-Bhf. Südstern, wobei 3 Leute festgenommen worden sind, einer der Gefangenen kam heute früh frei. Solidarisch umringten zahlreiche TeilnehmerInnen der verschiedensten Spektren die Bullenwanne in denen einer der Festgenommenen verfrachtet wurde um die Freiheit zu fordern. Die Bullen reagierten irgendwann gereizt und setzten Pfefferspray ein und gingen äußerst brutal gegen einen türkischen Genossen vor.

Nachdem ein weiteres Bullenaufgebot den eingekreisten nervösen Greiftrupp befreite und sich die Bullen zurückziehen mußten, und die Festgenommenen zur Gewahrsammsstelle in Tempelhof gefahren wurden, beruhigte sich die Situation und die Demonstration konnte weitergehen. Vermutet wurde, dass die Provokation geplant war, um die Demonstration des sehr breiten Spektrums zu stoppen bzw. zu chaotisieren.

Danach schlossen sich in Neukölln immer mehr neugierig gewordene Jugendliche der Demonstration an und lautstark ging es weiter über den Kottidamm, Kottbusser Tor, Oranienstraße zur Abschlusskundgebung am Heinrichplatz.

Dort gab es eine Abschlusskundgebung auf der unter anderem die linke Abgeordnete Heike Hänsel gegen Krieg und Militarisierung und der deutschen Kriegsbeteiligung informierte, weiterhin referierte der iranische Professer Mohssen Massarat über den bevorstehenden Angriff auf den Irak, die Vorsitzende einer kolumbianischen Bauerngewerkschaft aus Kolumbien (Luz Perly Cordoba) informierte über den schmutzigen Krieg der Paramilitärs und der US-amerikanischen Streitkräfte die an der Grenze zu Venezuela in Kolumbien stationiert sind. Darüber hinaus machte sie aufmerksam auf die ca. 3000 (oder mehr?) politische Gefangene in Kolumbien, die Repression gegen Gewerkschafterin und forderte die Freilassung aller politischen Gefangenen weltweit. In ihrer Rede bezog sie sich auf den 18.3. als Tag des politischen Gefangenen und Tag der Pariser Commune, darüber hatte sie sich auf der Internationalistischen Konferenz informiert. Ein weiterer Redner machte auf die anstehende Großdemo gegen den sozialen Kahlschlag in Berlin aufmerksam.

Die Demonstration war für viele auch ein Auftakt für weitere Aktivitäten, z.B. wenn Bush im Juni/Juli nach Deutschland kommt und sich der Krieg und die Gesetztesverschärfungen ausweiten bzw. die BRD in immer mehr Ländern kriegerisch mitmischen wird



500 bei Antirepressionsdemo in Potsdam

Solidarisch gegen Repression - 500 Linksradikale demonstrierten in Potsdam am "Tag der politischen Gefangenen".
Am Sonnabend fand in Potsdam eine linksradikale Demonstration zum "Tag der politischen Gefangenen" statt (Fotos hier). Vom Hauptbahnhof aus zogen die etwa 500 TeilnehmerInnen in die Innenstadt und forderten auf Transparenten und mit Sprechchören "Freiheit für alle politischen Gefangenen". Die Aktion, die unter dem Motto "Dont let the System get you down" stand, wurde von einem überregionalen Bündnis linker Gruppen organisiert. Als Bezugspunkte (Vergleiche hierzu den Demo-Aufruf) dienten die Spitzeleien und das eventuell anstehende §129-Verfahren gegen Linke in Frankfurt/Oder, die seit Jahren andauernde Repression in Magdeburg sowie die Ermittlungen gegen Antifas in Potsdam.Neben diesen konkreten Anlässen wurde gleichzeitig auch gegen staatliche Repression in einem weiter gedachten Rahmen protestiert. Der Abbau von Freiheitsrechten, die Erweiterung von Befugnissen für die Polizei, der verstärkte Einsatz von Videoüberwachung im öffentlichen Raum, die Vertreibung von beispielsweise Punks und Obdachlosen aus Innenstädten, die behördliche Ausgrenzung von Flüchtlingen wurden von den DemonstrantInnen kritisiert. Die Polizei war mit einem großen Aufgebot vor Ort und filmte die DemonstrantInnen permanent mit Videokameras ab. Von kleineren Rangeleien am Rande abgesehen kam es jedoch zu keinen nennenswerten Zwischenfällen.Zur offensichtlichen Freude der Demo-TeilnehmerInnen war wenige Tage zuvor bekannt geworden, dass im Fall der Ermittlungen gegen Potsdamer Antifas der Vorwurf nun nicht mehr auf "versuchten Mord" lautet sondern nur noch wegen "gefährlicher Körperverletzung" ermittelt wird (mehr dazu hier). Diese Abschwächung war für viele nicht zuletzt das Ergebnis der seit Monaten laufenden Solidaritätsarbeit. Hintergrund des Falls ist eine Antifaaktion im Juni vergangenen Jahres, in deren Verlauf ein Neonazi in der Potsdamer Innenstadt eine Platzwunde am Kopf davon trug. Dem gegenüber stehen dutzende rechtsextreme Übergriffe in der Landeshauptstadt innerhalb weniger Monate.Zeitgleich zur Demo in Potsdam hatten in Berlin-Friedrichshain rund 3000 Menschen an einer Anti-Nazi-Demonstration teilgenommen.


Grussbotschaft für Erdogan E.

Seit dem 21. Februar sitzt du, Erdogan, in Arlesheim, mittlerweile Liestal, im Knast. In der Türkei politisch aktiv lebst du seit 9 Jahren als anerkannter Flüchtling in der Schweiz. Die Schweiz folgt einem Ersuchen des Türkischen Staates nach deiner Auslieferung, obwohl in der Türkei mit Sicherheit nicht nur langjähriger Knast, sondern auch Folter, warten. In einem Land, das laufend seine Asyl- und Ausländergesetzgebung verschärft, ist solches möglich.

Das Begehren, die Türkei in die EU einzubetten, legt für die EU-(genauso wie für die schweizerischen)Regierenden, die Behauptung nahe, dass die Türkei Reformen einleitete, die aus der Vergangenheit der Militärdiktatur wegweisen. Immer wieder wird das Hohelied der türkischen Menschenrechte gesungen und dabei steht den verhandelnden Ministern das imperialistische Interesse offen ins Gesicht geschrieben. Allerdings steht in der Türkei trotz Reformen die Folter noch immer auf der Tagesordnung. Wir haben noch zu gut in Erinnerung, wie der türkische Staat das Todesfasten gegen die F-Typ-Gefängnisse beendet. 28 RevolutionärInnen verloren dabei ihr Leben.

Lieber Erdogan, wir schicken Dir unsere grösste Solidarität und unsere aktive Unterstützung. Deine Situation ist leider kein Einzelfall, weswegen unser Widerstand an deinem Beispiel konkret wird, sich aber immer auch gegen die rassistische schweizerische Migrationspolitik im allgemeinen richtet!

Stopp der Auslieferung!
Solidarität ist eine Waffe!
Freiheit für Erdogan E.!
Freiheit für alle politischen Gefangenen!

Revolutionärer Aufbau Schweiz


Rede, gehalten an der Demonstration in Basel vom 18.3.2006:
Seit dem 21. Februar sitzt Erdogan E. in Arlesheim und Liestal im Knast. Noch ist nicht klar, ob das Auslieferungsgesuch der türkischen Behörden verhindert werden kann, ob Erdogan in die Türkei ausgeliefert wird oder nicht.

Was aber klar ist, das sind die Gründe, warum Erdogans Auslieferung verhindert werden muss. Im Hintergrund unserer Solidarität mit einem Genossen und unseren Kämpfen für Befreiung spielt nämlich eine ganz andere Musik.
Die Schweiz verschärft seit Jahren laufend ihre Praxis im Bereich der Migration. Es geht die rassistische Rede um von Ausländern, die dem Schweizer Staat zur Last fallen. Das neue Ausländergesetz und das revidierte Asylgesetz verschärfen die Situation für Migranten und Migrantinnen in fataler Weise. So führt das neue Ausländergesetz zu einer Spaltung von Menschen, die in der Schweiz leben, in solche, die aus EU-Ländern und solche, die aus Nicht-EU-Ländern kommen. Das neue Asylgesetz schafft das Recht auf Asyl faktisch ab und verschärft die sowieso schon skandalösen Zwangsmassnahmen. Die Schweiz richtet sich an der rassistischen Abschottungspolitik der EU aus und steht mit repressiven Gesetzesverschärfungen in nichts nach. Diese EU verhandelt nun mit der Türkei um deren Beitritt in die Europäische Union. Insbesondere das deutsche Großkapital befürwortet eine weitere EU-Anbindung des Landes und steht damit in der Tradition eines langen imperialistischen Interesses an der Türkei, auf das 1916 bereits Rosa Luxemburg aufmerksam machte. Der beschönigende Ausdruck ist der allenthalben gehörte Ausdruck der geopolitischen Bedeutung der Türkei. Die deutsche Kanzlerin Merkel formuliert dieses Interesse, indem sie darauf verweist, dass die Anbindung in erster Linie aus Zollunion und NATO-Waffenbrüderschaft bestehen soll und weniger aus EU-Subventionen.

Diese beabsichtigte Einbindung der Türkei lässt die EU-Regierenden denn auch das Hohelied auf die verbesserte Menschenrechtssituation in der Türkei singen. Die Türkei hat zwar Reformen eingeleitet, aber ihre Praxis ist geprägt von einer Situation, die in der Nachfolge des Militärputsches von 1980 steht. Menschenrechtsverletzungen und Folter stehen nach wie vor auf der Tagesordnung. Eine der türkischen Reformen sei hier hervorgehoben: Die F-Typ-Gefängnisse, die die Gefangenenkollektive sprengen und in Einzelzellen verfrachten sollen. Kurdische und türkische revolutionäre Gefangene kämpften erbittert bis hin zum Mittel des Todesfastens gegen diese Gefängnisse. Ihr Todesfasten wurde am 19. Dezember 2000 mit einem Massaker beendet, bei dem 28 Gefangene ihr Leben verloren und hunderte verletzt wurden.

Dies ist die Situation in der Türkei. Erdogan, der in der Türkei politisch aktiv war, würde einer äusserst unsicheren Zukunft entgegen gehen, wenn diese Abschiebung nicht gestoppt wird. Wir wollen darum die Bemühungen für seine Freilassung nach Kräften unterstützen und möglichst grossen Druck auf die Schweizer Behörden organisieren!

Des weiteren möchten wir darauf hinweisen, dass der heutige 18. März ein Aktionstag für politische Gefangene ist. Erstmals wurde er 1923 von der Rote Hilfe zum "Internationalen Tag der Hilfe für die politischen Gefangenen" deklariert. Wir senden darum unsere solidarischen Grüsse nach Deutschland, wo in vielen Städten demonstriert wird, insbesondere in Berlin an die Konferenz zur Freilassung aller politischer Gefangener.
Des weiteren grüssen wir die GenossInnen in Paris, die heute Joelle Aubron, Militante der Gruppe "Action Directe" beerdigen. Joelle war während Jahren im Knast, wo ihr medizinische Hilfeleistung verwehrt blieb.

Unsere solidarischsten Grüsse schicken wir aber Erdogan, hier von der Demo durch die ganze Stadt nach Arlesheim in den Knast!

Freiheit für alle politischen Gefangenen!


Nürnberger Knast mit Farbbeuteln angegriffen

19.03.2006
In der Nacht vom 17. auf den 18.3 wurde der Nürnberger Knast am Rande des linken Stadteils Gostenhof von mehreren Vermummten mit Farbeiern angegriffen.
Anscheinend war der Anlass für diese Aktion einerseits der Tag der politischen Gefangenen und andererseits die Rache dafür dass die alljährliche unangemeldete Knastdemo, bei der an Silvester ein Feuerwerk über die Knastmauer geschoßen wurde und die Gegend verschönert wurde, dieses Jahr durch ein USK-Aufgebot mit brutalen Mitteln verhindert wurde.


FREIHEIT FÜR ALLE POLITISCHEN GEFANGENEN!!


 


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