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Lufthansa-Ausstellung eröffnet mit Protesten
Frankfurt: Infos gegen deportation.class

 


Am Abend des 15. Juni eröffnete im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, die Ausstellung "Die Schwingen des Kranichs. 50 Jahre Lufthansa-Design". Da durfte auch das Design der deportation.class nicht fehlen. Wir kamen auch und haben dort das Abschiebegeschäft der Lufthansa thematisiert. Bericht und Flugblatt...




Lufthansa-Ausstellung eröffnet mit Protesten
von einer die dabei war - 16.06.2005 17:03]
[Quelle: http://de.indymedia.org/2005/06/120683.shtml]

Am Abend des 15. Juni eröffnete im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, die Ausstellung "Die Schwingen des Kranichs. 50 Jahre Lufthansa-Design". Wir kamen auch und haben dort das Abschiebegeschäft der Lufthansa thematisiert. Es hat Spaß gemacht...

Ein mutiges Unterfangen der Lufthansa, einen Tag nach dem Online-Demo-Prozess ( http://de.indymedia.org/2005/06/120421.shtml und http://www.libertad.de) in Frankfurt eine Propaganda-Ausstellung zu präsentieren. Mit dem Online-Demo-Prozess war das Abschiebegeschäft, insbesondere das der Lufthansa, wieder mal ein Thema in der Stadt. Die örtlichen Tageszeitungen haben an diesem Tag in ihrer Prozessberichterstattung auch über die Machenschaften der Lufthansa berichtet.

Was lag also näher, an diesem städtischen Museum aufzukreuzen und "Hallo" zu sagen? Zu 25st sind wir dort kurz vor Veranstaltungsbeginn aufgetaucht. Mitgebracht hatten wir Flugblätter und unzählige deportation.class-Materialien aus den vergangenen Jahren: deportation.class-Zeitungen, Postkarten gegen Abschiebungen, Aufkleber mit Portraits von Boris Becker, Veronika Ferres und anderen, die sich darauf gegen die "jährlich über 10.000 Abschiebungen durch die Lufthansa" aussprechen sowie Mobilisierungsmaterialien zum Online-Demo-Prozess. Unsere Materialien hätten auch in der Ausstellung gezeigt werden können, schließlich hat sich die deportation.class-Kampagne an dem Design der Lufthansa orientiert, um den Konzern in den Schmutz zu ziehen.

Überraschenderweise waren weder Polizei vor Ort noch irgendwelche Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Es wurde von unserer Seite zwar kurzfristig, aber doch breit und öffentlich mit Flugblättern und über das Internet mobilisiert. Persönlich versagt hat also Günter Brandt vom K 41, der Staatsschutzabteilung des Polizeipräsidiums Frankfurt. KOK Brandt ist - laut eigener Aussage im Online-Demo-Prozess am 14. Juni 2005 - für die Überwachung von Internetseiten Frankfurter linker Gruppen zuständig.

Problemlos und ungehindert mischten wir uns also zwischen die etwa 250 Gäste, verteilten unsere Materialien an der Einfahrt, im Garten an den Stehtischen, innerhalb des Museums, legten es auf die Ablagen und klebten es an die Toilettenwände. Die Besucherinnen und Besucher reagierten sehr unterschiedlich. Zunächst warfen alle einen Blick auf das Material, einige wollten es zurückgeben, andere lasen es interessiert zu Ende. Einige wünschten uns lautstark von dem Gelände oder zerrissen unsere Flugblätter, andere äußerten offen ihre Sympathie: "Gut, dass Sie diese Thematik hier einbringen", "Ach ja, ich habe von dem Gerichtsprozess ‚Lufthansa gegen Abschiebe-Gegner’ gehört." Die Stimmung war zur Hälfte gegen, zur anderen Hälfte für uns.

Wir verteilten fleißig unser Material, auch nachdem im Museum die Eröffnungsreden begannen. Wir standen zum Teil für längere Gespräche und Diskussionen zur Verfügung. Manche unserer Gesprächspartner wurden dabei laut: "Ihr lernt nichts dazu" und erregten so die Aufmerksamkeit der Umstehenden. Das kam nur uns und unserer Sache zu gute. Viele wollten wissen, was eigentlich los ist, warum es so unruhig ist, warum die Menschen mit den Schildchen am Jackett so nervös hin und her rennen, sich zuflüstern und bestimmten Besuchern auf Schritt und Schritt nachlaufen.

Einige von uns waren durch "Libertad 4 online-protest"-T-Shirts, die einen abstürzenden Lufthansa-Kranich als graphisches Element enthielten, klar als Protestierende erkennbar. Vorsichtig und behutsam versuchten Museumsangestellte und der Lufthansa-Geheimdienst (genannt: LH-Konzernsicherheit) innerhalb des Museums Einzelne von uns zu stoppen und hinaus zu bitten. Wer diese Aufforderung klar zurückwies oder gar drohte: "Wenn Sie mich noch einmal ansprechen oder anfassen, werde ich laut los schreien", konnte sich auch innerhalb des Museum bewegen und quer durch den Raum gehen. Dabei zog man eine Traube von Sicherheitspersonal hinter sich her und damit die Blicke und das Interesse auf sich. Die gerufene Polizei wurde vom Veranstalter gebeten, zweihundert Meter entfernt, für die Besucher nicht sichtbar, zu parken und dort ihre Arbeit zu erledigen. Der Hausherr hätte gerne unsere Personalien gehabt, aber seiner Bitte, ihn zu den beiden Polizeibeamten zu begleiten kam natürlich keiner nach. Im Gegenteil.

Wir bewegten uns unter den Gästen regelrecht wie Fische im Wasser. Die Veranstalter wollten und konnten es sich nicht leisten, Menschen gewaltsam aus dem Saal oder dem Garten zu entfernen. Unter dem Publikum gab es ganz offensichtlich nicht wenige, die uns gegenüber Zuneigung hegen. Künstlerszene eben. Tumult oder Geschrei wie beispielsweise "Das Design der Lufthansa steht für den Mord an Amir Ageeb, der bei seiner Abschiebung in einer Lufthansa-Maschine ums Leben kam" hätten der schönen Feier und der guten Stimmung geschadet. Von dieser unerwarteten Situation waren wir etwas überfordert. Es ist uns nicht gelungen, gemeinsam und spontan darauf einzugehen und die Angelegenheit zuzuspitzen oder gar zu überspitzen. Wir beließen es dabei, weiter seelenruhig, aber offensiv deportation.class-Materialien zu verteilen und sachlich zu diskutieren.

Die Veranstalter und die anwesenden Lufthansa-Vertreter waren merklich nervös. Wie HB-Männchen wuselten sie herum. Die Blicke der auf den Stühlen sitzenden Chefs und einiger Festredner wanderten zwischen anwesenden protestierenden Flugblattverteilern und Sicherheitskräften hin und her. Ihre Hilflosigkeit war belustigend und wird uns in schöner Erinnerung bleiben.

Gut eine Stunde konnten wir uns dort aufhalten und uns verhältnismäßig frei bewegen. Uns wurden Schnittchen und alle möglichen Getränke, darunter auch sehr guter Wein, gereicht. Das hat uns sehr gefallen und gut geschmeckt.

Als wir sämtliches Material verteilt und unter die Leute gebracht hatten, machten sich die meisten von uns auf den Heimweg, andere diskutierten weiter und tranken dabei noch das ein oder andere Schlückchen. Etwa die Hälfte der Besucherinnen und Besucher hatten wir angesprochen. Unsere Anwesenheit wurde wahrgenommen, auch von vielen, denen wir nicht unmittelbar Material in die Hand drücken konnten. Unser Auftauchen weckte Neugierde: "Was war denn da?" "Ach, die Lufthansa schiebt doch Flüchtlinge ab. Dagegen sind die."

Lufthansa hat unsere Aktion tierisch geärgert. Das erfüllt uns mit großer Freude. Wir finden, dass es solche Aktionen in Frankfurt viel häufiger geben sollte. Anlässe dafür gibt es genug, beispielsweise während des Begleitprogramms zu dieser Ausstellung:

Am Sonntag, dem 19. Juni um 15.30 Uhr, Führung mit Prof. Dr. Volker Fischer.

Am Mittwoch, dem 22., dem 29. Juni und dem 6. Juli, jeweils von 17 bis 18.30 Uhr im fachbereichsübergreifenden, öffentlichen Seminar zur Ausstellung, das in Kooperation mit der Hochschule für Gestaltung stattfindet.

Am Mittwoch, dem 6. Juli um 18.30 Uhr, Führung mit Prof. Dr. Ulrich Schneider. Wieder leckeres Essen und Trinken gibt es dann im Anschluss an diese Führung um 19.30 Uhr: "École du goût. Die Geschmacksschule für Genießer. Die Lufthansa Küche. Genießen über den Wolken."

Besonders ansprechend ist auch das Kinderprogramm:
Sonntag, der 26. Juni, 15.30 Uhr. Führung mit Aktion für Kids in englischer Sprache.
Sonntag, der 17. Juli, 15.30 Uhr. Führung mit Aktion für Kids

Homepage:: http://www.aktivgegenabschiebung.de/




Das Flugblatt zur Aktion


Nachfolgend ist das verteilte Flugblatt dokumentiert. Die darin aufgestellte Behauptung, Lufthansa hätte die Ausstellung mitfinanziert ist nur insofern richtig, dass Lufthansa die Ausstellungsstücke kostenlos zur Verfügung stellt. Auf der Rückseite des Flugblattes waren Fotos des deportion.class-Busses und des deportation.class-Plakats abgebildet.

Zur „Lufthansa Design“-Ausstellung
Eine andere Meinung ist hier unerwünscht


Es steht schlecht um die Kunst und Kultur in unserer Stadt. Die öffentlichen Gelder werden gekürzt, was die Museen zwingt, Ausstellungen von Großkonzernen in ihren Räumen zu präsentieren.

Heute wird die Ausstellung "Die Schwingen des Kranichs. 50 Jahre Lufthansa-Design" eröffnet. Die Ausstellung und die Eröffnungsveranstaltung werden von der Lufthansa finanziert. Sie ist bezahlt mit schmutzigen Geldern, die unter anderem durch Abschiebungen von Flüchtlingen eingenommen wurden. Deswegen protestieren wir hier. Das Museum für angewandte Kunst soll diese untragbare Ausstellung umgehend schließen.

Das Abschiebegeschäft der Lufthansa wurde von einer antirassistischen Kampagne aufgegriffen, die sich "deportation.class" nennt. Diese Kampagne von "kein mensch ist illegal" griff das Lufthansa-Design auf, indem sie Faltblätter und vieles andere produzierte, was am Layout der Lufthansa orientiert ist. Damit soll das mörderische Geschäft mit den Abschiebungen in die Öffentlichkeit getragen werden. Lufthansa ist gegen die Plagiate juristisch vorgegangen – und gescheitert. Es dürfen weiter von Plakatausstellungen bis zu Plastiktüten alles mit dem verwandelten Konzern-Logo in den Konzern-Farben mit dem Schriftzug „deportation.class“ verbreitet werden. Der auch in Frankfurt eingesetzte Bus-Transporter "Lufttransa deportation.class" steht heute in einem deutschen Museum. Darüber schweigt die Propaganda-Ausstellung der Lufthansa im Museum für angewandte Kunst. Der Vollständigkeit halber bringen wir einige dieser Materialien mit hierher.

Lufthansa stellt Strafanzeige gegen Kritiker
Prozess am 1. Juli 2005 am Amtsgericht Frankfurt, Gebäude E, Saal II

Wegen einer großen und bekannten Aktion gegen ihr Abschiebegeschäft hat die Lufthansa Anzeige erstattet. Diese Aktion war eine Online-Demonstration. Die Initiativen "Kein Mensch ist illegal" und „Libertad!“ hatten dazu aufgerufen, während der Lufthansa-Aktionärs-versammlung 2001 durch massenhaftes Abrufen der Lufthansa-Homepage diese zu blockieren. Dem Aufruf sind über 13.000 Menschen gefolgt. Der Server der Lufthansa war 8 Minuten nicht erreichbar. Die Aktion hatte ein weltweites Medienecho ausgelöst und das Image des Luftfahrtskonzern beschädigt. Genau das war auch das ehrenwerte Ziel der Online-Aktivistinnen und Aktivisten.

Am 14. Juni 2005 fand deswegen vor dem Amtsgericht Frankfurt der erste Prozesstag statt. Der Angeklagte der Initiative Libertad! hat dort in seinen Ausführungen deutlich gemacht, dass die Online-Demo politisch richtig und zivilgesellschaftlich notwendig war. Erst durch die deportation.class-Kampagne hat Lufthansa öffentlich Stellung zu ihrer Beteiligung am zum Teil tödlich verlaufenden Abschiebegeschäft beziehen müssen. Sie weigert sich bis heute, der Forderung von Abschiebegegnern nachzukommen und aus dem Abschiebegeschäft auszusteigen.

1994 und 1999 sind zwei Flüchtlinge bei ihrem Abschiebeversuch in Lufthansa-Maschinen ums Leben gekommen. Für den Tod dieser Menschen steht auch die Lufthansa.

Kommen Sie am 1. Juli 2005 um 11 Uhr zum Prozess ins Frankfurter Amtsgericht und sehen Sie sich auch die dunkle Seite der Lufthansa an.

Informationen:
http://www.deportation-class.com/
http://www.libertad.de/online-demo/


Suchwörter: Onlinedemo : Online-Demo Prozess, Lufthansa, Abschiebung
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Dokument veröffentlicht am 17.06.2005 um 5:56 Uhr durch Reporterin
zuletzt geändert am 29.04.2006 - 11:19
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