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Freiheit für alle politischen
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21:6:5 - "21 Jahre im Rhythmus der Knastwillkür..."
Brief von Régis Schleicher, Clairvaux 17. März 2005
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"...Aber es sind auch 21 Jahre des Widerstandes..." Régis Schleicher ist seit März 1984 in Frankreich im Knast. Mit jetzt 21 Jahren abgesessener Strafe gilt er als der seit Auguste Blanqui am längsten inhaftierte politische Gefangene in Frankreich. Aus dem Gefängnis von Clairvaux schrieb Régis Schleicher den folgenden Brief.
[aus: http://www.action-directe.net/modules.php?name=News&file=article&sid=309]
21: die Anzahl nicht endender Winter der Unnachgiebigkeit. 21 Jahre Erniedrigung. 21 Jahre im Rhythmus der Knastwillkür. 21 Jahre sozialen und emotionalen Elends.
Im Laufe der letzten 18 Jahre wurde Nathalie halbseitig gelähmt, Georges litt an schweren psychischen "Störungen", Joelle musste an Hirnmetastasen operiert werden und bei Jean-Marc wurde Lungenkrebs diagnostiziert (Anm.: Diese Diagnose wurde mittlerweile zurückgenommen, Stand Ende April 2005). Was mich betrifft, so werde ich seit zwei Jahren in einer zermürbenden Isolationsumgebung festgehalten wo ich von psychotischen Gefangenen umgeben bin. Das Ganze soll sich dadurch auf mein pschisches Gleichgewicht auswirken, dass die unberechenbaren Demonstrationen von Unwohlsein meine Tage und Nächte stören.
21 Jahre psychologischen Drucks, der darauf abzielt meinen Kampfeswillen zu brechen und mich zum Abschwören zu bewegen. Aber es sind auch 21 Jahre des Widerstandes, der ohne Zuwendung und Solidarität meiner FreundInnen und GenossInnen, den bekannten und unbekannten, nicht möglich gewesen wäre.
6: das sind die Jahre, die seit dem Ende meiner Mindesthaftzeit vergangen sind, die mir die Sondergerichte bei meiner Verurteilung zu lebenslänglich wegen meines Engagements in der revolutionären Bewegung auferlegt hatten. Ich denke weiterhin, dass man sich nicht mit einer Welt zufrieden geben kann, in der jeden Tag 15.000 Kinder an Hunger, Durst und den Folgen von Unterernährung sterben. Ich denke weiterhin, dass man keinem System zustimmen kann, in dem das Gesetz des Profits Millionen von afrikanischen und asiatischen Aidskranken in Massengräber schickt. Ich denke weiterhin, dass man nicht mit einer Weltordnung einverstanden sein kann, in der geplündert und massakriert wird, in der missachtet und ausgebeutet wird, in der ausgeschlossen und entlassen wird. Ich denke weiterhin, dass man keine ökonmische Planung akzeptieren kann, in der Bestialität und Gewissenlosigkeit die Grundvoraussetzungen des Erfolges sind. Ich denke weiterhin, dass die Zukunft der menschlichen Gattung gehört, der Harmonie, der Aufgeschlossenheit gegenüber Fremden, dem Respekt gegenüber Individuen und Unterschiedlichkeiten - und nicht der Barbarei, Konkurrenz, Chauvinismus und Sexismus. Klar gesagt denke ich, dass eine andere Welt möglich ist und ich bereue keinen Augenblick gekämpft zu haben, noch schwöre ich dem kommunistischen Ideal ab.
Und - um immer wiedekehrende Polemiken zu vermeiden- ich erkenne die mit unserem Kampf verbundenen Grenzen. Gleichzeitig erkenne ich einen Teil der kollektiven Verantwortung an den Irrtümern des revolutionären Handelns in der nachfolgenden Periode an – mit den Konsequenzen, die das für die soziale Bewegung mit sich gebracht hat.
5: ebenso viele Anträge auf Freilassung wie Ablehnungen. Die letzte wegen meiner Freiheitssehnsucht, die das "Bewährungsgericht sich fragen lässt, ob der Verurteilte resozialisierungswillig ist und ob er Werte und Normen des gesellschaftlichen Lebens zu respektieren bereit ist."
Nach ihrer Ablehnung und nach 19 Jahren Knast bin ich es leid, die Rechnung in der Zeit nach dem 11. September und die Kosten der Sicherheitspropaganda tragen zu sollen. Ich war es leid, dass man mir das Leben gestohlen hat und habe die Wahl getroffen, das Schicksal herauszufordern und die Freiheit über andere Wege zu suchen...
"Eigenartigerweise" zweifelt man nicht im Geringsten am "Resozialisierungswillen" und an der "Respektierung der Werte und Normen des gesellschaftlichen Lebens", wenn es um die Killer der SAC[1] (die die Drecksarbeit der RPR erledigte) und die gedungenen Mörder der GAL (die im Dienste des spanischen Staates in Zusammenarbeit mit der spanischen und französischen Polizei handelten) als es darum ging, sie auf Bewährung raus zu lassen.
Nach 21 Jahren Gefangenschaft, sechs Jahre nach dem Ende der Mindesthaftzeit, die sie mir bei meiner Verurteilung aufgedrückt hatten, wurde also mein fünfter Antrag auf Bewährung abgelehnt, weil ich wahrscheinlich nochmals wegen Fluchtversuches vor Gericht gestellt werde. "Eigenartigerweise" gab es viel weniger Spitzfindigkeiten, als es darum ging die Strafen der Verurteilten in der ELF-Affäre und der Affäre der Taiwan-Fregatten[2] umzuwandeln, deren "Strafsituation sich" ebenfalls "zu entwickeln drohte". Am 20. Januar 05 legte der Staatsanwalt während der Sitzung des Bewährungsgerichtes Wert darauf zu beteuern, dass ich für diese Taten "schwer bestraft werden" würde. Eine Ankündigung, die noch zu verstehen wäre, wenn es sich nicht um den Staatsanwalt von Troyes handeln würde ...wo ich doch in Paris vorgeladen werde! Womit über den Charakter des Prozesses, der mich erwartet alles gesagt sein dürfte – für die, die noch Illusionen über die Zukunft haben, die man für gefangene Revolutionäre bereithält...
Während der langen Durchquerung der Wüste der 90er Jahre standen die "Klasse" des Volkes und die Ausgegrenzten aller Arten, die Prekären, Frauen, ImmigrantInnen, Sans-Papiers, Obdachlose, Jugendliche etc. dem Erstarken einer zerstörerischen Offensive gegen die bereits schwierigen Lebens- und Arbeitsbedingungen gegenüber. Diese Verschlechterung führte zu einer verstärkten Atomisierung in den sozialen Beziehungen und dem verallgemeinerten Status von Enterbten, was auf die Beschneidung der historischen Errungenschaften der Arbeiterbewegung (Sozialversicherung, Renten, Arbeitslosenversicherung, Asylrecht, etc.) zurückzuführen ist. Heute beunruhigt die belebende Wiederzusammensetzung der sozialen Bewegung und der antagonistischen Szenen die Vertreter des Liberalismus und der "All-Repression". Seitdem ist die Vernichtung des Erfahrungserbes, für das wir Gefangenen stehen, ein strategisches Ziel der lokalen Eiferer der neuen Weltordung. Umgekehrt stellt die Bewahrung dieses Gedächtnisses des Kampfes, seine Wertschätzung über die Offenkundigkeit der Grenzen und Irrtümer der militanten Politik, die wir verfolgt haben hinaus, ein mögliches Terrain für die Verbreitung kollekiven Bewusstseins dar. Deshalb wird die Dialektik: Unnachgiebigkeit auf ihrer Seite/ Widerstand auf unserer, ein Terrain der Kristallisation von Spannungen, was die Ablehnung meines fünften Antrages auf Freilassung beweist; sechs Jahre nach Ablauf. Nach 21 Jahren Eingesperrtseins versuchen sie Unnachgiebigkeit in den Fällen von Joelle, Nathalie, Jean-Marc und Georges mit Vernichtung einher gehen zu lassen. Die Stärke der Mobilisierung für unsere Freilassung beweist die Klarheit und Reife der militanten Kräfte, was der Mobilisierung Leben gibt und das Verständnis trägt für die Bedeutung dieser Herausforderung. Ich möchte mit großer Wärme all jenen menschlich und politisch danken, die sich beteiligen und die die Hoffnung dadurch fortbestehen lassen.
Clairvaux, am 17.März 05 Régis Schleicher
[1] Service d´action civique = am Ende des Algerienkrieges gegründet mit dem Ziel der Verteidigung De Gaulles ; "Ordnungskräfte" der gaullistischen Partei [2] unter der Hand wurden französische Fregatten in Taiwan verkauft
Suchwörter: Libertad : Frankreich, Knast, Action Directe
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© Libertad!
Dokument veröffentlicht am 13.06.2005 um 7:16 Uhr durch admin
zuletzt geändert am
29.04.2006 - 11:19
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