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Freiheit für alle politischen
Gefangenen weltweit!
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{Libertad_projekte}
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Was macht die IG Medien zum Tag der politischen Gefangenen?
jW sprach mit Rolf Becker und Jupp Bergmann
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Junge Welt 17.03.2001: Der Antifaschist J. Bergmann und R. Becker besuchten Mitte Januar den RAF-Gefangenen Christian Klar
Der Antifaschist Jupp Bergmann und Rolf Becker, Schauspieler und Mitglied der IG Medien, besuchten Mitte Januar den RAF-Gefangenen Christian Klar in der Justizvollzugsanstalt Bruchsal
F: Die Betreuung politischer Gefangener ist hierzulande nicht gerade ein klassisches Gewerkschaftsthema. Trotzdem besuchten Sie als Mitglieder des Arbeitskreises für politische Gefangene der IG Medien Hamburg im Januar den ehemaligen RAF-Mann Christian Klar. Wie kam es zu dem Besuch?
RB: Wir beschäftigen uns schon sehr lange mit der Situation der politischen Gefangenen. Vom Gründungskongreß der IG Medien im April 1989 wurde ein Antrag gestellt, in dem Bund und Länder aufgefordert wurden, »den RAF- Gefangenen schnellstens ein verhandlungsfähiges Angebot zu deren Forderung nach Zusammenlegung zu unterbreiten«. Die Gefangenen waren zu dem Zeitpunkt schon seit über neun Wochen im Hungerstreik. Der Antrag war zunächst heftig umstritten, wurde aber schließlich einstimmig verabschiedet. Danach hat es einige Jahre gedauert, bis wir wieder eigene Aktivitäten starteten, diesmal gegen die Länge der Haftzeiten. Wir haben uns für die Freilassung von Irmgard Möller, Hanna Krabbe und Christine Kuby eingesetzt, die in Lübeck inhaftiert waren. Zunächst mit einem Weihnachtspaket 1994, von Kolleginnen und Kollegen unserer Gewerkschaft finanziert, und dem Tucholsky-Zitat: »Einen Gruß in die Zellen, wir denken an Euch!« Es folgten Besuche, Veranstaltungen und Verhandlungen, bis die drei 1996 nach 20 Jahre n Haft endlich draußen waren.
Den Anstoß zu der laufenden Initiative gaben uns IG- Medien-Kolleginnen und -Kollegen der Berliner Volksbühne, die zum 9. November 1999, dem 25. Todestag von Holger Meins, mit dem {»Aufruf zur Freilassung der letzten RAF- Gefangenen«} an die Öffentlichkeit traten. Wir fingen an, ihre Unterschriftensammlung zu unterstützen und nahmen Kontakt zu Christian Klar auf. (siehe auch: Aufruf/Bericht/Interview zu der gemeinsamen Veranstaltung von Völksbühne und Libertad! in der {so oder so Nr. 5})
F: Die Arbeiterbewegung und die RAF standen sich ja zu deren aktiver Zeit nicht gerade sehr nahe?!
RB: Die politische Motivation der RAF - Protest gegen den Vietnamkrieg, Abrechnung mit der Nazivergangenheit, ihre antikapitalistische Ausrichtung - konnten wir weitgehend nachvollziehen, nicht aber die Methoden, die sie angewandt hat, und nicht ihren Avantgardeanspruch. Das war und ist nicht Sache der Arbeiterbewegung. Die Diskussion darüber muß geführt werden, auch deshalb ist unsere politische Überzeugung, daß die politischen Gefangenen der RAF raus müssen. Als Voraussetzung für die ausstehende gesells chaftliche Auseinandersetzung mit ihnen und ihrer Geschichte, die, wie immer wir sie auch bewerten mögen, Teil unserer eigenen Geschichte und der Geschichte dieses Landes ist. Diese notwendige Auseinandersetzung mit ihnen kann nicht durch Mauern geführt werden.
JB: Ich möchte dazu mal aus dem Aufruf der Volksbühne zitieren: Die Freilassung ist ein »Gebot des Resthumanismus, ohne den auch diese Gesellschaft nicht existieren kann«.
F: Wie geht es Christian Klar?
JB: Eine an sich banale Frage, bei deren Beantwortung wir uns vergegenwärtigen müssen, daß Christian Klar fast neunzehn Jahre inhaftiert ist. Abgeschnitten von allem, was Leben ausmacht, von Familie und Freunden, Beruf und Freizeit, von Möglichkeiten zur Diskussion und zur Verwirklichung von Gefühlen, die Verbindung zur Gesellschaft reduziert auf beaufsichtigte Besuche und zensierte Briefe. Sieben dieser neunzehn Jahre verbrachte er in völliger Isolierung, was der heutige Innenminister Otto Schily 1974 als »legale Folter« und »Verwesung bei lebendigem Leib« bezeichnet hat. Der Anwalt Heinrich Hannover hat einmal sinngemäß gesagt, was dieser Staat mit den politischen Gefangenen praktiziert, ist nicht Strafe, sondern Rache. Oder mit Erich Fried ausgedrückt: »Anfrage an die Justiz betreffend der Länge der Strafen: Wieviel tausend Juden muß ein Nazi ermordet haben, um heute verurteilt zu werden zu so langer Haft?« Fast neunzehn Jahre sitzt Christian Klar in Haft, laut Gerichtsbeschluß soll nach 26 Jahren früh estens geprüft werden, ob er vorzeitig entlassen wird - eine bislang einmalige Maßnahme in der Geschichte der BRD.
Ihm wird nicht erlaubt, sich einen Computer anzuschaffen. Er hat beantragt, ein Fernstudium absolvieren zu dürfen. Das wurde ebenfalls abgelehnt. Eine menschliche Behandlung der Gefangenen, die Möglichkeit einer Ausbildung und tarifliche Bezahlung, das waren Forderungen der Sozialdemokratie schon vor dem Ersten Weltkrieg. Doch Christian Klar wird eine Berufsausbildung verweigert. Damit wird er über die Haftzeit hinaus bestraft. Als würden die menschlichen Grundrechte der Verfassung für Gefangene nicht gel ten.
RB: Er ist zwar nicht mehr vollständig isoliert, aber die Folgen der jahrelangen Isolationshaft sind deutlich wahrnehmbar, wenn er spricht zum Beispiel, leise und langsam, manchmal wie verzögert, mit häufigen Pausen, vor allem zu Anfang unseres Besuchs.
F: Welche weiteren Aktivitäten planen Sie?
RB: Am 17. und 18. März findet der letzte Gewerkschaftstag der IG Medien statt, gleichzeitig ist der 18. März der »Tag der politischen Gefangenen«. Und an diesem Tag werden wir den Antrag stellen, den Aufruf der Kolleginnen und Kollegen der Berliner Volksbühne zu unterstützen. Auch wenn dieser Antrag abgelehnt werden sollte, müssen sich doch die etwa 350 Delegierten und die Gäste mit dem Thema befassen. Wir hoffen, daß sich in der Folge in allen Gewerkschaften Unterstützer für den Aufruf der Berliner Volksbühne finden und sich die Forderung zu eigen machen. Die Freilassung der politischen Gefangenen muß zu einem gesellschaftlichen Thema werden.
Interview: Birgit Gärtner
Suchwörter: 18.Maerz :
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© Libertad!
Dokument veröffentlicht am 17.03.2001 um 13:49 Uhr durch admin
zuletzt geändert am
29.04.2006 - 11:19
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